BVB-Pokalerfolg in Düsseldorf: Klopps kaputte Siegertruppe

Aus Düsseldorf berichtet Daniel Theweleit

Dortmunds Sieg bei Fortuna Düsseldorf war der Abschluss eines traumhaften BVB-Jahres. Im Achtelfinale des DFB-Pokals setzte sich das angeschlagene Borussia-Team dank enormer Willenskraft und Disziplin durch - und Trainer Jürgen Klopp konnte sogar froh über einen Platzverweis sein.

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Als wolle er Solidarität mit seinen völlig ausgelaugten Spielern zeigen, humpelte Jürgen Klopp durch die Gänge des Düsseldorfer Stadions. "Faserriss beim Jubeln", lautete die erste Selbstdiagnose des Trainers von Borussia Dortmund nach dem heftig umkämpften Pokal-Achtelfinal-Sieg seiner Mannschaft im Elfmeterschießen bei Fortuna Düsseldorf. Aber Klopp trug trotz des schmerzenden Beines sein breitestes Grinsen im Gesicht. Er wirkte sogar ein bisschen stolz auf seine Verletzung.

Irgendwie humpeln sie bei der Borussia alle am Ende dieses unglaublichen Dortmunder Fußballjahres. Ein Humpeln verausgabter, aber sehr erfolgreicher Kämpfer. Seht her, sogar der Trainer hat alles gegeben, lautete die Botschaft dieser Randgeschichte. Und es war nachvollziehbar, dass sich der Coach an diesem Abend ganz besonders intensiv mit seiner Mannschaft identifizieren wollte.

Klopp sprach von einem Pokalspiel, das "in die Geschichte des BVB eingehen" werde, schließlich habe es "ganz viele Dinge gegeben, die gegen uns gesprochen haben. So ein Sieg gelingt ganz, ganz selten. Wir werden das genauso mitnehmen und nie vergessen." Vor dem Hintergrund, dass der Deutsche Meister ein Pokal-Achtelfinale bei einem Zweitligisten gewonnen hatte, klangen Klopps Sätze im ersten Moment ein wenig übertrieben.

Dortmund ohne ein halbes Dutzend Stammspieler

Aber die Liste der Widrigkeiten war ja tatsächlich lang. In Neven Subotic, Felipe Santana, Sven Bender, Mario Götze, Marcel Schmelzer und dem kurzfristig ausgefallenen Shinji Kagawa fehlte den Gästen ein halbes Dutzend verletzter Stammspieler. Dazu die Gelb-Rote Karte für Patrick Owomoyela nach gut einer halben Stunde und die zwei Versuche im Elfmeterschießen, die Schiedsrichter Manuel Gräfe wiederholen ließ: Es schien, als wollte der Fußballgott noch einmal überprüfen, ob er im Frühjahr das richtige Team zum Meister gemacht hatte.

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BVB-Sieg im Pokal: Erfolg auf dem Zahnfleisch
Doch der BVB hat sich in Düsseldorf durchgebissen und damit ein letztes Mal eindrucksvoll jene Qualitäten gezeigt, die das Dortmunder Spiel 2011 entscheidend prägten: Krisenresistenz und Beharrlichkeit.

BVB-Verteidiger Hummels Dortmunds Held des Spiels

Der große Spielrausch war bei der Borussia ja schon nach der Winterpause der Vorsaison verflogen. Bereits im Frühjahr haben die Dortmunder sich mit beachtlicher Willenskraft und taktischer Disziplin gegen den Einbruch gewehrt, der der jungen Mannschaft von vielen Experten prophezeit worden war, und holten den Titel. Nach dem durchwachsenen Start in die aktuelle Saison mit drei Niederlagen aus sechs Bundesligaspielen glaubten die BVB-Skeptiker dann, dass der Club sicher nicht noch einmal um die Meisterschaft wird mitspielen können. Doch auch diese Krise haben sie abgewendet. Nach der Hinrunde ist Dortmund als Zweiter erster Verfolger von Spitzenreiter Bayern München.

"Gefühlt haben wir fast eine Woche lang mit zehn Mann gespielt", sagte Dortmunds Torhüter Roman Weidenfeller, der den Elfmeter von Fortunas Thomas Bröker abwehren konnte und damit einen wichtigen Beitrag zum Viertelfinaleinzug seines Teams leistete. Der große BVB-Held der Partie war aber Mats Hummels. Der einmal mehr brillante Innenverteidiger stoppte ungezählte Düsseldorfer Angriffe. Nach Owomoyelas Platzverweis erledigte der Nationalspieler zeitweise den Job von zwei zentralen Abwehrspielern, die Überzahl Düsseldorfs war kaum erkennbar. "Man hat gesehen, was für eine geile Truppe wir haben. Wir geben einfach alles", sagte Dortmunds Offensivspieler Kevin Großkreutz, der nach dem Platzverweis für Owomoyela zum Aushilfsverteidiger umfunktioniert wurde.

Zufrieden waren am Ende sogar die Düsseldorfer, die vielleicht den Fehler gemacht haben, trotz Überzahl an ihrem eher defensiven Grundkonzept festzuhalten. "Wir konnten und durften unsere Ordnung gegen eine so spiel- und passstarke Mannschaft nicht aufgeben", erklärte Fortuna-Coach Norbert Meier, dessen Team es verpasste, den BVB müde zu spielen.

