Verletzte Bayern-Stars Freiwild

Die Verletzungen von Corentin Tolisso und Rafinha trüben die Stimmung beim FC Bayern. Niko Kovac war nach dem Sieg gegen Leverkusen aufgebracht, wurde von Uli Hoeneß allerdings deutlich überboten.

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Von Florian Kinast, München


Eine Stunde nach Abpfiff humpelte Rafinha aus dem Kabinentrakt. Als er sich Richtung Mannschaftsbus quälte, trug er links einen roten Badeschlappen - in einen normalen Schuh hätte der dicke Fuß nicht mehr gepasst. Immerhin hatte der Brasilianer kein geschientes Knie und musste auch nicht auf Krücken gehen, so wie fünf Minuten vor ihm Corentin Tolisso.

Das souveräne 3:1 gegen einen desolat auftretenden Gegner aus Leverkusen hätte beim FC Bayern Anlass zu großer Euphorie sein können. Weiter Tabellenführer der Bundesliga, als einzige Mannschaft mit drei Siegen aus drei Spielen gestartet, dazu das Traumtor des ewig jungen Arjen Robben - eigentlich war es eine gelungene Generalprobe für den Auftakt in der Champions League am Mittwoch bei Benfica Lissabon.

Gedrückte Stimmung bei den Bayern
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Gedrückte Stimmung bei den Bayern

Doch die Stimmung war miserabel, beinahe gespenstisch. Die beiden schweren Verletzungen sorgten für kollektive Ernüchterung bei den Münchnern. Und Uli Hoeneß hatte seine ganz eigene Sicht der Dinge. Doch dazu später.

Gerade angesichts des strammen Programms mit insgesamt sieben Spielen in 22 Tagen hatten zuletzt viele Spieler einstimmig und wenig überraschend die große Bedeutung eines gesunden und komplett bestückten Kaders erklärt. Doch die Personaldecke wird immer dünner in München: Kingsley Coman fällt mit seinem Syndesmosebandriss, den er sich im ersten Liga-Spiel gegen Hoffenheim zuzog, noch Monate aus.

"Habe das Gefühl, dass wir Freiwild sind"

Gegen Leverkusen saßen Leon Goretzka und Mats Hummels angeschlagen auf der Tribüne, bevor es im Spiel Corentin Tolisso, den Torschützen zum 1:1-Ausgleich, bei einem unglücklichen Zweikampf erwischte. Die Folge: Kreuzbandriss - mehrere Monate Pause. Später spürte Rafinha an seiner linken Achillessehne die offene Sohle von Karim Bellarabi - wofür der kurz zuvor eingewechselte Leverkusener zurecht vom Platz flog.

Niko Kovac wirkte sichtlich aufgebracht, als er später sagte: "Das war nicht nur Rot. Das war Doppel-Rot. Wir haben den dritten Spieltag, und ich habe das Gefühl, dass wir Freiwild sind." Die Bayern hatten sich schon nach dem Auftakt gegen Hoffenheim über das überharte und rustikale Einsteigen der Gäste beschwert. Treten die sportlich chancenlosen Liga-Gegner die Bayern am Ende also gar absichtlich kaputt?

Dann hatte Uli Hoeneß seinen Auftritt. Der Präsident des FC Bayern war in der vergangenen Saison nach Spielen grundsätzlich wortlos an den Mikrofonen der Reporter vorbeigegangen. Ganz so, als habe er sich selbst ein Schweigegelübde auferlegt. Am Samstag aber redete Hoeneß. Zweieinhalb Minuten lang. Und was er sagte, war denkwürdig.

"Das Foul von dem Bellarabi war natürlich geisteskrank", polterte Hoeneß, "das ist vorsätzliche Körperverletzung, so was gehört drei Monate gesperrt und zwar für Dummheit. So was macht man nicht, an der Mittellinie, wo es um gar nix geht, hinterherlaufen und in die Knochen hauen."

