Dortmunder Triumph gegen Köln: Sechs Tore für mehr Leichtigkeit

Von Jan Reschke

Der Meister kontert den Rekordmeister. Dortmund hat dem Druck und den Sticheleien aus München standgehalten. Mit sechs Treffern gegen Köln hat die BVB-Offensive endlich wieder einen klaren Aufwärtstrend gezeigt. Ein Triumph zur richtigen Zeit, denn die kommenden Partien haben es in sich.

Köln vs. Dortmund: Kagawas Doppelpack, Kölner Debakel Fotos
AFP

Hamburg - Dortmund hat gegen Köln eine durchschnittliche Leistung gezeigt. Das mag nach einem 6:1 (1:1)-Sieg gegen einen indisponierten 1. FC hart klingen - ist nach Ansicht der Verantwortlichen aber so. "Insgesamt haben wir viel zu wenig Fußball gespielt", kritisierte BVB-Coach Jürgen Klopp. Von einem "mittelmäßigen Tag", sprach Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. "Wir waren zu unruhig im Spielaufbau", so Sportdirektor Michael Zorc.

Man kann das Understatement nennen. Den Versuch, ein halbes Dutzend Dortmunder Tore nicht in den Himmel zu loben. Um vor den entscheidenden Wochen im Meisterkampf keine Selbstzufriedenheit aufkommen zu lassen. Um die Sinne zu schärfen.

Aber die BVB-Verantwortlichen hatten recht.

Wie schon in den Spielen gegen Greuther Fürth, Augsburg und Bremen zeigte der Deutsche Meister zumindest in der ersten Hälfte gegen Köln nicht das, was man an guten Tagen von ihm gewohnt ist. Wie aber schon die vorherigen Gegner, hatte auch der FC nicht das Format, die schwächelnde Dortmunder Offensive zu nutzen. Nach Gegentreffern durch Lukasz Piszczek (26.), Shinji Kagawa (47., 80.), Robert Lewandowski (52.), Ilkay Gündogan (79.) und Ivan Perisic (84.) steckt der Club tiefer denn je in dieser Saison im Abstiegskampf. Gerade einmal ein Punkt trennt die Kölner vom Relegationsplatz.

Defensiv standen die Dortmunder bis auf den Gegentreffer durch Milivoje Novakovic gewohnt sicher. Wie in den vergangenen Partien auch. Der hohe Sieg dürfte den Dortmundern Auftrieb verleihen, die etwas verlorengegangene Leichtigkeit in der Offensive zurückbringen. Gerade einmal zwei Tore waren dem Team in den vergangenen drei Spielen gelungen, eins davon in der Nachspielzeit. Die sechs Tore gegen Köln kommen gerade rechtzeitig, denn es folgt ein Programm, das es in sich hat: Nacheinander geht es gegen Stuttgart, Wolfsburg, Bayern, Schalke und Mönchengladbach.

In Dortmund dürften sie nach dem Erfolg besondere Genugtuung empfunden haben, hatten die Bayern-Verantwortlichen angesichts der beeindruckenden Erfolge des Rekordmeisters zuletzt doch wieder deutlich offensivere Töne angeschlagen.

"Ich weiß nicht, was Christian Nerlinger da geritten hat"

Besonders Sportdirektor Christian Nerlinger hatte es sich vor dem aktuellen Spieltag nicht nehmen lassen, ein paar Seitenhiebe Richtung Dortmund zu verteilen. Sein höchst ironischer Kommentar zu dessen Pokalauftritt in Fürth mit den anschließenden Pöbeleien von Kevin Großkreutz in Richtung der Ex-Schalker Gerald Asamoah und Mike Büskens: "Hochsympathisch. Wenn man gesehen hat, was nach dem Pokalspiel in Fürth passiert ist, dann kann man über Dortmund nur sagen: hochsympathisch."

Die Aussagen Nerlingers hat Watzke mit Befremden zur Kenntnis genommen: "Ich weiß nicht, was Christian Nerlinger da geritten hat - aber Spiele werden immer noch auf dem Platz entschieden." Klar aber ist: Wenn die Bayern sich kritisch über Konkurrenten äußern, nehmen sie sie ernst. Es sind gezielte taktische Manöver, um sie zu verunsichern. Doch bislang haben sie bei den Dortmundern keine Wirkung gezeigt.

