Wirbel um Fan-Anleihe Staatsanwaltschaft ermittelt gegen HSV-Vorstände

Ein Ex-Volleyballspieler hat Anzeige gegen die HSV-Vorstände um Carl Jarchow gestellt. Der 68-Jährige wirft den Offiziellen die "Zweckentfremdung" von Fan-Anleihen vor. Wirbel gibt es auch um den Amtsantritt von Dietmar Beiersdorfer.

Kreuzer (l.) und Jarchow: Die Staatsanwaltschaft ermitttelt.
REUTERS

Kreuzer (l.) und Jarchow: Die Staatsanwaltschaft ermitttelt.


Hamburg - Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat den Eingang einer Strafanzeige gegen den Vorstand des Hamburger SV bestätigt. Unter dem Aktenzeichen 3200 Js 205/14 werde wegen der "zweckwidrigen Verwendung" einer 2012 aufgelegten Anleihe in Höhe von 17,5 Millionen Euro ermittelt. Der amtierende Clubchef Carl-Edgar Jarchow wies die Vorwürfe zurück.

Gestellt hat die Anzeige der ehemalige Volleyball-Nationalspieler Klaus Meetz, der mit einem Befangenheitsantrag bereits den pünktlichen Start der Fußball-AG des Bundesligaklubs zum 1. Juli verhindert hat. Hamburger Medien hatten am Sonntag über die Angelegenheit berichtet. Meetz wirft der Vereinsführung laut "Bild.de" vor, Fan-Anleihen für den HSV-Campus, dem geplanten Nachwuchszentrum des Vereins, zweckentfremdet zu haben.

17,5 Millionen Euro sollen bisher für die neue HSV-Anlage gesammelt worden sein, der Großteil der Summe wurde bisher aber offenbar zur Sanierung der Vereinsfinanzen und nicht für den Bau des Campus verwendet. Nach Meinung der HSV-Verantwortlichen ist das durch die Formulierung des Anlageprospekts erlaubt.

Start von HSV-Plus um zwei Wochen verschoben

Ob dem so ist, wurde noch nicht vollständig geklärt. Da es sich aber um ein sogenanntes Offizialdelikt handelt, hat die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen die HSV-Verantwortlichen eingeleitet.

"Die Planungen für den HSV-Campus sind bereits weit fortgeschritten. Dabei hat sich der HSV zu keinem Zeitpunkt in Widerspruch zu den Angaben zur geplanten Verwendung des Emissionserlöses im Wertpapier-Prospekt gesetzt", sagte HSV-Vorstand Jarchow zu den Vorwürfen. Die Anzeige von Meetz sei nichts weiter als ein Störmanöver: "Wir können nur vermuten, dass versucht wird, dem HSV bewusst Schaden zuzufügen."

Davor war bereits bekannt geworden, dass Meetz Einspruch gegen die Eintragung der neuen HSV-Plus-Satzung ins Vereinsregister eingelegt hat. Der 68-Jährige hat einen Befangenheitsantrag gegen den für die Eintragung zuständigen Richter gestellt. Damit verschiebt sich der ursprünglich für den 1. Juli geplante Start von HSV-Plus um voraussichtlich zwei Wochen.

Der neue Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer, der den HSV nach dem Fastabstieg in der vergangenen Saison in eine bessere Zukunft führen soll, darf deshalb bis auf Weiteres nicht aktiv werden: Er darf keine Vertragsverhandlungen führen und auch keine Verträge unterzeichnen.

Dabei stehen beim HSV wichtige Entscheidungen an, die keinen Aufschub erlauben: Seit Wochen läuft ein Pokerspiel um Torjäger Pierre-Michel Lasogga vom Ligarivalen Hertha BSC Berlin, dessen Leihkontrakt Ende dieses Monats ausläuft. Außerdem ist die Zukunft von Hakan Calhanoglu weiterhin offen: Bayer Leverkusen hat wiederholt starkes Interesse am türkischen Nationalspieler bekundet.

Bis zum Start von HSV-Plus bleibt der alte Vorstand um Noch-Vereinschef Carl-Edgar Jarchow im Amt.

aas/buc/sid/dpa



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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
rainer82 29.06.2014
1.
Lug & Trug ohne Ende, aber die Fans sind ja nicht ganz unschuldig, haben sie doch erst diese zwielichtigen Typen gewählt und nun auch ihrer eigenen Entmachtung zugestimmt. HSVplus ist das Ende dieses alten Sportvereins. Minus x minus ergibt bekanntlich auch plus!
optaeck 30.06.2014
2. Herrlich!
Bei dieser Schmierenkomödie geht's wenigstens um was. Das ganze Theater um den FC Hollywood in München war ja nur Promi-Getue. In Hamburch wird diese Saison nun endlich die lange und sorgfältig vorbereitete Vereinspleite vollendet. Wahrscheinlich ist es daher eh egal, was sportlich passiert.
Thorkh@n 30.06.2014
3. Anscheinend ...
... will da wirklich jemand den HSV komplett handlungsunfähig machen. Völlig gaga.
nesmo 30.06.2014
4. Beiersdorfer kann doch
als Vertreter einer noch zu gründendenden juristischen Person handeln, wenn er hierfür eine Vollmacht enthält. In dieser Gründungsphase ist der neue Verein schon bedingt. Im übrigen kann er auch ohne Vollmacht handeln.
Andr.e 30.06.2014
5.
Im Norden nichts Neues - kennt man ja auch aus anderen Bereichen...
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