Von Rafael Buschmann und Christian Paul
Hohe Belastungen, zu wenig Konkurrenzkampf, dazu bereits ein Jahr währendes Gerangel um eine Vertragsverlängerung: Dortmunds Stürmerstar Robert Lewandowski steht nach Informationen von SPIEGEL ONLINE vor dem Absprung - bereits zur kommenden Saison könnte er den Verein wechseln.
Interessenten gäbe es genug: Manchester United bot bereits im April eine Ablösesumme von 20 Millionen Euro (plus die Zugabe von Stürmer Dimitar Berbatov), auch Manchester City zeigte reges Interesse am polnischen Stürmer, der in Dortmund noch einen Vertrag bis zum Sommer 2014 besitzt. Zudem klopfte der FC Bayern München bereits während der vergangenen Winterpause die Möglichkeit eines Transfers ab.
Der Tabellenführer soll nach wie vor ein reges Interesse an Lewandowski haben, auch wenn BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke SPIEGEL ONLINE sagte: "Wir haben mit Bayern niemals über Robert gesprochen." Der 53-Jährige glaubt vielmehr weiterhin an eine Vertragsverlängerung des Polen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE ist ein Verbleib des Stürmers über das Jahr 2014 hinaus aber nahezu ausgeschlossen.
Lewandowski, der im Sommer 2010 für 4,5 Millionen Euro vom polnischen Erstligisten Lech Posen zum BVB gewechselt war, ist erfolgshungrig, will dauerhaft um Titel mitspielen. In Dortmund sind seine Erfolgsaussichten - insbesondere im Hinblick auf einen Sieg in der Champions League - begrenzt. Zudem ist Lewandowski ein großer Fan des englischen Fußballs. Nach dem Spiel gegen Manchester City (1:1) sagte er: "Solche Spiele hat man in der Bundesliga nur selten. Heute konnte ich mich wirklich auf höchstem Niveau messen."
Dass er dies allerdings bereits zur kommenden Saison in England tun darf, "darüber ist noch keine Entscheidung getroffen worden. Wir können auch keine Entscheidung treffen, weil wir mit Borussia Dortmund ein Vertragsverhältnis haben. Das respektieren wir", sagte Lewandowskis Berater Maik Barthel SPIEGEL ONLINE.
Hohe Belastung, wenig Konkurrenz, große Ziele
Für Lewandowski und seine BVB-Kollegen geht es am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in der Bundesliga zum FC Augsburg. Kein Staunen mehr ob der beeindruckenden Kulisse im legendären Stadion des selbsternannten "größten Clubs der Welt", Real Madrid. Kein Gedanke mehr an das Champions-League-Fest, wie es der BVB beim 2:2 am vergangenen Dienstag zeitweise darbot, und bei dem Lewandowski beide Tore der Borussia einleitete. Stattdessen Liga-Kleinklein vor beschaulicher Kulisse und Gegenspieler mit wenig klangvollen Namen.
Für Lewandowski und seine Kollegen bedeutet das: grauer Alltag. In dieser Saison, die für den Deutschen Meister auf nationaler Ebene so gar nicht zufriedenstellend verläuft, traf der Pole bisher erst dreimal. Die Gründe für Lewandowskis schwache Liga-Quote (Vorjahr: 22 Treffer) sind vielschichtig.
Zum einen hat sich nach dem Abgang des Mittelfelddribblers Shinji Kagawa im vergangenen Sommer das BVB-Spiel verändert. Lewandowski nimmt nun immer häufiger die Rolle des Ballverteilers ein. Die langen, öffnenden Pässe, die oft von BVB-Verteidiger Mats Hummels geschlagen werden, zieht der Angreifer geradezu magisch an. Seine Ballverarbeitung gilt als herausragend. Lewandowski, der Magnetmann.
Auch Watzke schließt Wechsel nicht mehr aus
Zum anderen ist der Nationalspieler nach einer langen Vorsaison samt anschließender Europameisterschaft nach wie vor nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. "Ich arbeite viel für die Mannschaft. Das macht mich sehr müde", sagt der 24-Jährige. Doch Pausen erhält er nicht. Bis auf den 5:0-Erfolg gegen Borussia Mönchengladbach stand der Stürmer in dieser Saison immer in der BVB-Stammformation.
"Kein Spieler der Welt kann zwei Jahre in jedem Wettbewerb immer von Anfang an spielen, ohne körperlich substantielle Verluste zu erleiden", sagt Berater Barthel über seinen Klienten, der sich in den vergangenen 24 Monaten vom abschlussschwachen Angreifer zu einem der begehrtesten Stürmer weltweit entwickelt hat. Mehr Schonung wird der künftig kaum erhalten. Lewandowskis einziger Konkurrent, Julian Schieber, wirkt technisch noch zu limitiert für das anspruchsvolle BVB-Spiel. Barthel sieht darin auch ein Problem für Lewandowski: "Jeder Spieler entwickelt sich weiter, wenn er adäquate Konkurrenz hat."
BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der noch vor knapp einem halben Jahr den Verkauf von Lewandowski kategorisch ausgeschlossen hatte, sagte SPIEGEL ONLINE mittlerweile: "Wenn Robert seinen Vertrag bis zum Ende der Saison nicht verlängert, dann machen wir es wie immer: Wir setzten uns zu dritt zusammen [Jürgen Klopp, Michael Zorc und Watzke; d. Red.] und diskutieren über das weitere Vorgehen. Das Ergebnis ist dabei völlig offen. Aber noch mal: Wir wollen mit Robert verlängern."
Schon in den beiden Vorjahren hatte der BVB-Boss ähnliche Aufgaben zu bewältigen wie nun bei Lewandowski. Mit Nuri Sahin und Kagawa verlor er aber zwei Leistungsträger nach zähen Verhandlungen. Stand heute bekäme Dortmund auch für Lewandowski nur noch im kommenden Sommer eine Ablöse. Für die anstehenden Gespräche rüstet sich Watzke deshalb vorab: "Für ein x-beliebiges Angebot werden wir Robert ganz sicher nicht abgeben."
Sollte der Pole Dortmund verlassen, würde auf Zorc, Klopp und Watzke viel Arbeit warten. Denn Weltklassestürmer wie Lewandowski sind derzeit nicht viele auf dem Markt.
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