Werders Last-minute-Sieg Spiel's noch einmal, Sam

Man sieht sich immer zweimal im Leben. So auch Alexander Nouri und das Schicksal. Drei Tage nach der Last-minute-Niederlage gegen Mainz drehte Werder das Match gegen Wolfsburg. Alles Wichtige zum Spiel.

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Ausgangslage des Spiels: Werder Bremen stand nach vier Bundesligaspielen noch ohne Punkt da. Auch unter Interimstrainer Alexander Nouri hatte Werder im Spiel gegen Mainz eine Führung noch verspielt. Der VfL Wolfsburg hatte ebenfalls erst ein Spiel gewonnen und gegen Dortmund am Dienstag fünf Gegentore kassiert. Nimmt man die desolate Lage des HSV hinzu, kommt man auf eine trostlose Summe: Von 39 möglichen Punkten hatten die drei Nordklubs der Bundesliga bisher zusammen sechs geholt.

Die Startformationen:
Bremen: Drobny - Gebre Selassie, Veljkovic, Moisander, Bauer - Grillitsch - Hajrovic, Fritz, Junuzovic, Gnabry - Manneh.
Wolfsburg: Casteels - Vieirinha, Bruma, Wollscheid, Horn - Arnold - Blaszczykowski, Seguin, Gerhardt, Draxler - Gomez.

Das Ergebnis: 2:1 (0:0). Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Torlos. Werder zog sich oft tief zurück und versperrte Wolfsburg den Weg in den Strafraum. Mit Erfolg: Ein einziger Abschluss gelang dem VfL vor der Pause: Vieirinha verzog aus spitzem Winkel. Viel besser waren die Bremer Chancen, die meist Kontern oder Standardsituationen entsprangen. Die größte hatte Niklas Moisander. Dem Verteidiger fiel eine Ecke von Zlatko Junuzovic praktisch auf den Kopf. Aus acht Metern brachte er den Ball aber nicht aufs Tor.

Woran es wirklich liegt: Trainer Viktor Skripnik wurde bereits entlassen. Sportchef Thomas Eichin musste im Frühjahr gehen. Den Spielern hat man auch schon die Schuld gegeben. Was aber hat sich noch geändert, bevor Werder seine punktlose Serie startete? Das ist die Spielkleidung. Die neuen, seit dieser Saison getragenen Leibchen sehen aus wie versehentlich in die Buntwäsche geratene Celtic-Trikots.

Zlatko Junuzovic (r.) leidet auch unter Werders neuen Trikots
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Zlatko Junuzovic (r.) leidet auch unter Werders neuen Trikots

Die zweite Hälfte: Sah zunächst etwas besser aus für den VfL Wolfsburg. Julian Draxlers Schuss nach Anspiel von Yannick Gerhardt prüfte immerhin Jaroslav Drobny. Ein hochklassiges Fußballspiel sahen die treuen Fans im Weserstadion allerdings immer noch nicht. So passte es ins Bild, dass der erste Treffer des Abends ein Eigentor war. Jannes Horn flankte von links vors Tor, Mario Gomez verpasste, aber Robert Bauer drückte den Ball am zweiten Pfosten ins eigene Netz (69. Minute). Werder aber gab einfach nicht auf und kam in den letzten vier Minuten noch zu zwei Toren: Lennart Thy hämmerte nach Ablage von Serge Gnabry einen Schuss unter die Latte (86.), Theodor Gebre Selassie köpfte in der Nachspielzeit nach einer Ecke sogar den Siegtreffer.

Vom Kopf auf die Füße gestellt: Eins kann man Alexander Nouri und seiner Mannschaft nicht vorwerfen: Dass sie sich von Schicksalsschlägen entmutigen ließe. Im ersten Spiel unter Nouri hatte Werder einen Vorsprung in den letzten Minuten noch komplett aus der Hand gegeben. Heute spielte die Mannschaft ziemlich gut, geriet aber durch ein Eigentor in Rückstand.

Ließen die Bremer in ihren Celtic-Pyjamas jetzt die Köpfe hängen? Nein. Sie drehten einfach selbst ein Spiel in den letzten fünf Minuten, nur drei Tage nach dem Mainz-Drama. Im Fußball wird eigentlich viel zu oft von "Charakter" fabuliert. Diese Werder-Mannschaft aber hat ihn wirklich. Rettet das jetzt Nouri den Job? Das Wort hat Werder-Vorstand Klaus Filbry...

Eloquenteste Null-Aussage des Abends: "Wir denken in alle Richtungen und wollen die beste Lösung für den Verein finden. Bei uns ist immer das Thema Kompetenz an Nummer eins. Das ist mit Abstand das wichtigste Kriterium." So Filbry. Kompetenz das wichtigste Kriterium? Was denn sonst, liebes Werder-Präsidium? Das Sternzeichen? Immerhin bestätigte Filbry, man habe sich mit Markus Gisdol "auseinandergesetzt".

Stimmung und Analyse: Die Atmosphäre im Weserstadion erinnerte an den Klassenerhalt, der im Mai durch ein spätes Tor von Papy Djilobodji gegen Eintracht Frankfurt gelang. Trainer, Spieler und Fans feierten die ersten Punkte der Saison ausgelassen und sehr laut.

Die Verantwortlichen des SVW sind aber gut damit beraten, ihre Entscheidung über den künftigen Trainer nicht davon abhängig zu machen, ob in einem Spiel noch zwei späte Tore fallen. Der Zeitpunkt der Entlassung von Viktor Skripnik war schlecht genug gewählt. Die nächste Entscheidung sollte nicht aus einer Tageslaune heraus fallen.



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Nonvaio01 24.09.2016
1. wow
Bremen gewinnt ein spiel....
panzerknacker 51 24.09.2016
2. Sponsor
Wer für Wiesenhof Reklame macht, ist unten durch.
thequickeningishappening 24.09.2016
3. Zu # 2
Arnold Schwarzenegger bekam letztes Jahr eine Geldbusse, weil er bei einer Werbeveranstaltung in Melbourne sich ohne Helm auf ein Fahrrad setzte. Jonny Depp musste seine Hunde im Privatjet ausfliegen weil Sie nicht ordnungsgemaess angemeldet waren. Meine Glaskugel sagt mir dass Bremen und Freiburg in der 1. Liga bleiben werden!
wegefeuer 24.09.2016
4. großes Wow
da sieht mann den Kampfwillen der Mannschaft,weiter so Werder
tistoffa 24.09.2016
5. Sternzeichen ungleich Tageslaune?
Den letzten Absatz hätte man sich nach der Kritik an der Aussage von Herrn Filbry schenken können..
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