Frage: Wie ordnen Sie die EM-Generalprobe gegen Israel ein?
Löw: Das war eine gute, ordentliche Abschlussprüfung. Wir wollten uns unbedingt mit einem Sieg, mit einer ordentlichen Leistung Rückenwind verschaffen. Das ist gelungen. Wir können mit einem guten Gefühl und einer gewissen Sicherheit in die kommende Woche gehen.
Frage: Wie unangenehm war der Gegner Israel?
Löw: Wir sind auf einen sehr defensiven, aufsässigen, rustikalen und gut organisierten Gegner getroffen. Es war gut, dass wir uns in der zweiten Halbzeit vermehrt Chancen herausgespielt haben. Da waren unsere Kombinationen flüssiger. In manchen Situation sind wir nicht mehr, aber besser gelaufen.
Frage: Wo sehen Sie noch Steigerungsmöglichkeiten?
Löw: Manchmal ist die Vorbereitung ein bisschen holprig. Noch ist nicht diese Frische da, die kommende Woche da sein wird. Das Spiel gegen Portugal wird in einem ganz anderen Tempo ablaufen. Es wird für uns auch mehr Räume geben, weil Portugal klasse nach vorne spielt.
Frage: Wie viel von der Mannschaft, die bei der EM spielen soll, haben wir gegen Israel schon gesehen?
Löw: Einiges auf jeden Fall. Es gibt einige Dinge, die ich noch beobachten muss. Zuerst: Spielt Philipp Lahm rechts oder links? Das wird man Anfang der Woche festlegen. Weil es nicht darum geht, jetzt nach dem Spiel alles festzuzurren, sondern alle Spieler möglichst auf ein gutes EM-Niveau zu bringen. Wann immer sie auch gebraucht werden.
Löw: Spätestens Freitag wird aktuell entschieden, wer ist in einer guten Verfassung. Wer kann das erste Spiel mit Elan und absoluter Power bestreiten. Letztlich zählt nur Portugal. Und da müssen alle, die auflaufen wollen, schmerzfrei und in einer guten Verfassung sein.
Frage: Sie haben gleich sieben Bayern in die Startelf gestellt. Dabei hatte es nach den verpassten Titeln der Münchner viele Diskussionen gegeben. Wie zufrieden waren Sie mit ihnen?
Löw: Das war sicherlich gut. Man hat ihnen schon zuvor angemerkt, dass sie wieder Freude in der Nationalmannschaft haben, dass sie das Champions-League-Finale verarbeitet haben. Dafür war es okay. Die Bayern-Spieler sind wieder in der Spur.
Frage: Und wie sieht es mit der Innenverteidigung aus, die nach dem 3:5 gegen die Schweiz auch viel Kritik einstecken musste?
Löw: Es war ordentlich, die ganze Abwehr war nicht ganz so gefordert, war aber auch nicht so offen. Man muss das richtig einordnen. Das Mittelfeld war strukturierter in der Defensive. Da war mehr Ordnung. Das Gefühl, die Vorbereitung mit einem Sieg abzuschließen, ist gut.
Frage: Sie klingen zufrieden. Gibt es gar keine Sorgen mehr?
Löw: Die Situation vor diesen Turnieren ist schwer zu beschreiben. Man ist nicht völlig zufrieden, aber auch nicht in Sorge. Ich bin irgendwie im Gleichgewicht. Ich kann viele Dinge einordnen. Ich weiß, dass es in der Vorbereitung auch eine Handbremse gibt, die dann gelöst wird, dass dann Hochspannung herrscht im Land. Ich bin weder in Sorge, noch kann ich mich völlig zurücklehnen.
Aufgezeichnet von Jens Mende, dpa
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