BVB-Erfolg gegen Werder: Dortmunds dreckiger Dreier

Von , Bremen

Kampf ist Trumpf bei Borussia Dortmund. Weil dem Meister die Leichtigkeit der Vorsaison fehlt, muss er sich seine Siege erarbeiten - so wie gegen Bremen. Die Entscheidung brachte ausgerechnet Patrick Owomoyela, der früher selbst bei Werder gespielt hatte. Dabei war er zunächst die Schwachstelle des BVB.

Werder gegen Dortmund: Perisic trifft und fliegt Fotos
AFP

Mats Hummels war schon geduscht und dachte ans Kartenzocken auf der Rückfahrt. Der Innenverteidiger von Borussia Dortmund stand im Trainingsanzug am Ausgang des Bremer Weserstadions, hielt seine Kulturtasche im Arm und gab Mitspieler Sven Bender die letzten Anweisungen. Der sollte schon mal das Kartenspiel für die Heimreise vorbereiten und den Kreis der dafür Ausgewählten zusammentrommeln. Doch bevor die erste Karte tatsächlich gespielt werden konnte, dauerte es noch lange.

Während alle Borussen bereits im Bus auf die Abfahrt aus Bremen warteten, stand noch ein BVB-Spieler bei den Journalisten und sprach über seine Gefühle. Patrick Owomoyela, den in den vergangenen zwei Jahren immer wieder Sehnenprobleme in den unterschiedlichsten Körperteilen außer Gefecht gesetzt hatten, schilderte, wie er das Tor zum 2:0-Erfolg der Borussia bei Werder erzielte.

"Mats macht einen Fallrückzieher, ich sehe den Ball kommen, halte reflexartig den Fuß hin und Tor. Der Abend war für mich nah an der Perfektion", sagte der Rechtsverteidiger, der erst kurzfristig erfahren hatte, dass sein direkter Konkurrent Lukasz Piszczek aufgrund von muskulären Problemen passen musste. "Es war ein großes Risiko, auf einen Spieler zu setzen, der über ein halbes Jahr nicht gespielt hat", sagte Jürgen Klopp. "Patrick hat sich sehr stark ins Spiel gekämpft, sein Glück erzwungen und mir gezeigt, dass ich auch in Zukunft auf ihn setzen kann", lobte Klopp den ehemaligen Bremer Profi.

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Grafische Analyse: Zwei Rückkehrer und ein Sprintwunder
Mit der Beschreibung von Owomoyelas Arbeitsnachweis zeichnete Klopp zudem ein Bild, was sich passgenau auf das gesamte Dortmunder Team übertragen lässt. Denn Owomoyela, der am Ende der Partie mit 59 Ballkontakten und 67 Prozent gewonnener Zweikämpfe auch statistisch zu den besten Borussen gehörte, begann zunächst wie die gesamte Mannschaft recht holprig. Bremen agierte dagegen sehr aggressiv, mit einem enormen Offensivdrang.

Insbesondere Owomoyela schien das zuzusetzen. Er fabrizierte zu Beginn einige Fehlpässe, war anfangs schwächster Dortmunder. Bremen attackierte immer wieder über die Seite des Ex-Nationalspielers, insbesondere Marko Marin und Aaron Hunt hatten dort die Dortmunder Schwachstelle ausgemacht. "Wir haben uns schon vor Wochen vorgenommen, dass wir lernen müssen, solche Phasen zu überstehen und endlich auch mal ein solches Knackpunkt-Spiel zu gewinnen", sagte Hummels.

Dortmund wehrt sich gegen offensive Bremer mit Gewalt

Und im Gegensatz zur teilweise naiven Spielweise wie bei der 0:3-Pleite gegen Olympique Marseille in der Champions League versuchte die Borussia nicht etwa mit spielerischen Mitteln, den starken Bremern etwas entgegen zu setzen, sondern mit einfachen Mitteln. In bester Jürgen-Kohler-Manier droschen Hummels und Neven Subotic die Bälle reihenweise aus der eigenen Gefahrenzone. Einige davon, die nicht in Richtung Tribüne flogen, landeten sogar beim eigenen Stürmer Robert Lewandowski, der auf diese Weise das 1:0 durch Ivan Perisic vorbereitete. Der BVB war am Ende mit seiner dreckigen Spielweise siegreich.

"Das war heute ein wichtiger Schritt für die Mannschaft. Sie muss eben auch mal lernen, dass solch eine Art Fußball zu spielen ebenfalls erfolgreich sein kann", sagte Klopp. Von einem Vergleich zur vergangenen Meister-Saison, als Dortmund am achten Spieltag ein mühevoller Sieg beim 1. FC Köln gelungen war, in der Folge von acht Spielen sieben gewann und einmal unentschieden spielte, will Klopp aber nichts wissen: "Das war jetzt unser dritter Sieg in Folge, mehr aber auch nicht. Wir sind froh, dass wir die Punkte geholt haben."

Subotic hingegen maß dem Erfolg in Bremen wesentlich mehr Bedeutung bei: "Für uns sind solche Siege, bei denen wir durch Kampf gewinnen, wichtig. Sowohl für den Teamgeist als auch für das Selbstvertrauen. Das gibt uns einen neuen Schub."