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Einmal in Fahrt, schoss sich Hoeneß dann auf die Journalisten ein. Auf die Anmerkung eines Reporters, dass der Kader doch immer dünner werde angesichts der neuen Verletzungen, hieß es von Hoeneß im altbekannten Angriffsmodus: "Gestern haben Sie sich immer beschwert, auf die Spieler gestürzt, die sauer sind, wenn sie nicht spielen", sagte Hoeneß zu den Pressevertretern. Und weiter: "Dann fangen Sie nicht einen Tag später an, sich um 180 Grad zu drehen. Wir haben einen viel zu großen Kader, also einen groß genugen (sic) Kader, um das alles aufzufangen, ja?"

Auf die Anmerkung, es stünden ja nach den beiden neuesten Ausfällen nur noch 17 Spieler zur Verfügung, sagte Hoeneß: "Na und? Spielen wir mit 17 oder mit 11?"

Während bereits das allgemeine Rätselraten begann, wie Hoeneß das gemeint haben könnte und ob er allen Ernstes glaube, die Bayern könnten problemlos noch weitere Ausfälle verkraften, fragte ein anderer Journalist in ruhigem Ton, wie zufrieden Hoeneß mit dem Auftreten der Mannschaft gewesen sei. Hoeneß erwiderte: "Souverän, sehr", und sagte dann: "Sie müssen lernen, dass nicht wir die Schuldigen sind, sondern die anderen. Sie sind so kritisch. Das war ein hervorragendes Spiel."

Später kam noch Arjen Robben vorbei. Er sagte: "Sieben Spiele in drei Wochen, und jetzt fallen wieder zwei weg, das ist ganz bitter. Wir brauchen einfach alle Spieler im Kader". Nur Uli Hoeneß sah das wohl anders.



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krokodilklemme 15.09.2018
1. ähem
der letzte absatz ist komplett unverständlich. meint robben sieben spiele oder sieben spieler? weil: wieso sollen jetzt zwei weitere spiele wegfallen?
geradsteller 15.09.2018
2. Eine Frage....
Sind das nicht dieselben Figuren, die sich kaputt gelacht haben, als Tuchel sich ähnlich beschwerte? Witzig. Und am schönsten Herr Simon im Kommentar der Sportschau: „Das dezimiert den Bayern Kader..“ Andere Mannschaften würden sich glücklich schätzen, die Bayern Bank zu haben. Augenwischerei.
timtonic 15.09.2018
3. Rafinha
ist genau der letzte, der sich beschweren darf. Der hat solche "geisteskranken" Fouls regelmäßig im Angebot. Ist der Uli bei Ribberys ständigen Tätlichkeiten eigentlich immer genau so empört?
heinrich.busch 15.09.2018
4. Ich bin kein großer Fußballfan mehr
Habe zufällig die Belarabigrätsche an der Mittellinie gesehen. Eigentlich gehört so ein Spieler genauso lang gesperrt wie der verletzte Spieler Zwangspause hat. Der Belarabigrätsche war doch mal ein Löwjünger, oder? Dachte das sind Filigrwnspieler und keine Holzhacker. Die paar Sequenzen haben jedenfalls gereicht, um die Ablehnung zu vertiefen.
nn280 15.09.2018
5. Ich bin bekanntlich kein Bayern-Fan,
aber heute spielten zwei Qualitäten gegeneinander, die in keiner Weise zu vergleichen waren. Wenn das hoffnungslos unterlegene Bayer Leverkusen nur noch mit übelsten Fouls agiert, muß ein Schiri durchgreifen und die Gesundheit der Spieler schützen. Ich verstehe nicht, warum Leverkusen noch an dem Bellarabi Gefallen findet. Der müßte tatsächlich für acht Spiele gesperrt werden. Derartiges will ich nicht sehen! Meine Sympathie war heute eindeutig auf Seiten der Bayern. Die Vereinsführung in Leverkusen wäre gut beraten, den Spieler Bellarabi mit einer hohen fühlbaren Geldstrafe zu belegen.
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