Bundesliganoten - die Top-Elf des zweiten Spieltags Werner sticht Lewandowski aus

Werder schoss er fast im Alleingang ab. Trotzdem ist Bayerns Robert Lewandowski nicht der beste Stürmer des Spieltags. Vor ihm landeten der überragende Timo Werner - und ein Angreifer vom FC Augsburg.

Timo Werner
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Monatelang hatte er wegen eines Mittelfußbruchs gefehlt, in Bremen feierte Manuel Neuer nun sein Comeback. Und das lief: komplett unspektakulär. Bayerns Starkeeper bekam beim 2:0 gegen Werder kaum etwas auf sein Tor. Das macht es für den SPIX kompliziert, ihn zu beurteilen. Einerseits hat Neuer zu null gespielt, andererseits war sein Anteil nicht so groß wie der seiner Vorderleute. Das Ergebnis ist ein etwas überdurchschnittlicher Wert, der zu Platz sechs reicht.

Damit liegt Neuer weit hinter Spieltagsgewinner Koen Casteels vom VfL Wolfsburg, der beim 1:0 gegen Frankfurt auf den Fabelwert von 100 kommt. Das bedeutet, dass die Leistung des Belgiers zum Besten gehört, was ein Torwart in der Bundesliga seit der SPIX-Einführung gezeigt hat. Moment mal! Casteels mag gut gewesen sein. Aber so gut?

Die Antwort darauf zeigt, dass der SPIX in Sachen Torhüter nicht perfekt ist. Vier Top-Paraden werden Casteels attestiert. Das bedeutet, dass er vier Frankfurter Torschüsse aus besonders gefährlichen Zonen gehalten hat. Nur: Wie scharf ein Schuss kommt, wie schnell ein Reflex gelingt, das wird nicht erfasst.

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Nein, ihre Top-Form haben die Bayern wahrlich noch nicht erreicht. Gegen Bremen wirkte das Angriffsspiel der Münchner zäh. Dafür war die Defensive, anders als am ersten Spieltag gegen Leverkusen, unüberwindbar. Einen einzigen Schuss aufs eigene Tor gewährten Mats Hummels und seine Teamkollegen den Bremern, was zu einer starken Ausbeute in der wichtigen Kategorie "Teamleistung defensiv" führt. Zudem gehörte Hummels im Gegensatz zu Nebenmann Niklas Süle in Sachen Balleroberungen zur Spitze dieses Spieltags. Auch in der SPON11: Leipzigs Dayot Upamecano. Kein Feldspieler schaffte am 2. Spieltag mehr Balleroberungen.

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Der SPIX kennt keine Namen, er beurteilt allein auf Grundlage der Daten. Das bedeutet, dass er manches Talent zum Vorschein bringt, ehe es auf dem Radar der breiten Öffentlichkeit auftaucht. Oder kannten Sie vor diesem Spieltag Raphael Framberger? Framberger, 21, fünf Bundesligaspiele, ist Außenverteidiger beim FC Augsburg - und der beste Profi des Spieltags auf seiner Position. Sechs Balleroberungen im direkten Duell mit dem Gegner sind eine Rarität für Außenverteidiger, insgesamt brachte er es beim 2:2 gegen Mönchengladbach auf 13 gelungene Defensivaktionen. Dazu brachte er drei Pässe in den gegnerischen Strafraum an den Mitspieler. Ob er diese Leistung in den kommenden Wochen bestätigen kann? Abwarten. Doch den Namen Raphael Framberger sollte man sich merken.

Diese Namen dagegen sind hinlänglich bekannt. Bayerns Arturo Vidal und Leipzigs Naby Keïta waren schon in der Vorsaison Stammgäste in der SPON11, auch an diesem Spieltag belegen sie die Plätze eins und zwei. Vidal profitiert von einer Mixtur aus einer sehr starken Defensivleistung der Bayern insgesamt und seinen eigenen Balleroberungswerten, sowie den für defensive Mittelfeldspieler herausragenden sechs Torschussbeteiligungen. Auch Keïta überzeugte als Abräumer und Antreiber zugleich. Am unteren Ende des Rankings finden sich die Profis des SC Freiburg, dessen Defensive unglaubliche 22 Abschlüsse aus dem Strafraum heraus zuließ.

