Bundesliga Zentralfigur des Bundesliga-Skandals ist tot

Horst Gregorio Canellas, der ehemalige Präsident von Kickers Offenbach, starb in der Nacht zum Freitag nach langer schwerer Krankheit im Alter von 78 Jahren.


Horst Gregorio Canellas, 1971 Zentralfigur des Bundesliga-Skandals im deutschen Fußball, ist tot. Der ehemalige Präsident von Kickers Offenbach starb in der Nacht zum Freitag nach langer schwerer Krankheit im Alter von 78 Jahren in seiner Heimatstadt. Canellas löste mit einem Tonbandprotokoll eine gigantische Korruptionsaffäre aus, die die Öffentlichkeit 18 Monate lang in Atem hielt. 52 Spieler und zwei Trainer wurden vor den Instanzen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verurteilt, teilweise zu lebenslangen Sperren und hohen Geldstrafen.

Schalker Spieler, darunter Klaus Fischer, Klaus Fichtel und Rolf Rüssmann, kamen später vor Ordentlichen Gerichten wegen Meineids nur knapp an Gefängnisstrafen vorbei. Auch Spieler aus Berlin, Bielefeld, Braunschweig, Köln, Oberhausen und Stuttgart waren mehr oder minder intensiv an den Manipulationen beteiligt. Arminia Bielefeld und Kickers Offenbach wurden zum Zwangsabstieg verurteilt, sechs Funktionäre mit Amtsentzug bestraft.

Und so kam der Skandal ans Licht: Am 6. Juni 1971 hatte Canellas anläßlich seines 50. Geburtstages bei seiner Gartenparty im südhessischen Hausen bei Offenbach eingeladen. Ein Tonband stand auf dem Tisch und viele der Gäste, unter ihnen der frühere Bundestrainer Helmut Schön, hielten es für ein harmloses Geschenk.

Doch dann spielte Canellas der Partyrunde seine Gespräche mit Bundesligaspielern, Trainern, Funktionären und Vermittlern vor. Es waren die Beweise dafür, daß in der Saison 1970/71 mehrere Bundesligaspiele manipuliert worden waren. Über eine halbe Million Mark wurden an Schmiergeldern gezahlt.

Restlos aufgedeckt scheint der Bundesliga-Skandal bis heute nicht. "Es wurde noch viel mehr geschoben. Längst ist nicht alles ans Tageslicht gekommen", erklärte Canellas später in einem Fernseh-Interview. Canellas bestätigte, noch mehr Sünder zu kennen, aber er sei zu "müde", um diese aufzudecken. Ihm selbst wurde auf Lebenszeit die Befähigung abgesprochen, ein Vereinsamt auszuüben. Das Urteil wurde 1976 aufgehoben.

Der ehemalige Südfrüchte-Händler lebte elf Jahre auf Mallorca und stand 1977 erneut im Blickpunkt der Öffentlichkeit, weil er an Bord des Lufthansa-Flugzeugs "Landshut" war, das damals auf dem Weg von Palma nach Deutschland von Terroristen entführt wurde. Zusammen mit den anderen Geiseln wurde Canellas damals durch die Antiterror-Spezialeinheit GSG 9 befreit.



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