Wolfsburg-Sieg nach Magath-Rauswurf Sie können es doch noch

War das wirklich der VfL? Aggressiv und lauffreudig traten die Wolfsburger im ersten Spiel ohne Felix Magath auf - prompt schoss das Team gegen Düsseldorf vier Tore. Es war ein deutliches Signal an den Ex-Trainer.

Wolfsburg-Stürmer Dost (r.): Doppeltorschütze in Düsseldorf
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Wolfsburg-Stürmer Dost (r.): Doppeltorschütze in Düsseldorf


Hamburg - Spielfreude und Wolfsburg - das war in dieser Saison bis dato ein Widerspruch. Umso mehr dürften sich die Zuschauer in Düsseldorf die Augen gerieben haben ob der Leistung des VfL bei der Fortuna. Zwei Tage nachdem sich der Club von Trainer und Manager Felix Magath getrennt hatte, wirkte Wolfsburg wie befreit. "Das war ein großartiges Spiel, das hat richtig Spaß gemacht", sagte Wolfsburgs Regisseur Diego. Er sprach sogar von einem Neustart für die Mannschaft.

In den ersten acht Partien hatte das Team nur zwei Treffer geschossen, ein Spiel gewonnen und war Tabellenletzter. Bayern-Präsident Uli Hoeneß hatte zu Wochenbeginn gesagt: "Wenn die Spieler so wenig laufen, sind sie entweder vom Training kaputt oder spielen gegen den Trainer." Beim 4:1 in Düsseldorf waren die VfL-Profis im Gegensatz zur bisherigen Saison nicht wiederzuerkennen. Sie zeigten Einsatzfreude, Zweikampfhärte und Siegeswillen.

Trotzdem wollte Interimstrainer Lorenz-Günther Köstner nach der Partie nichts davon wissen, dass zuvor gegen Magath gespielt worden sei. "Das schließe ich aus", so der 60-Jährige. Die Frage, wie viel ein neuer Coach innerhalb von nur zwei Tagen verändern kann, blieb trotzdem. Köstner hatte bereits vor der Partie zugegeben, die Mannschaft "aus dem Bauch heraus" aufgestellt zu haben. Außenverteidiger Marcel Schäfer war sich dennoch sich, dass der Trainerwechsel etwas bewegt habe.

Köstner meldet Ansprüche auf dauerhaftes Engagement an

Ob er damit nur den radikalen Umbau der Startelf meinte, ließ er offen. Köstner veränderte die Mannschaft auf sechs Positionen. Die neuen Profis hatten entweder Probleme mit Magath gehabt (Diego), unter dem Ex-Trainer enttäuscht (Schäfer, Josué) oder waren von diesem zuletzt gar nicht mehr berücksichtigt worden (Jan Polak, Simon Kjaer, Makoto Hasebe).

Alle überzeugten gegen Düsseldorf: Kjaer und Schäfer in der Abwehr; Josué, Hasebe und Polak im Mittelfeld; Diego als Spielmacher. Die Einstellung, der Geist, alles sei völlig anders gewesen als unter "dem früheren Trainer", sagte Diego, der Magaths Namen nicht in den Mund nahm: "Wir hatten hier keine Angst, Fehler zu machen - das war wunderbar."

Ohne Magath schienen sie wieder Fußballspielen zu können. "Wir waren sehr aggressiv und laufstark, das war der Schlüssel", sagte Köstner. Sein Team bestimmte die Partie, auch wenn es bis zur 50. Minute dauerte, ehe Stürmer Bas Dost das Team mit seinem Treffer zum 1:0 erlöste. Nach dem zweiten Treffer habe man laut Köstner sehen können, welche Last von vielen Spielern gefallen sei. "Wir haben uns gesteigert und zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht", sagte der Coach: "Wir dürfen das alles aber nicht überbewerten." Allerdings zeigten die Wolfsburger, die in der Sommerpause immerhin rund 54 Millionen Euro für Verstärkungen ausgegeben hatten, dass in der Mannschaft durchaus mehr Potential als der letzte Tabellenplatz steckt.

Köstner selbst deutete an, das Traineramt in Wolfsburg gerne fest zu übernehmen. "Natürlich ist es das Größte für einen Trainer, in der Bundesliga zu arbeiten", sagte er. Zumindest die Statistik spricht für Köstner. Nach Punkten pro Spiel ist er der erfolgreichste Coach in der Wolfsburger Bundesligageschichte. Bereits in der Rückrunde der Saison 2009/2010 hatte er das Team vorübergehend betreut, inklusive des Sieges über die Fortuna bringt es Köstner nun auf 1,81 Punkte pro Partie. Eine Bilanz, die am kommenden Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) beim kriselnden 1. FC Nürnberg durchaus noch verbessert werden könnte.