Es ist ein bisschen untergegangen, was für eine fantastische vergangene Saison Arjen Robben gespielt hat. 13 Treffer und neun Vorlagen waren Robben gelungen, hochgerechnet auf seine Spielzeit war er an einem Tor pro Partie beteiligt.

Wer die Bayern nun beim Auftritt in Bremen beobachtete, sah einen Robben, der weit von dieser Form entfernt war. Kein geglücktes Dribbling, keine Torschussvorlage, zwei Abschlüsse - für den Niederländer sind das überschaubare Werte. Immerhin brachte er viele Pässe im Offensivbereich zum Mitspieler. Macht Platz elf im Spieltagsranking und die Erkenntnis, dass das Gefühl nicht trügt: Die Bayern sind noch nicht bei einhundert Prozent angelangt.

Wo ist Nuri Sahin?! Dortmunds neuer, alter Spielmacher war beim 2:0 gegen Hertha BSC die prägende Figur, erzielte ein Tor selbst und bereitete das andere vor. Entsprechend hoch sind seine Werte in den Kategorien "Chancenkreation" und "Torgefahr". Sahin hatte jedoch das Pech, dass er vom SPIX aufgrund seiner häufig hohen Positionierung als offensiver Mittelfeldspieler eingestuft worden ist - und hier mit Emil Forsberg ein noch stärkerer Akteur auftaucht. Leipzigs Vorlagenkönig (19 Assists in der Vorsaison) war beim 4:1 gegen Freiburg nicht zu stoppen. Drei eigene Abschlüsse und fünf Torschussvorlagen, von denen eine zum Tor führte, sind exzellente Werte.

Vom Talent zum Buhmann zum Nationalspieler: Timo Werner hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Dass der 21-Jährige zu den besten deutschen Stürmern gehört, darüber kann es aber keine Zweifel geben. Gegen Freiburg deutete Werner an, dass er die 21 Bundesligatore aus der vergangenen Saison diesmal sogar toppen könnte. Sieben Abschlüsse, darunter zwei Tore, bedeuten den höchsten Spieltagswert in der Kategorie "Torgefahr". Weil er auch noch zwei Schüsse auflegte und Teil einer Offensive war, die mit insgesamt 29 Abschlüssen für einen Ausnahmewert sorgte, sticht Werner die Stürmerkonkurrenz aus.

Wer neben ihm Bayerns Doppeltorschütze Robert Lewandowski erwartet, wird überrascht: Lewandowski ist nur der drittbeste Angreifer des Spieltags hinter Alfreð Finnbogason. Zwar erreicht er einen höheren "Torgefahr"-Wert als der Augsburger. Doch Lewandowski blieb, anders als Finnbogason, neben seinen Treffern weitgehend blass.

Und das sind die Top-Teams des zweiten Spieltags, auswählbar in fünf verschiedenen taktischen Aufstellungen:

Sie wollen wissen, wie wir gerechnet haben? Hier entlang.

In einer früheren Version des Artikels hat es aus technischen Gründen leichte Abweichungen von den aktuellen Rankings gegeben.



