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Remis gegen Hoffenheim: Dortmunds wilder Ritt ohne Happy End

Aus Sinsheim berichtet

Hoffenheim vs. Dortmund: Aufholjagd ohne Happy End Fotos
Getty Images

Für die Zuschauer war es ein Spektakel, für Borussia Dortmund zu wenig: Gegen Hoffenheim gab es nur ein Remis, der Abstand zum FC Bayern beträgt bereits zwölf Punkte. BVB-Coach Jürgen Klopp will nicht mehr gelobt werden, Ärger machten einige Hoffenheim-Fans.

Jürgen Klopp war nicht so entzückt, wie man hätte vermuten können. Dabei hatte Kollege Markus Gisdol ihm und seiner Mannschaft eigentlich gerade ein echtes Kompliment gemacht, als er feststellte, dass seine Hoffenheimer gerade "gegen unser großes Vorbild einen Punkt geholt" hätten.

Klopp hat solche Sätze nicht zum ersten Mal in dieser Saison gehört. Gefallen tun sie ihm nicht. Für seinen Geschmack könnten die Gegner ruhig einmal etwas weniger motiviert in die Spiele gegen den BVB gehen, dann wäre der Abstand auf Spitzenreiter FC Bayern nicht schon auf zwölf Punkte angewachsen. Die restlichen 16 Mannschaften hätten zwei "Spiele des Jahres", so Klopp. "Eines gegen die Bayern, gegen die kann man ja nicht gewinnen." Und eines gegen seine Dortmunder: "Die findet man gut und man kann sie trotzdem auch schlagen."

Zumindest kann man gegen sie einen Punkt holen, was am Samstag auf Hoffenheimer Seite für viel Freude sorgte. "Die Dortmunder hatten noch ein paar extreme Hochkaräter", sagte Torschütze Sven Schipplock. "Da geht das 2:2 schon in Ordnung."

Tatsächlich hatten Marco Reus (87. Minute) und Julian Schieber (89.) in den Schlussminuten noch den Dortmunder Sieg auf dem Fuß - die TSG, die den ersten Durchgang klar dominiert hatte, hätte sich also nicht beschweren dürfen, wenn sie mit leeren Händen aus dem letzten Heimspiel des Jahres 2013 gegangen wäre. Doch es blieb beim 2:2.

Lob von Klopp für Hoffenheim

Beim BVB gab es gegenüber dem Champions-League-Spiel in Marseille gleich vier Änderungen, die überraschendste davon war fraglos, dass in Mitchell Langerak der Ersatzkeeper Spielpraxis bekam. Dass es nach 37 Minuten 2:0 für Hoffenheim stand, lag allerdings nicht an dem Wechsel im Tor. Die Führung der TSG, herausgeschossen durch Tore von Schipplock (17.) und den siebten Saisontreffer von Kevin Volland (37.), war schlicht und einfach die logische Folge des Spielverlaufs.

Von Beginn an spielte Hoffenheim mutig nach vorne, ohne dabei die defensive Stabilität zu vernachlässigen. Selbst Offensivspieler wie Kai Herdling oder Volland arbeiteten fleißig nach hinten und fanden dennoch die Kraft, nach eigener Balleroberung blitzschnell umzuschalten. "In der ersten Halbzeit ist uns die Absicherung der eigenen Angriffe misslungen", ärgerte sich Klopp.

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"Das ist bei der Umschalt-Qualität der Hoffenheimer keine besonders gute Idee", sagte der Dortmunder Trainer und schob nach, dass der Gegner "einen tollen Weg eingeschlagen" habe, "richtig guten Fußball" spiele, "taktisch gut" sei und überhaupt "zurück zu den Wurzeln gekommen" sei. Vier Aussagen, vier Mal ein großes Lob für die Arbeit von Markus Gisdol und Sportdirektor Alexander Rosen.

Tatsächlich hat Hoffenheim in den vergangenen Wochen und Monaten nicht nur spielerisch, sondern auch in Sachen Cleverness zugelegt. Vor dem zweiten Treffer hätte Sebastian Rudy selbst abziehen können, doch er legte auf den Kollegen Volland ab, der noch einen Tick besser stand. Ganz anders die Halbzeit-Bilanz des BVB, in dessen Aufbauspiel sich im ersten Durchgang ungewohnt viele Unkonzentriertheiten schlichen. Wer weiß, wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn sich die Hoffenheimer Defensive nicht kurz vor der Halbzeitpause einen Lapsus geleistet hätte, der zum Anschlusstreffer durch Pierre-Emerik Aubameyang führte (45.).

Hirnlose Fangesänge der Hoffenheimer

Dass es nach dem fulminanten zweiten Durchgang der Dortmunder trotz der vielen Chancen nur noch zum Ausgleich durch Lukasz Piszczek (67.) reichte, ärgerte Klopp umso mehr: "Dass man die so vergeben kann, ist natürlich eine Leistung." Dementsprechend sei die Laune der Spieler: "Wenn man sich die Mienen der Jungs in der Kabine so ansieht, würde man glauben, dass wir verloren haben."

Bevor sich Klopp zum Gehen wandte, gab es dennoch eine herzliche Umarmung für den Hoffenheimer Kollegen. Auf der Ebene der Trainer gibt es offenbare keine tieferen atmosphärischen Störungen zwischen dem BVB und Hoffenheim.

