BVB-Stürmer Lewandowski: Dortmunds Meister-Hacke
In seinem ersten Jahr bei Dortmund war der Pole als wandelnder Chancentod bekannt, doch in dieser Saison ist Robert Lewandowski der beste Torjäger des Deutschen Meisters. An der Titelverteidigung des BVB ist er maßgeblich beteiligt - nicht nur wegen einer Glanztat mit der Hacke.
Hamburg - Es war der Treffer, der die Meisterschaft entschied: Als Kevin Großkreutz am 30. Spieltag in der 77. Minute auf das Bayern-Tor schoss, hielt Robert Lewandowski den Fuß rein - und drehte kurz darauf zum Jubeln ab. Dortmund siegte, und von da an glaubte niemand mehr ernsthaft an einen anderen Meister als den BVB.
Der 2:0-Erfolg gegen Gladbach brachte nun die Bestätigung, der Samstagabend in Dortmund geriet zum kollektiven Jubelrausch. Der Erfolg hat viele Gründe: Ein solides Management, einen starken Trainer, ein kämpfendes Kollektiv - und hervorragende Einzelspieler. Will man einzelne Profis hervorheben, fallen Namen wie Shinji Kagawa, Mats Hummels oder Kevin Großkreutz. Und Robert Lewandowski. Der polnische Nationalspieler hat sich beim BVB nach Startschwierigkeiten in seinem zweiten Jahr zu einem, wenn nicht dem Schlüsselspieler entwickelt.
Der 23-Jährige ist mit Abstand Dortmunds bester Torschütze in dieser Spielzeit. Er ist "aufgegangen wie eine Blume", wie Trainer Jürgen Klopp es beschreibt. Als erster BVB-Stürmer seit Stéphane Chapuisat (Saison 1991/1992) hat es Lewandowski geschafft, die Marke von 20 Toren in einer Saison zu übertreffen.
Als Chancentod und Fehleinkauf abgestempelt
"Für mich ist er Dortmunds bester Spieler, sogar noch wertvoller als Götze", hatte Bayern-Star Franck Ribéry bereits in der Winterpause über den Polen gesagt - noch vor der langwierigen Verletzung Götzes. Die Wertschätzung kommt nicht von ungefähr. Neben seiner Trefferquote hat sich besonders Lewandowskis Fähigkeit, Bälle zu behaupten, im Vergleich zur Vorsaison stark verbessert. Weitgeschlagene Pässe kann der Pole mittlerweile wie fast kein Zweiter in der Bundesliga in Bedrängnis verarbeiten und verteilen.
Die Eigenschaft macht ihn für den BVB besonders wertvoll: Im schnellen Umschaltspiel von Verteidigung auf Angriff überbrücken die Abwehrspieler das Mittelfeld mit Zuspielen auf den Polen, dieser legt auf die nachrückenden Teamkollegen ab, startet durch und wartet auf den Pass in die Gasse.
Dass Lewandowskis in seiner zweiten Saison derart explodiert, hatten nur die größten Optimisten in Dortmund gehofft. In seinem ersten Jahr nach seinem Wechsel 2010 von Lech Posen konnte Lewandowski nur selten überzeugen. Schnell war der Pole als Chancentod und Fehleinkauf abgestempelt. Im direkten Duell um den Stammplatz im Sturmzentrum gab es für ihn kein Vorbeikommen an Lucas Barrios.
Erst durch die Verletzung von Shinji Kagawa beim Asien-Cup 2011 rückte Lewandowski in die Stammformation des BVB, wurde dabei aber vorzugsweise im zentralen offensiven Mittelfeld eingesetzt. Eine Position, die er spielen kann, auf der er aber nicht glänzt. Lewandowski ist kein Spielgestalter, ihm fehlt die Passgenauigkeit. Seine Stärken liegen im Torabschluss, im Kopfballspiel und in der Ballbehauptung im Duell eins gegen eins. Eben die Qualitäten eines echten Mittelstürmers.
Zur Welklasse fehlt die Kaltschnäuzigkeit
Nach der Verletzung von Barrios zu Beginn dieser Saison konnte Lewandowski sich erstmals über einen längeren Zeitraum auf seiner Lieblingsposition beweisen. Mit Erfolg. 20 Tore nach 32 Spieltagen sprechen für sich. Ein Weltklasse-Stürmer ist Lewandowski allerdings noch nicht, er vergibt noch zu viele Großchancen. Auch gegen Gladbach verpasste er einige Male die Vorentscheidung.
Ob Lewandowskis Zukunft beim BVB liegt, ist offen. Im Frühjahr hatte ein Angebot der Dortmunder zur vorzeitigen Vertragsverlängerung für Wirbel gesorgt. "Wir sind von der Offerte enttäuscht", sagte der Berater des Stürmers, Cezary Kucharski, damals. Auch jetzt zeigt sich Lewandowski bei diesem Thema zurückhaltend: "Im Moment konzentriere ich mich auf die Bundesliga, den DFB-Pokal und die Europameisterschaft."
Bis 2014 läuft Lewandowskis Kontrakt noch - die Verantwortlichen des BVB würden gut daran tun, beim nächsten Mal ein besseres Angebot vorzulegen. Sonst könnte die Meister-Hacke bald für einen anderen Club treffen.
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- Sonntag, 22.04.2012 – 13:33 Uhr
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