BVB-Pleite in London Dortmund ist für Europa zu klein

Es war ein bitterer Abend für Borussia Dortmund: Nach der Pleite beim FC Arsenal ist das Aus in der Champions League praktisch besiegelt. Noch schlimmer für das Team ist aber die schwere Verletzung von Sven Bender - für den Mittelfeld-Star ist die Hinrunde gelaufen.

Aus London berichtet


Reflexartig schaute Jürgen Klopp auf seine Armbanduhr. In der zweiten Minute der Nachspielzeit starrte der 44-Jährige auf sein Handgelenk und schüttelte dabei sekundenlang den Kopf. In diesem Augenblick schien dem Trainer von Borussia Dortmund klar zu werden, dass Shinji Kagawa zu spät getroffen hatte, der Anschlusstreffer seines Teams nichts mehr ändern würde. Zu diesem Zeitpunkt waren die großen Europapokalträume des Deutschen Meisters bereits fast vollständig beendet.

Der BVB verlor sein Champions-League-Spiel beim FC Arsenal 1:2 (0:0) und manövrierte sich in eine beinahe ausweglose Situation in der Gruppe F. Die Borussia, die noch vor wenigen Tagen mit einem kämpferisch überzeugenden 1:0-Sieg über den FC Bayern München die Bundesliga wieder ein bisschen spannender machte, zeigte gegen die Londoner erneut, dass die Königsklasse immer noch ein bisschen zu groß für sie ist.

Wie bei der 0:3-Niederlage bei Olympique Marseille oder beim 1:1 im Hinspiel gegen Arsenal war auch in der englischen Hauptstadt zu erkennen, dass Dortmund zwar international mithalten kann, mehr aber auch nicht. Tonangebend war erneut eine Mannschaft, der die Schönheit des Spiels im Zweifel nicht so wichtig ist, wie die Tore, die das Spiel entscheiden.

Song spielt drei Dortmunder schwindelig

"Wir merken immer wieder, dass uns nach wie vor einfach Kleinigkeiten zum Erfolg auf diesem Niveau fehlen", sagte Dortmunds Abwehrchef Mats Hummels. Der 21-Jährige meinte damit insbesondere die Fähigkeit, sich in den entscheidenden Momenten einer jeden Spielhälfte zu bewähren. Arsenal demonstrierte diese Fähigkeiten hingegen beinahe in Perfektion. Beispielsweise in der 50. Minute, als Alex Song gleichzeitig Kevin Großkreutz, Sebastian Kehl und Moritz Leitner schwindelig spielte und anschließend eine maßgenaue Flanke zur 1:0-Führung auf den Kopf des völlig freistehenden Robin van Persie spielte.

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Champions League: Benders Aus schockiert BVB
Die Abgeklärtheit der Londoner war bei nahezu jeder Aktion von Arsenals deutschem Abwehrspieler Per Mertesacker zu beobachten, der selten einen Schritt oder gar Sprint zu viel machte, aber mit seinem überragenden Stellungsspiel beinahe jeden Angriff der Borussia bereits im Anfangsstadium unterbinden konnte.

Dem BVB muss man zugute halten, dass er gegen die Engländer bereits nach knapp 30 Minuten zwei Spieler ersetzten musste, die sowohl Herz als auch Hirn des Teams darstellen. Bei Letzterem handelt es sich um Mario Götze, der in der 27. Minute mit einem Pferdekuss vom Platz musste. "Ich habe ein relativ festes und hartes Ei im Muskel", sagte der Jungstar, der aber auf einen Einsatz am Samstag im Derby gegen den FC Schalke 04 (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) hoffen darf.

Viel schlimmer erwischte es dagegen Sven Bender, die Laufmaschine, den Organisator des Dortmunder Spiels, das Herz des Teams. Der Nationalspieler krachte vier Minuten vor Götzes Auswechslung mit Arsenals Thomas Vermaelen zusammen, dabei brach sein Kiefer doppelt. In einer dreistündigen Operation wurden dem 22-Jährigen zwei Platten eingesetzt, die den Kiefer stabilisieren sollen. Die Hinrunde ist für Bender gelaufen. "Wir haben nach diesen beiden Auswechslungen unseren Rhythmus und unsere Mechanismen verloren. Unser Positionsspiel war danach nicht mehr gut", sagte Klopp.