insgesamt 9 Beiträge
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tschoe 28.08.2017
1. Schwächen des SPIX
Eine Maschine kann nicht riechen, wie eine Rose duftet. Und deshalb ist das Zitat:...Doch Lewandowski blieb, anders als Finnbogason, neben seinen Treffern weitgehend blass....eine menschlich subjektive Beurteilung der doch ansonsten ach so "objektiv unbestechlichen" Daten. Einen Stürmer als "blass" zu bezeichnen, der mit seinen Toren ein Spiel alleine entscheidet, ist seltsam. "Effizient" wäre das passendere Wort. Und damit würde er alle anderen ausstechen. Naja, ich erfreue mich lieber am emotionalen Spiel als an der Datenflut...
jnek 28.08.2017
2. Sehr von sich eingenommen, oder?
Die Macher von spix sind wohl sehr von sich eingenommen und halten ihr Statistiktool wohl für etwas sehr außergewöhnliches. Anders kann ich diese Art der Selbstbeweihräucherung kaum verstehen: "Der SPIX kennt keine Namen, er beurteilt allein auf Grundlage der Daten. Das bedeutet, dass er manches Talent zum Vorschein bringt, ehe es auf dem Radar der breiten Öffentlichkeit auftaucht. Oder kannten Sie vor diesem Spieltag Raphael Framberger?" Ja, ich kannte ihn schon vor spix - ich interessiere mich nämlich u.a. für den SCF. Und da bin ich sicher nicht so alleine wie es der Hr. Montazeri hier unterstellt. Leite, ihr könnt hin- und herrechnen wie ihr wollt. Am Ende bleibt euer Tool doch nur was es ist - ein subjektiv bewertendes "Nivetohaveaberniemandbrauchtes". Irgendwie erinnert es mich an die sagenumwobenen "Packing-Zahlen". Vermisst die irgend jemand? ;-)
hamletmaschine2001 28.08.2017
3. Merkwürdige Bewertungen
Um gleich einmal festzustellen, ich bin Fan von RBL und habe das Spiel gegen den SC Freiburg im Stadion erlebt. Und aus dieser "Stadionsicht" finde ich einige Bewertungen sehr zweifelhaft: Wie kann man den hervorragenden Alexander Schwolow auf den vorletzten Platz setzen, nur weil er viermal hinter sich greifen musste. An ihm hat es wirklich nicht gelegen. Im Gegenteil, er verhinderte ein 7:1 bzw. ein 8:1. Es gab insgesamt 29 Torschüsse! Ein Emil Forsberg, an dem fast das gesamte Spiel vorbeiging, wird hier auf den 1. Platz im Offensiven Mittelfeld gewählt. Warum? Was ist, wenn er nicht nur neben sich selbst steht, wie in den beiden ersten Spieltagen. Auch Keita blieb unter seinen Möglichkeiten. Ich weiß nicht, ob "objektive" Daten ein realistisches Bild der Spielsituation abbilden. Die Freiburger haben taktisch und kämpferisch zumindest in der 1. Hälfte besser gespielt als Schalke letzte Woche.
muellerthomas 28.08.2017
4.
Als Statistik-Nerd bin ich eigentlich Fan des Spix. Mich wundert aber schon etwas, dass diesmal kein einziger Dortmunder und letztes Mal nur ein Dortmunder in der 11 des Spieltags waren, obwohl beide Siege so souverän und ungefährdet erspielt wurden, wie nur möglich. Weder Wolfsburg letzte Woche noch Hertha an diesem Wochenende hatten irgendeine Chance. Im direkten Vergleich fand ich etwa Leverkusen letzte Woche gegen Bayern deutlich besser, d.h. Bayern hat sich schwerer getan und keineswegs so souverän gewonnen. Ähnlich an diesem Wochenende RB über weite Strecken. Wird möglicherweise "Nichtstun" bei einem offensiven Spieler nicht oder nur wenig gestraft? Wird möglicherweise eine sehr gute Mannschaftsleistung, die aufgrund von Stellungsspiel und Pressing keine Chancen des Gegners erlaubt nur wenig gewertet?
davevader 28.08.2017
5. Bayernbrille
Anstatt über die besten Spieler in jeder Kategorie wird oftmals ein Spieler des FC Bayern München näher betrachtet, der ungewöhnlich schlecht gespielt hat, weil es eine besonders große Überraschung ist, wenn eben diese nicht zu den besten des Spieltags gehören. Der spix an sich ist in Ordnung aber die dazugehörigen Kommentare sollte man etwas besser an die tatsächlichen Spieler des Spieltags anpassen.
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