Von Felix Meininghaus, Dortmund
Didier Deschamps hatte seinen Spaß wie ein Junge, der vom Rummel nach Hause kommt und der Mutter mit leuchtenden Augen vom Riesenrad erzählt: Mit vor Aufregung geröteten Wangen saß der Trainer von Olympique Marseille im Presseraum des Dortmunder Stadions und berichtete von seinen Erlebnissen beim 3:2 (1:2)-Sieg seiner Mannschaft in Dortmund.
Der Weltmeister von 1998 hatte einen "unglaublichen Spielverlauf" gesehen, "bis Ende der ersten Halbzeit sah es ganz schlimm aus für uns, wir standen kurz vor dem Abgrund." Doch dann erlebten Deschamps und seine Spieler den späten Sieg und damit "den großen Stolz, diesen großen Tag in der Geschichte von Olympique Marseille erleben zu dürfen." Schließlich setzte der Trainer sein breitestes Grinsen auf und sagte: "Das war heute nicht mein letztes Champions-League-Spiel - so viel steht fest."
Wie gern hätte der Kollege Jürgen Klopp ein ähnliches Resümee gezogen nach einem turbulenten Abend, der für Borussia Dortmund manche Höhen und noch viel mehr Tiefen bereitgehalten hatte. Dortmunds Trainer wirkte merklich angefasst nach dramatischen 90 Minuten mit fünf Toren. Bevor er seine Statements abgab, musste sich Klopp immer wieder sammeln, zwischendurch stützte er seinen Kopf in den Händen ab. "Dieses Spiel", sagte Klopp, "war ein Spiegelbild unserer Champions-League-Saison".
Leidenschaft und Unzulänglichkeiten gleichermaßen
Da mochte dem 44-Jährigen niemand widersprechen. Sein junges Ensemble zeigte den gleichen Elan und die gleiche Leidenschaft, mit der sie in den letzten eineinhalb Jahren so oft begeistert hat. Und die gleichen, immer wiederkehrenden Unzulänglichkeiten, mit denen sich der Deutsche Meister kurioserweise immer dann, wenn es um europäische Meriten geht, selbst um den Lohn der Arbeit bringt.
Fast eine Halbzeit lieferte der BVB vor 65.590 Besuchern im ausverkauften Dortmunder Stadion eine beeindruckende Vorstellung ab und hätte durchaus höher führen können als durch den Treffer von Jakub Blaszczykowski und den verwandelten Foulelfmeter von Mats Hummels. Klopp sah ein "tolles Spiel, bei dem jeder an das Wunder glauben konnte".
Ein Sieg mit vier Toren Unterschied hätte es sein müssen, und gleichzeitig wäre ein Sieg von Arsenal London in Piräus notwendig gewesen. Am Ende zu viele Konjunktive, weder in Westfalen noch in der griechischen Hafenstadt, wo Olympiakos Arsenal 3:1 schlug, passte letztlich das Drehbuch. Für die Borussia kam das jähe Ende in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit, als Loic Rémy den ersten ernstzunehmenden Angriff der Franzosen gleich ins Ziel brachte. Es war der ultimative Stimmungskiller, "danach", so Kevin Großkreutz, "hatten wir keine Struktur mehr und sind nicht mehr zurückgekommen."
Nur ein einziger biederer Sieg
Klopp sah in der zweiten Hälfte eine Dortmunder Mannschaft, "die den Faden aus der Hand gegeben hat. Und dann war Marseille da." Die späten Tore von André Ayew und Matthieu Valbuena besiegelten das Schicksal des BVB, der in der Königsklasse - genau wie in der Saison zuvor in der Europa League - gewogen und für zu leicht befunden worden ist.
Dortmunds Lehrzeit auf der europäischen Bühne geht also weiter. Während die Meistermannschaft in der heimischen Bundesliga regelmäßig überzeugt, muss sie ihr internationales Reifezeugnis erst noch ablegen. Er hoffe, so Klopp, "dass wir im nächsten Jahr aus diesen Erfahrungen lernen, wenn wir uns noch einmal für die Champions League qualifizieren." Bis dahin dürfen die Dortmunder weiter staunen, wie abgeklärt sich ihre Gegner präsentieren. "Marseille hat drei Chancen und macht drei Tore", analysierte Götze, "das ist eben eine Top-Mannschaft."
Ein Fazit, das den Umkehrschluss zulässt, dass die Dortmunder von diesem Status noch ein ganzes Stück entfernt sind. Vier Niederlagen in sechs Gruppenspielen, lediglich ein bieder erkämpfter 1:0-Sieg im Heimspiel gegen Piräus, diese Bilanz mutet reichlich bescheiden an für ein Ensemble, in dem sich so viel Talent vereinigt.
Auf dem europäischen Zeugnis steht zum zweiten Mal in Folge der Stempel "Sitzen geblieben", doch von einem Scheitern wollte Klopp in der bitteren Nacht des Ausscheidens nichts wissen. Als er von einem Journalisten damit konfrontiert wurde, wie viele Meinungsäußerungen sich in den Internet-Foren sammeln, die Borussia Dortmund als schlechten Repräsentanten des deutschen Fußballs geißeln, reagierte der Trainer reichlich dünnhäutig.
Es tue ihm herzlich leid für solche User, ätzte Klopp, "ich hoffe, dass ihnen alles gelingt, was sie sich im Leben vorstellen". Und weiter: "Wir ziehen uns den Schuh an, dass wir unseren Verein Borussia Dortmund nicht würdig vertreten haben. Darüber hinaus sind wir uns keiner Schuld bewusst. Wir würden noch einmal antreten, wenn wir die Möglichkeit bekommen."
Kevin Großkreutz sah das nach der schwarz-gelben Bruchlandung einen Tick schärfer: "Solche Fehler wie bei den internationalen Spielen machen wir in der Bundesliga einfach nicht. Wir haben in der Champions League leider viele Leute enttäuscht."
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