Und so wirkte angesichts des deutlichen Dortmunder Triumphs die im FCB-Vereinsmagazin zuvor getätigte Kampfansage von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge fast ein wenig belustigend: "Wir haben das Tor zur Meisterschaft wieder aufgestoßen. Der Respekt der Gegner vor dem FC Bayern ist zurückgekehrt. Die Konkurrenz spürt wieder unseren Druck, unseren Atem."

Bei fünf Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Dortmund muss er dafür kräftig pusten können.

1. FC Köln - Borussia Dortmund 1:6 (1:1)
1:0 Novakovic (13.)
1:1 Piszczek (26.)
1:2 Kagawa (47.)
1:3 Lewandowski (52.)
1:4 Gündogan (79.)
1:5 Kagawa (80.)
1:6 Perisic (84.)
Köln: Rensing - Brecko, Sereno, Geromel, Eichner (46. Jemal) - Lanig (82. Pezzoni), Riether - Clemens, Peszko (77. Ishak) - Novakovic, Podolski
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Sven Bender (61. Kehl), Gündogan - Blaszczykowski, Kagawa (81. Leitner), Großkreutz (73. Perisic) - Lewandowski
Schiedsrichter: Felix Zwayer
Zuschauer: 50.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Podolski (2) -

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ach ja, der Herr Nerlinger...
phrasenmaeher 26.03.2012
Zitat von sysopDer Meister kontert den Rekordmeister. Dortmund hat dem Druck und den Sticheleien aus München standgehalten. Mit sechs Treffern gegen Köln hat die BVB-Offensive endlich wieder einen klaren Aufwärtstrend gezeigt. Ein Triumph zur richtigen Zeit, denn die kommenden Partien haben es in sich. Dortmunder Triumph gegen Köln: Sechs Tore für mehr Leichtigkeit - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,823632,00.html)
... da war ja noch was! Es freut einen doch, wenn diese ansonsten höchst blasse Erscheinung einmal aus dem schützenden Windschatten von Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und den sonstigen Grandseigneurs des Rekordmeisters hervortritt. Und sei es nur deswegen, damit man im Anschluss umso genauer weiß, weshalb sie das Reden im Süden immer noch lieber den anderen überlassen, bloß besser nicht ihm. Die "Abteilung Attacke" der Bayern mit Nerlinger als Gallionsfigur, das wirkt in etwa so wie jüngst Rammstein mit Marilyn Manson als Frontmann. Irgendwie passt es nicht. Dennoch, netter Versuch, Herr Nerlinger. Und nett ist bekanntlich die kleine Schwester von..? Nur die Ruhe, ich bin sicher, Sie kommen noch drauf.
2. ...
badevil 26.03.2012
Es ist wirklich erstaunlich: seit über einem Jahr kommen Sprüche aus München immer und immer wieder. Und keiner merkt da unten im Süden, dass sich in Dortmund niemand für diese Aussagen interessiert. Die Bayern verfahren einfach nach dem Muster, das sie schon immer benutzt haben. Gegen andere Vereine hat das geklappt, also muss es auch gegen den BVB klappen - so simpel scheint man dort unten zu denken. Dabei merken sie schon seit der letzten Saison nicht, dass es vielleicht mal wichtiger wäre, sich um sich selbst zu kümmern. Die machen sich ja fast mehr Gedanken über Dortmund als über sich. Die absolut lächerlichen Aufbaugegner Hoffenheim und Berlin haben anscheinend wieder das Arroganz-Barometer nach oben schnellen lassen; Hannover zeigte schon, dass man mit Mut und der richtigen Taktik die Bayern ziemlich einfach matt stellen kann. Geklappt hat es jetzt zwar nicht. Aber es trauen sich zu wenige Vereine - was eigentlich komisch ist, denn neben Hannover (Hinspiel), Dortmund oder Mainz gibt es genügend Mannschaften, die allen anderen Vereinen als Lehrbeispiel dienen sollten, wie man gg. die Münchner zu spielen hat. Nürnberg hat heute ein ziemlich gutes Spiel in Stuttgart abgeliefert und unglücklich verloren. Ich bin gespannt, wie sie gg. den FC Bayern nächstes Wochenende auftreten werden. Die Bayern sollten sich jedenfalls nicht zu viele Hoffnungen machen, dass es ein Gegner wird, der nicht dagegen halten kann. Dafür ist der Hecking ein zu guter Trainer.
