BVB-Sieg gegen Bremen: Reus zahlt schon zurück

Von und Jan Reschke

Mit viel Mühe hat Borussia Dortmund zum Auftakt der neuen Bundesliga-Saison Bremen geschlagen. Für den Sieg des Meisters sorgten zwei Stars, an denen vor dem Anpfiff durchaus gezweifelt worden war: Marco Reus und Mario Götze. Aber auch bei Werder überraschte ein Kicker - endlich einmal - seine Kritiker.

BVB vs. Werder: Reus trifft früh, Götze zur Entscheidung Fotos
REUTERS

Wie lange braucht ein Spieler, um 17,5 Millionen Euro Ablösesumme vergessen zu machen? Eine Saison? Zehn Spiele? Oder vielleicht doch nur elf Minuten?

Für viele BVB-Fans war ohnehin schon vor dem Bundesliga-Auftakt gegen Werder Bremen (2:1) am Freitagabend klar, dass selbst so eine gewaltige Summe gut angelegtes Geld ist für den 23 Jahre alten Marco Reus.

Für alle anderen leistete der Fußballer des Jahres um 20.45 Uhr dann weitere Überzeugungsarbeit. Nach einem Pass von Jakub Blaszczykowski verlor Werders Außenverteidiger Aleksandar Ignjovski kurzzeitig die Orientierung, Reus erwischte Werder-Torwart Sebastian Mielitz aus halbrechter Position auf dem falschen Fuß - 1:0. Er habe "spekuliert", sagte der Torschütze später, der auch schon in der Vorbereitung regelmäßig getroffen hatte.

Natürlich freut sich auch Jürgen Klopp über Tore. Fast noch wichtiger dürfte für den Borussen-Trainer aber Reus' Auftritt in der 34. Minute gewesen sein. Bremens Eljero Elia erreichte nach einem Konter mit dem Ball am Fuß den BVB-Strafraum, wurde dort aber fair gestoppt - von Reus.

An seinen Offensivqualitäten hatte schon vor seinem Wechsel zum Meister kaum Zweifel bestanden. Mit Spannung war aber Reus' Rolle nach Ballverlusten erwartet worden. In Gladbach hatte er sich noch ab und an schonen dürfen. Im Dortmunder Kollektiv aber schaltete Reus gut auf Abwehrarbeit um, absolvierte mit 11,8 Kilometern das zweithöchste Laufpensum hinter Sebastian Kehl im defensiven Mittelfeld.

"Ich habe schon vor meinem Wechsel nach Dortmund gewusst, dass das Spiel hier sehr viel mit Laufen zu tun hat", sagte Reus nach der Partie. Ihm mache die Rennerei nichts aus. Vielmehr freue er sich, nun in diesem Team, für diesen Club, in diesem Stadion zu spielen: "Als ich eingelaufen bin, hatte ich Gänsehaut."

"Dass es so gelaufen ist, ist für mich persönlich sehr, sehr wichtig"

Während Reus von Höhepunkt zu Höhepunkt eilt, hat ein anderer Dortmunder zuletzt die Schattenseiten des schnelllebigen Fußballgeschäfts kennengelernt: Mario Götze. Viel war geschrieben worden über ihn. Bindehautentzündung. Fitnessprobleme. Abgelenkt sei er, zuweilen beleidigt, weil er nicht (wie beim DFB-Pokalfinale) oder nur wenig (wie bei der EM) gespielt hatte. Seine Antwort: Der entscheidende Treffer zum 2:1, wenige Momente nach seiner Einwechslung.

Seine Mitspieler schienen zu wissen, wie schwer ihm die vergangenen Wochen gefallen waren. Nach dem Treffer kamen sie von allen Ecken des Platzes angerannt und umarmten den 20-Jährigen, während der seine Freude in den Dortmunder Regen schrie. "Dass es so gelaufen ist, ist für mich persönlich sehr, sehr wichtig. Dieses Tor ist für mich eine große Befreiung", sagte Götze. Wohl wissend, dass ihm auch in der kommenden Woche wieder die Ersatzbank drohen könnte.

Doch es gab noch einen dritten Profi, bei dem vor der Partie Zweifel an der Leistungsfähigkeit bestanden hatten: Bremens Marko Arnautovic. Dem zwar immer wieder immenses Potential, aber auch immer wieder immense Probleme attestiert worden waren, seine Leistungsfähigkeit abzurufen. Auch er gab eine beeindruckende Antwort.

Wann immer er über die rechte Seite kam, war im Dortmunder Strafraum höchste Gefahr. Seine Flanken fanden fast immer den Mitspieler, Marcel Schmelzer konnte ihn kaum stoppen. In dieser Form hat Arnautovic für Werder bislang nur ganz wenige Spiele absolviert. Auch, weil er neben seinen offensiven Vorstößen die Defensive nicht vernachlässigte.

Reus, Götze und Arnautovic, die drei Spieler des Spiels. Aber nur zwei von ihnen wurden zu Gewinnern.

Borussia Dortmund - Werder Bremen 2:1 (1:0)
1:0 Reus (11.)
1:1 Gebre Selassie (75.)
2:1 Götze (81.)
Dortmund: Weidenfeller - Kirch (82. Perisic), Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan (71. Leitner), Kehl - Blaszczykowski, Reus, Großkreutz (78. Götze) - Lewandowski
Bremen: Mielitz - Gebre Selassie, Prödl, Sokratis, Ignjovski (66. Petersen) - Fritz - De Bruyne, Junuzovic, Hunt (87. Füllkrug), Elia - Arnautovic
Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
Zuschauer: 80.645 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Gündogan, Kehl - Ignjovski, Junuzovic

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Fußball-News
RSS
alles zum Thema Fußball-Bundesliga
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
Fotostrecke
Borussia Dortmund: Traditionsclub aus dem Kohlenpott

Fotostrecke
Werder Bremen: Ein König, ein Schaaf und die Weser-Wunder
Themenseiten Fußball
Tabellen