Da das auf Seiten der Fans ganz anders ist, hatte sich Dietmar Hopp bemüßigt gesehen, in der Stadionzeitung ausführlich darzulegen, was für ein Mensch seine Mutter gewesen sei - offenbar der Versuch, Beleidigungen von Seiten der BVB-Fans zu verhindern, die Hopp in den vergangenen Jahren immer wieder als "Sohn einer Hure" bezeichneten.

Dass hirnlose Fangesänge keine Dortmunder Erfindung sind, zeigte dann allerdings ausgerechnet die Heimkurve. Die Hoffenheimer Fans benutzten bei ihren Beschimpfungen gegen die Gäste aus Dortmund mehrfach das H-Wort ("BVB-Hurensöhne"), Ausgerechnet das Wort, das Hopp seit Jahren ins Mark trifft.

1899 Hoffenheim - Borussia Dortmund 2:2 (2:1)
1:0 Schipplock (17.)
2:0 Volland (37.)
2:1 Aubameyang (44.)
2:2 Piszczek (67.)
Hoffenheim: Grahl - Beck, Süle, Vestergaard, Toljan - Rudy (90.+1 Strobl), Polanski - Volland, Firmino, Herdling (72. Johnson) - Schipplock (69. Salihovic)
Dortmund: Langerak - Piszczek, Manuel Friedrich, Sarr, Durm - Sahin, Kehl - Blaszczykowski (66. Mchitarjan), Reus (87. Schieber), Aubameyang (66. Hofmann) - Lewandowski
Schiedsrichter: Felix Zwayer
Zuschauer: 30.150 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Volland (3), Polanski (4) - Reus (4), Manuel Friedrich, Sahin

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insgesamt 19 Beiträge
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1. fangesänge
oans 15.12.2013
oh mann... Bitte. Natürlich sind das Beleidigungen, die da gerufen werden. Aber der zitierte Ruf der Hoffe Fans gibt es so auch in jedem anderen Stadion zu hören. Und Hopp soll auch nicht meinen, dass er der einzige ist, der sich so was anhören muss. Ich glaube, das z.B. Götze bei seiner Einwechslung in Dortmund auch das ein oder andere H-Wort zu hören bekommen hat. Das ist nicht schön, aber rum geheult hat der auch nicht.
2. Der BVB konnte gefallen
aurichter 15.12.2013
und wird mit Sicherheit in der Rückrunde nicht das Verletzungspech haben wie jetzt in der HR - ausserdem werden dann die jetzt geforderten Jungspunde um Durm, Duksch und Saar in der Ruckrunde den Kader dann bei dem einen oder andere Spiel noch weiter verstärken. Es stehen noch genug Spiele an und diese Erfahrungen kommen dem gesamten Kader dann zu gute. Hoffenheim, das muss man ganz ehrlich eingestehen, hat sich enorm gesteigert und der Erfolg gibt Gisdol Recht, diese Mannschaft ist gerade in der Rückrunde nicht zu unterschätzen. Teams wie Gladbach, S04 sollten gerade Hoffenheim im Auge behalten, denen traue ich einen EL Platz zu.
3. Wie bitte?
cherrydoc 15.12.2013
Die Hoffenheim Fans haben ein armseeliges Bild abgegeben? Ich wR im Stadion und während ich die hier zitierten Gesänge nicht gehört habe (hoffenheimer Fans sind meist kaum zu hören) habe ich auch dieses Mal wieder ein aus der gesamten Fankurve der Dortmunder schallendes "Dietmar Hopp Sohn einer Hure" gehört. Dazu kein Wort zu verlieren und dann die nicht personifizierten Mini-Gesänge, die man so in jedem Stadion jede Woche hört, sogar in der Einleitung zu erwähnen zeigt, dass hier kein Journalist sondern ein Dortmundanhänger schreibt.
4. Habe nur darauf gewartet..
horst87 15.12.2013
Haha - ich habe nur darauf gewartet, bis auch im Publikum der vom DFB geliebten sorgfältig aufgezüchteten Vereinen solche Gesänge kommen. Irgendwann wird's auch die erste Schlägerei geben und dann ist die soziale und gesellschaftliche Realität auch dort angelangt.
5. Alles gut!
dorianhunter 15.12.2013
Glück auf BVB, die 2.Mannschaft vom FCB ist halt immer noch überirdisch und würde in der laufenden Saison auch locker um einen Europäischen Wettbewerb mitspielen können! In diesem Sinne: Kämpfen und solche Spiele weiter liefern! Kleine Feststellung: DIe Rolle eines Favoriten hat derzeit auch nicht der FCB inne. Mit dieser Qualität und dem Kader sind die Bayern quasi schon Meister, Pokalsieger etc. Die Messlatte liegt bekanntlich in der CL und da schaun ma mal. Ich wünsche mir weitere Mannschaften wie dem BVB, der ganz klar gewinnmaximiert handelt aber WESENTLICH lockerer rüberkommt und den Zuschauer etwas Spektakel bieten kann. Ein Heimspiel beim FCB stelle ich mir in etwa wie das Musikantenstadl vor. Man schaltet ein und man schaltet ab
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