Frage: Herr Löw, wie beurteilen Sie den klaren Erfolg gegen die Niederländer?
Löw: Es war natürlich ein verdienter Sieg, weil wir das Spiel 90 Minuten voller Spielfreude gestaltet haben. Die Basis waren eine sehr gute Organisation, Raumaufteilung und Disziplin. Wir haben uns sehr gut auf das Kombinationsspiel der Niederländer eingestellt. Darüber hinaus hatten wir im zentralen Mittelfeld eine unglaubliche Spielfreude und waren so in der Lage, Miroslav Klose, Thomas Müller und Lukas Podolski immer wieder einzusetzen. Alle drei Tore waren überragend herausgespielt, so dass die Niederländer in einigen Phasen überfordert war.
Frage: Die EM könnte für Sie sicher heute beginnen. Wie kann diese Form konserviert werden?
Löw: Heute waren wir besser als die Niederlande. Das muss nicht unbedingt in einem halben Jahr so sein. Die Spieler müssen für sich selbst in ihren Vereinen versuchen, die Form zu halten und zu verbessern.
Löw: Wir werden weiter an den Einzelprofilen arbeiten und noch mit den Spielern Gespräche führen, wo wir uns verbessern können, wo im individuellen Bereich Fortschritte zu erreichen sind.
Frage: Warum haben Sie auf ein Comeback der Doppelspitze verzichten?
Löw: Eigentlich war die Doppelspitze geplant für Kiew. Jetzt wollte ich Mario Gomez einfach mal schonen. Ich wollte das zentrale Mittelfeld stark machen. Ich wusste, dass von dort alle Impulse der Niederländer ausgehen. Es war wichtiger, dort ein Übergewicht zu schaffen, neben Sami Khedira und Mesut Özil mit Toni Kroos das Zentrum zu beherrschen.
Frage: Reisen Sie jetzt noch gelassener zur EM-Auslosung am 2. Dezember in Kiew?
Löw: Ich sehe dem nicht mehr und nicht weniger gelassen entgegen. Das ist völlig unabhängig von den Ergebnissen gegen die Niederlande oder in der Ukraine. Wir nehmen die Auslosung, wie sie kommt. Weil wir nicht gesetzt sind, können wir auch auf Spanien oder die Niederlande treffen. Weniger gelassen bin ich, wenn es losgeht.
Frage: Kommt Ihnen die Entwicklung manchmal schon langsam unheimlich vor?
Löw: Die ist mir nicht unheimlich. Wir haben Jahre darauf hingearbeitet. Es war unser Ziel, von Jahr zu Jahr besser und konstanter zu werden. Heute kann man gute Mannschaften nur schlagen, wenn man spielerisch besser ist und nicht aggressiver.
Frage: Ihr Team hat bei der WM mit Argentinien und England schon große Teams geschlagen. Danach Brasilien, jetzt die Niederlande. Was bedeutet das?
Löw: Es ist Freude und Befriedigung, wenn man sich mit den Besten der Welt messen kann und spürt, dass man in der Lage ist, diese Mannschaften spielerisch vor Probleme zu stellen. Solche Spiele geben Selbstbewusstsein und Selbstbestätigung, dass wir auf einen guten Weg sind.
Frage: Miroslav Klose hat alle überzeugt, wie erklären Sie seine Leistung?
Löw: Es erübrigt sich, über Miro zu sprechen. Er hat 113 Länderspiele und war immer in überragender Verfassung bei uns. Er weiß, wie er sich vorbereiten muss. Er hatte ein paar Probleme mit einer Verletzung zuletzt, die ihn gehemmt haben. Man hat gesehen, dass er für die Mannschaft gut ist. Er ist variabel, torgefährlich, schnell.
Aufgezeichnet von Jens Mende (dpa)
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