Festgefahrene Strategie

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn auch mit den beiden Mittelfeldspielern auf dem Platz verpasste es die Borussia in dieser Europacup-Saison, Fortschritte zu machen. Dortmund schied bereits in der vergangenen Saison trotz teils starker Leistungen schon in der Gruppenphase der Europa League aus, nun muss der Club das gleiche Schicksal in der Königsklasse befürchten.

"Eigentlich hat Dortmund neben uns das größte Potential. Aber sie können es nicht abrufen. Vielleicht waren sie zu lange nicht mehr in der Champions League dabei und nun fehlt ihnen etwas die Erfahrung", sagte Arsenals Trainer Arsène Wenger, der nun zum neunten Mal in Folge mit dem Club ins Achtelfinale der Champions League einziehen darf.

"Natürlich sind wir noch dabei zu lernen. Es geht aber nicht so schnell, wie wir es gerne hätten", sagte BVB-Außenverteidiger Marcel Schmelzer. Auffällig war, dass Dortmund nicht in der Lage war, die Taktik während der Partie zu verändern. Die Strategie, die gegen Bayern München gut funktionierte - sicheres verteidigen, kämpfen und kontern - war gegen Arsenal nicht erfolgreich.

Der BVB schaffte es zwar in den ersten 15 Minuten mit schnellen Pässen in die Spitze für ein bisschen Gefahr zu sorgen, danach ließ sich die Borussia jedoch einlullen. "Wahrscheinlich hätte uns heute ein wenig mehr Risiko gutgetan. Aber das Gefühl dafür haben wir anscheinend noch nicht ganz", sagte Kapitän Sebastian Kehl.

Seine Mannschaft wird dies noch einmal in dieser Europapokal-Saison üben dürfen: Am 6. Dezember trifft der BVB auf Olympique Marseille. Der Tabellenzweite der Bundesliga braucht einen Sieg mit vier Toren Unterschied und gleichzeitig einen Erfolg von Arsenal über Piräus, um doch noch ins Achtelfinale einzuziehen. Mit anderen Worten: Dortmund braucht ein Wunder.

insgesamt 98 Beiträge
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Seite 1
Carpenter400 24.11.2011
1. Na und?
Nichts wird so heiss gegessen wie es gekocht wird. Klar ist das Aus in den Gruppenspielen schade. Aber Dortmund ist ein Debutant und hat nun Lehrgeld bezahlt. Das wird sicherlich nicht vergessen und nun aufgearbeitet. Dann halt nächste Saison.
boysetsfire 24.11.2011
2. Bilanz
Das Schöne daran: Alle Dortmundfans geben dieser Mannschaft die Zeit, sich auch in die europäischen Wettbewerbe hinein zu entwickeln und feiern diese trotz Niederlage. Das Nervige daran: Der Rest Deutschlands bangt um die 5-Jahreswertung gerade so, als wenn DAS die wichtigste Intention des Meisters zu sein hat.
rempfi, 24.11.2011
3. Und ?
Daraus wird die Borussia lernen und gestärkt hervorgehen. Und das sage ich als VfB Stuttgart Fan. So what ?
superM. 24.11.2011
4. Heul - schluchz...
Zitat von sysopEs war ein bitterer Abend für Borussia Dortmund:*Nach der Pleite beim FC Arsenal ist das Aus in der*Champions League praktisch besiegelt. Noch schlimmer für das Team ist aber die schwere Verletzung von Sven Bender - für den Mittelfeld-Star ist die Hinrunde gelaufen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,799616,00.html
Wen interessiert`s? Haben die Schwarz-Gelben nun bereits in der 2. Saison bewiesen, dass Europa ein Stück zu groß ist. Da ist der Sieg vom letzten Wochenende ja Gold wert, am Ende steht wieder die Qualifikation für Europa, und dann??? (Denke hier in der 5-Jahreswertung...) Na, wenigstens ist die BuLi wieder spannend! Komisch nur, dass zum 2. deutschen Klub, der das CL-Achtelfinale erreicht hat nicht ein Artikel, ja nicht einmal eine Zeile bei SpOn steht...
Gordis 24.11.2011
5. Wieder nichts!
Zitat von Carpenter400Nichts wird so heiss gegessen wie es gekocht wird. Klar ist das Aus in den Gruppenspielen schade. Aber Dortmund ist ein Debutant und hat nun Lehrgeld bezahlt. Das wird sicherlich nicht vergessen und nun aufgearbeitet. Dann halt nächste Saison.
Auch letztes Jahr hat der BVB schon versagt!
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