3.
tylerdurdenvolland 26.03.2012
Zitat von sysopDer Meister kontert den Rekordmeister. Dortmund hat dem Druck und den Sticheleien aus München standgehalten. Mit sechs Treffern gegen Köln hat die BVB-Offensive endlich wieder einen klaren Aufwärtstrend gezeigt. Ein Triumph zur richtigen Zeit, denn die kommenden Partien haben es in sich. Dortmunder Triumph gegen Köln: Sechs Tore für mehr Leichtigkeit - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,823632,00.html)
Ein Klasse Spiel der Dortmunder... Natürlich wird man in München zugeben, dass beim 1:1 Pausenstand freudige Hoffnung aufkam, aber wer das Spiel der Kölner in München gesehen hatte, der wusste was unweigerlich kommen würde. An die Fachleute hier: Gab es jemals eine BuLi Saison in der es so viele Mannschaften gegeben hat, die in der 1. LIga nun wirklich überhaupt nichts zu suchen haben?
4.
MuckiP 26.03.2012
Zitat von sysopDer Meister kontert den Rekordmeister. Dortmund hat dem Druck und den Sticheleien aus München standgehalten. Mit sechs Treffern gegen Köln hat die BVB-Offensive endlich wieder einen klaren Aufwärtstrend gezeigt. Ein Triumph zur richtigen Zeit, denn die kommenden Partien haben es in sich. Dortmunder Triumph gegen Köln: Sechs Tore für mehr Leichtigkeit - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,823632,00.html)
Klar, der BvB gewinnt momentan seine Spiele, das ist aber auch alles, manche werden sagen "das reicht doch" ich denke für die nächsten Wochen und die kommenden Gegner ist eine deutliche Steigerung notwendig. Momentan stagniert das Spiel, ist in der Offensive extrem auf die linke Seite fixiert, kreative Geistesblitze und variables Spiel fehlen. 6:1 klingt imposant, es ist jedoch genauso aussagekräftig wie die Kantersiege der Münchner gegen debakelhafte Hoffenheimer und Berliner. Für Dortmund ist es wichtig dass Mario Götze wieder fit wird und somit eine unberechenbare Variable in der Offensive dazu kommt. Großkreutz ist ein Kämpfer, keine Frage, Offensiv aber hat er keine Durchschlagskraft. Bei all der Stichelei aus München kommen wir wohl an einer Aussage nicht vorbei: die Entscheidung fällt am 11.04. in Dortmund! Und wie hat gestern Marcel Reif so schön gesagt: der FCB hat diesen 3er schon fest verbucht - das klingt sehr wie in der Vorsaison und da gab's dann ordentlich auf die Mütze.
5. lol
robrien 26.03.2012
Zitat von badevilEs ist wirklich erstaunlich: seit über einem Jahr kommen Sprüche aus München immer und immer wieder. Und keiner merkt da unten im Süden, dass sich in Dortmund niemand für diese Aussagen interessiert. Die absolut lächerlichen Aufbaugegner Hoffenheim und Berlin haben anscheinend wieder das Arroganz-Barometer nach oben schnellen lassen; Hannover zeigte schon, dass man mit Mut und der richtigen Taktik die Bayern ziemlich einfach matt stellen kann. Geklappt hat es jetzt zwar nicht. Aber es trauen sich zu wenige Vereine - .
Es ist wirklich erstaunlich: seit über einem Jahr kommen Sprüche vom Dortmunder Anhang immer und immer wieder. Und keiner merkt da drüben im Westen, dass sich in Bayern niemand für diese Aussagen interessiert. Der absolut lächerliche Aufbaugegner Köln hat anscheinend wieder das Arroganz-Barometer nach oben schnellen lassen; Hoffenheim und Berlin zeigten in der Hinrunde schon, dass man mit Mut und der richtigen Taktik den BVB ziemlich einfach matt stellen kann und fuhren zwei Siege ein. Aber es trauen sich zu wenige Vereine -
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik WM-News
RSS
alles zum Thema Fußball-Bundesliga
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 22 Kommentare
Fotostrecke
Borussia Dortmund: Traditionsclub aus dem Kohlenpott

Fotostrecke
Fußball-Bundesliga: Zittern in München, Hoffenheimer Jubel in Gladbach
Themenseiten Fußball
Tabellen