Fortuna Düsseldorf - VfL Wolfsburg 1:4 (0:0)
0:1 Dost (50.)
0:2 Olic (53.)
0:3 Dost (64.)
1:3 Langeneke (71., Foulelfmeter)
1:4 Diego (78., Foulelfmeter)
Düsseldorf: Giefer - Levels, Langeneke, Juanan, van den Bergh (76. Ilsö) - Bodzek (56. Garbuschewski), Fink - Kruse, Lambertz - Schahin (56. Rafael), Woronin
Wolfsburg: Benaglio - Fagner, Naldo, Kjaer, Schäfer - Polak (86. Kahlenberg), Josué - Hasebe, Diego, Olic (82. Rodríguez) - Dost (86. Lakic)
Schiedsrichter: Welz
Zuschauer: 45.673
Rote Karte: Fink nach einer Notbremse (77.)
Gelbe Karten: Fink, Ilsö - Josué (2)

max/dpa/sid



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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
flowpower22 27.10.2012
1.
Zitat von sysopAPWar das wirklich der VfL? Aggressiv und lauffreudig traten die Wolfsburger im ersten Spiel ohne Felix Magath auf - prompt schoss das Team gegen Düsseldorf vier Tore. Es war ein deutliches Signal an den Ex-Trainer. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-wolfsburg-gewinnt-spiel-eins-nach-magath-a-863816.html
Natürlich haben die gegen Magath gespielt. Diegeo ist ja bekanntlich sehr empfindlich und hat halt gegen Quälix gearbeitet. Den Vereinen sind ja in solchen Situationen total die Hände gebunden. Das Gleiche geschah ja vor ein paar Jahren beim HSV. Kaum war der Trainer weg, explodierten die Spieler, wie van der Vart.
BlakesWort 27.10.2012
2.
Das hatte ich in meinem letzten Kommentar zu Wolfsburg so gesagt. Die Spieler haben gegen den Trainer und sein System der ständigen Unsicherheit rebelliert. Man muss kein Sportler sein, um das nachzuvollziehen. Wenn ihr Arbeitgeber sich nicht darum kümmert, wie sie spielen, sondern sie nach belieben feuert oder nicht weiter beschäftigt, werden sie per se nur auf Sparflamme arbeiten. Wozu sich anstrengen, wenn es nichts bringt?
statussymbol 27.10.2012
3.
Zitat von flowpower22Natürlich haben die gegen Magath gespielt. Diegeo ist ja bekanntlich sehr empfindlich und hat halt gegen Quälix gearbeitet. Den Vereinen sind ja in solchen Situationen total die Hände gebunden. Das Gleiche geschah ja vor ein paar Jahren beim HSV. Kaum war der Trainer weg, explodierten die Spieler, wie van der Vart.
Das hat aber wohl weniger damit zu tun dass man insgeheim aus Trotz gegen den Trainer spielt, als dass man viel mehr aufgrund der Vorgaben des Trainers eingeenget und gezwungen ist so zu spielen. Bei Felix Magath war beispielsweise bekannt dass er die Taktik, Laufwege, Positionen etc. exakt vorgab - und wer davon abwich ob aus Versehen oder mit Absicht wurde mit Schikane bestraft. Wenn ich als Spieler bei jedem Schritt Angst haben muss dass es der falsche gewesen sein und ich dafür bestraft werden könnte kann ich weder frei aufspielen, noch flexibel reagieren noch irgendwie kreativ agieren. Und DAS ist m.M. nach der Hauptfehler in den Magath's Spielsystem, wobei ich zu geben muss dass ich erst letztens einen Artikel mit genau diesem Thema las.
WeEmm2010 27.10.2012
4. Betrug am Zuschauer
....prompt schoss das Team gegen Düsseldorf vier Tore. Es war ein deutliches Signal an den Ex-Trainer.... Es war kein Signal an den Ex Trainer, es war ein Signal an alle Fussballvereine: Spieler die Millionen verdienen können durch Ihren Nicht-Spieleinsatz den Verein in den Würgegriff nehmen. Alle Zuschauer und Sportwetter wurden scheinbar in den Spielen davor betrogen. Es ist vielmehr ein neuer Tiefpunkt in der Geschichte der Bundesliga. Diego ein charakterliches Vorbild für unsere Jugend ?
roulaison 27.10.2012
5. Magath
hat seit der Meisterschaft mit Wolfsburg die Bodenhaftung verloren. Fühlte sich wohl wie der Papst mit seinem Unfehlbarkeitsanspruch. Hatte sicher auch Glück mit seinen Einkäufen damals und in Stuttgart, und wenn es gut lieff, dann wurde seine Leine wohl auch länger. In Punkto Menschenführung scheinen seine Methoden ziemlich antiquiert, und er zeigt sich starrköpfig-beratungsresistent. Vielleicht ein Engagement in Russland? Die Bundesliga ist zu progressiv, mittlerweile zu stark für ihn.
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