Burundis Nationaltrainer "Ich kann parken, wo ich will"

Als Trainer von Burundi verpasste er die WM, mit dem bayerischen Siebtligisten Oberhaunstadt ist Baudoin Ribakare, 49, aber sehr erfolgreich. Im Interview spricht der ehemalige Ingolstädter Zweitligaprofi über afrikanische Fußballbegeisterung, Politik und Popularität.


Frage:

Herr Ribakare, Sie waren Nationalspieler Burundis und trainieren seit 1992 die Auswahl des Landes. Stimmt es, dass Sie in Ihrer Heimat bekannter sind als Franz Beckenbauer bei uns?

Ribakare: Man kennt mich, weil den Menschen in Burundi der Fußball unglaublich viel bedeutet. Mir ist diese Popularität nicht immer angenehm, aber praktisch ist sie schon: Ich kann parken, wo ich will, und wenn ich am Flughafen ankomme, wartet immer ein Empfangskomitee auf mich. Ich habe sogar ein Handy extra für Anrufe unseres Staatspräsidenten.

Frage: Der Staatspräsident ruft Sie an?

Ribakare: Oft sogar. Er ist ein großer Fußballfan und hat sich von mir persönlich zum Trainer ausbilden lassen.

Frage: Hier in Ingolstadt kennt Sie aber keiner.

Ribakare: Einmal hat mich eine alte Dame im Bus erkannt und gesagt, sie sind doch der von Oberhaunstadt. Das war nett.

Frage: Mit dem TSV Oberhaunstadt sind Sie in vier Jahren dreimal aufgestiegen, und das im Wesentlichen mit dem selben Kader.

Ribakare: Die Bedeutung von Taktik wird im Amateurbereich oft unterschätzt. Ich habe hier die Viererkette eingeführt, und alle haben sich darüber lustig gemacht. Ich habe viermal die Woche Training angesetzt, und alle haben gesagt: Wir sind doch keine Profis. Ich habe auch die Ausrichtung unserer Jugendteams vereinheitlicht, und alle haben gesagt: Der spinnt. Aber es hat sich ausgezahlt.

Frage: Wissen ihre Landsleute, dass Sie hier eine Amateurmannschaft betreuen?

Coach Ribakare: "Unser Präsident hat mich gebeten, Sportminister zu werden"
TSV Oberhaunstadt

Coach Ribakare: "Unser Präsident hat mich gebeten, Sportminister zu werden"

Ribakare: Das wissen die schon, aber sie sind trotzdem stolz auf mich. Das Ergebnis des TSV Oberhaunstadt steht in Burundi jede Woche in der Zeitung.

Frage: Wie schaffen Sie es zeitlich?

Ribakare: Wir haben meistens mehrere Länderspiele in kurzer Zeit. Da fliege ich dann ein paar Wochen nach Hause und mein Assistent übernimmt den TSV.

Frage: Doppelbelastungen sind Sie ja gewohnt. Fast drei Jahre lang waren Sie gleichzeitig Nationaltrainer von Burundi und Ruanda.

Ribakare: Das war eine Notlösung wegen des Bürgerkriegs in Ruanda. Wir haben sogar einmal gegeneinander gespielt: Mein Co-Trainer saß bei Burundi auf der Bank, ich bei Ruanda.

Frage: Ruanda hat gewonnen, das wirft man mir zu Hause heute noch vor. Würde Sie ein Bundesligaangebot reizen?

Ribakare: Vielleicht schon. Aber ich werde wohl irgendwann ganz zurück nach Burundi gehen. Unser Präsident hat mich gebeten, Sportminister zu werden. Das ist eine Ehre, obwohl ich lieber weiter auf dem Platz stehen würde. In zehn Jahren will Burundi den Afrika-Cup austragen, ich wäre gerne dabei.

Die Fragen stellte Roman Deininger

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