BVB-Projekt Sozialstunden statt Stadionverbot

Bundesligist Borussia Dortmund startet ein Pilotprojekt, das es Fans mit Stadionverbot ermöglichen soll, ihre Strafen durch das Ableisten von Sozialstunden zu verkürzen. Das Angebot gilt aber nur für eine bestimmte Altersgruppe.

BVB-Fans: Für jeden ausgesetzten Monat Stadionverbot drei Stunden Sozialdienst
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BVB-Fans: Für jeden ausgesetzten Monat Stadionverbot drei Stunden Sozialdienst


Hamburg - Borussia Dortmund geht neue Wege: Von einem Stadionverbot betroffenen Fans soll die Chance eingeräumt werden, die Sperre zu verkürzen. Die "Resozialisierung" sieht gemeinnützige Dienste der Fans bei der Jugendhilfe oder im Seniorenheim vor. "Für jeden ausgesetzten Monat Stadionverbot ist an drei Stunden gedacht", so BVB-Organisationsleiter Christian Hockenjos. Dortmunder Altenheime und eine Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie signalisierten Bereitschaft zur Zusammenarbeit. "Unsere Aufgabe ist es, nicht nur Punkte zu holen, sondern auch soziale Verantwortung zu zeigen", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Eine Kommission entscheidet über jeden Einzelfall. Darin befindet sich neben Fan-Vertretern und Hockenjos auch ein Abgesandter der Kirche, Probst Andreas Coersmeier. Der oberste Katholik der Stadt soll in den Gesprächen vermitteln. "Zwischen alles und nichts gibt es immer etwas Besseres", sagte BVB-Anhänger Coersmeier.

Das Angebot zur Aussetzung des Stadionverbots richtet sich an Ersttäter im Alter bis 25 Jahre. In besonders schweren Fällen muss allerdings die Hälfte der Strafe verbüßt sein.

Prügeleien, Becherwürfe und das Zünden von Feuerwerkskörpern können vom Hausherrn BVB laut Bundesliga-Richtlinien mit einer Stadionsperre bis zu drei Jahren bedacht werden. Insgesamt wird derzeit rund 3000 Fans in den 18 Bundesliga-Arenen der Eintritt verwehrt, in Dortmund sind davon rund 200 Anhänger betroffen.

Die Strafen haben für eine wachsende Distanz zwischen Ultras, Polizei und Verein gesorgt. Um das zu ändern, wurde vor einigen Monaten ein Runder Tisch mit allen beteiligten Gruppen einberufen. "Wir sind stolz darauf, Ultras und die Polizei an einen Tisch gebracht zu haben", sagte Watzke.

jar/dpa



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FennerundStern 17.11.2010
1. Sehr vernünftig
Das ist eine sehr vernünftige Idee, diese Jungendlich durch gemeinnützigen Einsatz "tätige Reue" zeigen zu lassen und sie so zu re-integrieren. Ausgrenzen bringt hier gar nichts. Wenn sich bei der Hälfte der Ersttäter schon ein Lerneffekt einstellt, ist viel gewonnen.
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