Trotz aller Euphorie über den fünften Saisonsieg und den vorübergehenden Sprung auf Tabellenplatz zwei hat der BVB nach wie vor viele Baustellen in seinem Spiel, die in den kommenden Wochen und Monaten abgearbeitet werden müssen. Die Abwehr um Hummels und Subotic hat noch nicht wieder die Sicherheit der Vorsaison. Zudem gibt es große Abstimmungsprobleme im defensiven Mittelfeld, wo Zugang Ilkay Gündogan noch zu selten eine Verstärkung ist. Auch im offensiven Mittelfeld fehlt die Leichtigkeit des Meisterjahres.

"Wir wissen, dass wir eine gute Mannschaft haben, aber auch noch einiges tun müssen, um unser Potential ganz auszuschöpfen. Daran zu arbeiten fällt allerdings einfacher, wenn man solche Spiele wie heute gewinnt", sagte Sven Bender, der seinem Arbeitsauftrag Kartenrunde doch noch nachkommen konnte. Denn irgendwann war auch Owomoyela im Bus.

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1. ...
KnoKo 15.10.2011
Naja, die Bremer Offensive hatte aber auch einen schlechten Tag. Die hätten gestern nicht mal einen Scheunentor getroffen. Man hatte ja zeitweise das Gefühl, dass man einer F-Jugend-Mannschaft zusieht.
2. Geht ja so
Cancun, 15.10.2011
Man sollte die Bremer nicht zu hoch jubeln. Gegen Aufsteiger Hertha konnten sie nur mit massiver Unterstützung des Schiri mit zwei Mann überzahl gewinnen. Gegen Dortmund hat nicht einmal das gereicht - Fritz durfte selbst nach seinem vierten Foul in Folge (1. Halbzweit in weniger als 20 Minuten) fröhlich weiter treten, ohne Gelb zu sehen. Bremen ist noch lange nicht wieder da, wo sie mal waren.
3. ?
Medien-Kritiker, 15.10.2011
Zitat von CancunMan sollte die Bremer nicht zu hoch jubeln. Gegen Aufsteiger Hertha konnten sie nur mit massiver Unterstützung des Schiri mit zwei Mann überzahl gewinnen. Gegen Dortmund hat nicht einmal das gereicht - Fritz durfte selbst nach seinem vierten Foul in Folge (1. Halbzweit in weniger als 20 Minuten) fröhlich weiter treten, ohne Gelb zu sehen. Bremen ist noch lange nicht wieder da, wo sie mal waren.
Ihren letzten Satz unterstreiche ich ja zu 100%(bin selbst seit ewigen Zeiten Werder-Fan), aber wo war gegen Hertha massive Schirihilfe? Die beiden gelb-roten Karten waren berechtigt, Lell hätte sogar eher glatt rot als gelb-rot sehen müssen.In einer Szene hätte es Elfer für Hertha geben können, vielleicht müssen.Aber auf Grund dieser einen Szene von "massiver Unterstützung durch den Schiri" zu sprechen finde ich dann doch maßlos übertrieben. Wenn die Saison normal läuft hoffe ich, dass Werder am Ende Sechster wird, läuft es perfekt könnte Platz vier drin sein, aber mit Leverkusen und Dortmund (mit Bayern sowieso nicht) kann der SVW sich momentan nicht messen.Das war noch vor zwei Jahren ganz anders.
4. Glücklich ja, dreckig nein
thomue73, 15.10.2011
Als Borusse zeige ich mich an dieser Stelle etwas dünnhäutig: Hätten die Bayern in einer solchen Art und Weise gewonnen, hätte man Attribute wie Kaltschnäutzigkeit und Cleverness bemüht. "Dreckig" war der Sieg keinesfalls. Dieses Adjektiv halte ich für vollkommen unangemessen. Dennoch, Werder Bremen hat ein tolles Spiel abgeliefert und hätte ein Remis verdient gehabt. Soviel Fairness muss sein.
5. Am Ende zählt der Sieg
ayee 15.10.2011
Zu oft habe ich schon gesehen, wie sich Borussia für die bessere Leistung nicht belohnt hat. In dem Spiel war man nicht unbedingt besser, aber hat als Sieger den Platz verlassen. Spiele cool nach Hause fahren, das ist etwas, was die junge Dortmunder Truppe noch nicht besonders gut kann. Das rächt sich besonders im Europapokal. Also, wäre schön, wenn sie sich öfter selbst mit einem 3er belohnen. Zu Bremen: Gestern war man nicht unbedingt unterlegen. Aber die erfolgreichen vergangenen Zeiten sollten mal aus den Köpfen verschwinden. Die letzte Saison war gruselig und das hatte seine Gründe. Diese Gründe wurden meiner Meinung nach nicht beseitigt. Bremen muss nochmal ganz von vorne anfangen. Einzig und allein Pizarro hübscht mit seiner internationalen Klasse die ganze Suppe auf. Ohne ihn wäre man letzte Saison vielleicht abgestiegen und diese Saison wird man sich mit ihm bestenfalls für die EL qualifizieren. FCB, BVB, Leverkusen, Schalke, Hoffenheim, H96, die schätze ich alle stärker ein. Dann gibt es noch eine Menge auf gleichem Niveau. Wahrscheinlich wird es das Niemandsland werden.
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