BVB-Pokalerfolg in Düsseldorf: Klopps kaputte Siegertruppe
Dortmunds Sieg bei Fortuna Düsseldorf war der Abschluss eines traumhaften BVB-Jahres. Im Achtelfinale des DFB-Pokals setzte sich das angeschlagene Borussia-Team dank enormer Willenskraft und Disziplin durch - und Trainer Jürgen Klopp konnte sogar froh über einen Platzverweis sein.
Als wolle er Solidarität mit seinen völlig ausgelaugten Spielern zeigen, humpelte Jürgen Klopp durch die Gänge des Düsseldorfer Stadions. "Faserriss beim Jubeln", lautete die erste Selbstdiagnose des Trainers von Borussia Dortmund nach dem heftig umkämpften Pokal-Achtelfinal-Sieg seiner Mannschaft im Elfmeterschießen bei Fortuna Düsseldorf. Aber Klopp trug trotz des schmerzenden Beines sein breitestes Grinsen im Gesicht. Er wirkte sogar ein bisschen stolz auf seine Verletzung.
Irgendwie humpeln sie bei der Borussia alle am Ende dieses unglaublichen Dortmunder Fußballjahres. Ein Humpeln verausgabter, aber sehr erfolgreicher Kämpfer. Seht her, sogar der Trainer hat alles gegeben, lautete die Botschaft dieser Randgeschichte. Und es war nachvollziehbar, dass sich der Coach an diesem Abend ganz besonders intensiv mit seiner Mannschaft identifizieren wollte.
Klopp sprach von einem Pokalspiel, das "in die Geschichte des BVB eingehen" werde, schließlich habe es "ganz viele Dinge gegeben, die gegen uns gesprochen haben. So ein Sieg gelingt ganz, ganz selten. Wir werden das genauso mitnehmen und nie vergessen." Vor dem Hintergrund, dass der Deutsche Meister ein Pokal-Achtelfinale bei einem Zweitligisten gewonnen hatte, klangen Klopps Sätze im ersten Moment ein wenig übertrieben.
Dortmund ohne ein halbes Dutzend Stammspieler
Aber die Liste der Widrigkeiten war ja tatsächlich lang. In Neven Subotic, Felipe Santana, Sven Bender, Mario Götze, Marcel Schmelzer und dem kurzfristig ausgefallenen Shinji Kagawa fehlte den Gästen ein halbes Dutzend verletzter Stammspieler. Dazu die Gelb-Rote Karte für Patrick Owomoyela nach gut einer halben Stunde und die zwei Versuche im Elfmeterschießen, die Schiedsrichter Manuel Gräfe wiederholen ließ: Es schien, als wollte der Fußballgott noch einmal überprüfen, ob er im Frühjahr das richtige Team zum Meister gemacht hatte.
Doch der BVB hat sich in Düsseldorf durchgebissen und damit ein letztes Mal eindrucksvoll jene Qualitäten gezeigt, die das Dortmunder Spiel 2011 entscheidend prägten: Krisenresistenz und Beharrlichkeit.
BVB-Verteidiger Hummels Dortmunds Held des Spiels
Der große Spielrausch war bei der Borussia ja schon nach der Winterpause der Vorsaison verflogen. Bereits im Frühjahr haben die Dortmunder sich mit beachtlicher Willenskraft und taktischer Disziplin gegen den Einbruch gewehrt, der der jungen Mannschaft von vielen Experten prophezeit worden war, und holten den Titel. Nach dem durchwachsenen Start in die aktuelle Saison mit drei Niederlagen aus sechs Bundesligaspielen glaubten die BVB-Skeptiker dann, dass der Club sicher nicht noch einmal um die Meisterschaft wird mitspielen können. Doch auch diese Krise haben sie abgewendet. Nach der Hinrunde ist Dortmund als Zweiter erster Verfolger von Spitzenreiter Bayern München.
"Gefühlt haben wir fast eine Woche lang mit zehn Mann gespielt", sagte Dortmunds Torhüter Roman Weidenfeller, der den Elfmeter von Fortunas Thomas Bröker abwehren konnte und damit einen wichtigen Beitrag zum Viertelfinaleinzug seines Teams leistete. Der große BVB-Held der Partie war aber Mats Hummels. Der einmal mehr brillante Innenverteidiger stoppte ungezählte Düsseldorfer Angriffe. Nach Owomoyelas Platzverweis erledigte der Nationalspieler zeitweise den Job von zwei zentralen Abwehrspielern, die Überzahl Düsseldorfs war kaum erkennbar. "Man hat gesehen, was für eine geile Truppe wir haben. Wir geben einfach alles", sagte Dortmunds Offensivspieler Kevin Großkreutz, der nach dem Platzverweis für Owomoyela zum Aushilfsverteidiger umfunktioniert wurde.
Zufrieden waren am Ende sogar die Düsseldorfer, die vielleicht den Fehler gemacht haben, trotz Überzahl an ihrem eher defensiven Grundkonzept festzuhalten. "Wir konnten und durften unsere Ordnung gegen eine so spiel- und passstarke Mannschaft nicht aufgeben", erklärte Fortuna-Coach Norbert Meier, dessen Team es verpasste, den BVB müde zu spielen.
"Das Spiel in Überzahl hat es uns nicht leichter gemacht, im Gegenteil", sagte der Trainer des Zweitliga-Tabellenführers sogar. Denn die ausgeklügelte Strategie der ersten halben Stunde, als sich für Düsseldorf mehrere gute Kontersituationen nach Ballgewinnen im Mittelfeld ergaben, funktionierte plötzlich nicht mehr, weil der BVB in Unterzahl defensiver agierte.
Vielleicht war auch das einer der Gründe, warum sie dem vom Platz gestellten Owomoyela am Ende sogar ein wenig dankbar waren. "Er hat uns die Möglichkeit gegeben, einen ganz besonderen Pokalabend zu erleben", sagte Klopp. Und ein Trauma hat der BVB in Düsseldorf auch noch überwunden. In der Bundesliga hatte das Team zuletzt nur zwei von zehn Strafstößen verwandelt. Vor einem Jahr waren sie in Offenbach im Elfmeterschießen ausgeschieden, ebenso wie im Sommer im Supercupfinale gegen Erzfeind Schalke. "Ich glaube, erstmals in der Dortmunder Pokalgeschichte haben fünf von fünf Elfmeterschützen getroffen", sagte Hummels nach einem großen BVB-Jahr, an dessen Ende sogar ein Pokalachtelfinale gegen einen unterklassigen Gegner historische Dimensionen erreichte.
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