Von Rafael Buschmann, Bremen
Mats Hummels war schon geduscht und dachte ans Kartenzocken auf der Rückfahrt. Der Innenverteidiger von Borussia Dortmund stand im Trainingsanzug am Ausgang des Bremer Weserstadions, hielt seine Kulturtasche im Arm und gab Mitspieler Sven Bender die letzten Anweisungen. Der sollte schon mal das Kartenspiel für die Heimreise vorbereiten und den Kreis der dafür Ausgewählten zusammentrommeln. Doch bevor die erste Karte tatsächlich gespielt werden konnte, dauerte es noch lange.
Während alle Borussen bereits im Bus auf die Abfahrt aus Bremen warteten, stand noch ein BVB-Spieler bei den Journalisten und sprach über seine Gefühle. Patrick Owomoyela, den in den vergangenen zwei Jahren immer wieder Sehnenprobleme in den unterschiedlichsten Körperteilen außer Gefecht gesetzt hatten, schilderte, wie er das Tor zum 2:0-Erfolg der Borussia bei Werder erzielte.
"Mats macht einen Fallrückzieher, ich sehe den Ball kommen, halte reflexartig den Fuß hin und Tor. Der Abend war für mich nah an der Perfektion", sagte der Rechtsverteidiger, der erst kurzfristig erfahren hatte, dass sein direkter Konkurrent Lukasz Piszczek aufgrund von muskulären Problemen passen musste. "Es war ein großes Risiko, auf einen Spieler zu setzen, der über ein halbes Jahr nicht gespielt hat", sagte Jürgen Klopp. "Patrick hat sich sehr stark ins Spiel gekämpft, sein Glück erzwungen und mir gezeigt, dass ich auch in Zukunft auf ihn setzen kann", lobte Klopp den ehemaligen Bremer Profi.
Insbesondere Owomoyela schien das zuzusetzen. Er fabrizierte zu Beginn einige Fehlpässe, war anfangs schwächster Dortmunder. Bremen attackierte immer wieder über die Seite des Ex-Nationalspielers, insbesondere Marko Marin und Aaron Hunt hatten dort die Dortmunder Schwachstelle ausgemacht. "Wir haben uns schon vor Wochen vorgenommen, dass wir lernen müssen, solche Phasen zu überstehen und endlich auch mal ein solches Knackpunkt-Spiel zu gewinnen", sagte Hummels.
Dortmund wehrt sich gegen offensive Bremer mit Gewalt
Und im Gegensatz zur teilweise naiven Spielweise wie bei der 0:3-Pleite gegen Olympique Marseille in der Champions League versuchte die Borussia nicht etwa mit spielerischen Mitteln, den starken Bremern etwas entgegen zu setzen, sondern mit einfachen Mitteln. In bester Jürgen-Kohler-Manier droschen Hummels und Neven Subotic die Bälle reihenweise aus der eigenen Gefahrenzone. Einige davon, die nicht in Richtung Tribüne flogen, landeten sogar beim eigenen Stürmer Robert Lewandowski, der auf diese Weise das 1:0 durch Ivan Perisic vorbereitete. Der BVB war am Ende mit seiner dreckigen Spielweise siegreich.
"Das war heute ein wichtiger Schritt für die Mannschaft. Sie muss eben auch mal lernen, dass solch eine Art Fußball zu spielen ebenfalls erfolgreich sein kann", sagte Klopp. Von einem Vergleich zur vergangenen Meister-Saison, als Dortmund am achten Spieltag ein mühevoller Sieg beim 1. FC Köln gelungen war, in der Folge von acht Spielen sieben gewann und einmal unentschieden spielte, will Klopp aber nichts wissen: "Das war jetzt unser dritter Sieg in Folge, mehr aber auch nicht. Wir sind froh, dass wir die Punkte geholt haben."
Subotic hingegen maß dem Erfolg in Bremen wesentlich mehr Bedeutung bei: "Für uns sind solche Siege, bei denen wir durch Kampf gewinnen, wichtig. Sowohl für den Teamgeist als auch für das Selbstvertrauen. Das gibt uns einen neuen Schub."
Trotz aller Euphorie über den fünften Saisonsieg und den vorübergehenden Sprung auf Tabellenplatz zwei hat der BVB nach wie vor viele Baustellen in seinem Spiel, die in den kommenden Wochen und Monaten abgearbeitet werden müssen. Die Abwehr um Hummels und Subotic hat noch nicht wieder die Sicherheit der Vorsaison. Zudem gibt es große Abstimmungsprobleme im defensiven Mittelfeld, wo Zugang Ilkay Gündogan noch zu selten eine Verstärkung ist. Auch im offensiven Mittelfeld fehlt die Leichtigkeit des Meisterjahres.
"Wir wissen, dass wir eine gute Mannschaft haben, aber auch noch einiges tun müssen, um unser Potential ganz auszuschöpfen. Daran zu arbeiten fällt allerdings einfacher, wenn man solche Spiele wie heute gewinnt", sagte Sven Bender, der seinem Arbeitsauftrag Kartenrunde doch noch nachkommen konnte. Denn irgendwann war auch Owomoyela im Bus.
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