"Das Spiel in Überzahl hat es uns nicht leichter gemacht, im Gegenteil", sagte der Trainer des Zweitliga-Tabellenführers sogar. Denn die ausgeklügelte Strategie der ersten halben Stunde, als sich für Düsseldorf mehrere gute Kontersituationen nach Ballgewinnen im Mittelfeld ergaben, funktionierte plötzlich nicht mehr, weil der BVB in Unterzahl defensiver agierte.

Vielleicht war auch das einer der Gründe, warum sie dem vom Platz gestellten Owomoyela am Ende sogar ein wenig dankbar waren. "Er hat uns die Möglichkeit gegeben, einen ganz besonderen Pokalabend zu erleben", sagte Klopp. Und ein Trauma hat der BVB in Düsseldorf auch noch überwunden. In der Bundesliga hatte das Team zuletzt nur zwei von zehn Strafstößen verwandelt. Vor einem Jahr waren sie in Offenbach im Elfmeterschießen ausgeschieden, ebenso wie im Sommer im Supercupfinale gegen Erzfeind Schalke. "Ich glaube, erstmals in der Dortmunder Pokalgeschichte haben fünf von fünf Elfmeterschützen getroffen", sagte Hummels nach einem großen BVB-Jahr, an dessen Ende sogar ein Pokalachtelfinale gegen einen unterklassigen Gegner historische Dimensionen erreichte.

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insgesamt 45 Beiträge
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1. Dortmund Fan?
Nonvaio01 21.12.2011
Zitat von sysopDortmunds Sieg bei Fortuna Düsseldorf war der Abschluss eines traumhaften BVB-Jahres. Im Achtelfinale des DFB-Pokals setzte sich das angeschlagene Borussia-Team dank enormer Willenskraft und*Disziplin*durch - und*Trainer Jürgen Klopp*konnte sogar froh über*einen Platzverweis sein. BVB-Pokalerfolg in Düsseldorf: Klopps kaputte Siegertruppe - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,805010,00.html)
Gut Sie sind meister geworden, aber Traumhaft? Ausscheiden aus der CL als Gruppen Letzter; Traumhaft? Poebel gegeb Poldi wegen Frust;Traumhaft? Sie hatten ein gutes Jahr und sind Meister geworden, das wars dann aber auch. Traumhaft sind die Jahre fuer Barca wenn man mal eben alle Titel in einem Jahr gewinnt die es gibt im Vereinsfussball.
2. .
alexbln 21.12.2011
das ist natürlich peinliches gequatsche von düsseldorf- wer einen spieler hat muß ganz anders auftreten. insofern selber schuld, das sie raus sind- und glcükwuschn an dortmund. der hummels ist wirklich ein topspieler. hoffe der bleibt der bundesliga, dortmund noch lange erhalten auf diesem niveau
3. Düsseldorf war die bessere Mannschaft
wuestenfuchs42 21.12.2011
Zitat von alexblndas ist natürlich peinliches gequatsche von düsseldorf- wer einen spieler hat muß ganz anders auftreten. insofern selber schuld, das sie raus sind- und glcükwuschn an dortmund. der hummels ist wirklich ein topspieler. hoffe der bleibt der bundesliga, dortmund noch lange erhalten auf diesem niveau
Sehe ich gaaaanz anders. Verdient hätte Düsseldorf den Sieg weitaus mehr als Dortmund. Was dort auf dem Rasen zu sehen war, sah nicht wie der amtierende Deutsche Meister aus. Und wenn das alles war, was Dortmund drauf hat, wirds die nächsten Jahre nichts mehr mit irgendeinem Pokal oder Meisterschaft. Düsseldorf hingegen hatte einen unkonsequenten Abschluß, sonst hätten sie angesichts der vielen Chancen klar gewinnen müssen. Hier sah es des öfteren sogar so aus, dass Düsseldorf aus der ersten Liga und Dortmund aus der zweiten kommt. Bei der Spielklasse, die Fortuna gestern Abend gezeigt hat, wird eine gesunde Mittelfeldposition in der ersten Liga nächste Saison keine Probleme bereiten.
4. .
philbird 21.12.2011
Zitat von Nonvaio01Gut Sie sind meister geworden, aber Traumhaft? Ausscheiden aus der CL als Gruppen Letzter; Traumhaft? Poebel gegeb Poldi wegen Frust;Traumhaft? Sie hatten ein gutes Jahr und sind Meister geworden, das wars dann aber auch. Traumhaft sind die Jahre fuer Barca wenn man mal eben alle Titel in einem Jahr gewinnt die es gibt im Vereinsfussball.
Ja traumhaft, denn es ist keine Multimillionen-Mannschaft, die zusammengekauft wurde, sondern eine Mannschaft, die sich selbst jeden Punkt hart erkämpft hat. Die Pöbellei gegen Poldi wurde am nächste Tag bereits korrigiert. Gut die CL war finster, aber ebenfalls logische Konsequenz für eine Mannschaft, die auf dem Weg ist wieder europäische Spitze zu sein, es aber (auch nach eigener Aussage) eben noch nicht ist. Alles andere ist doch nur Neid.
5. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
saschad 21.12.2011
Zitat von Nonvaio01Sie hatten ein gutes Jahr und sind Meister geworden, das wars dann aber auch. Traumhaft sind die Jahre fuer Barca wenn man mal eben alle Titel in einem Jahr gewinnt die es gibt im Vereinsfussball.
Nach Ihrer Definition gibt es also für einen Verein mit geringeren Ansprüchen als Barca oder Real keine traumhaften Jahre?
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