Hamburg - Es ist ein Freispruch zweiter Klasse, aber er ebnet dem suspendierten Funktionär Mohammed Bin Hammam den Weg zurück ins Fifa-Exekutivkomitee. Der Internationale Sportgerichtshof (Cas) hat die lebenslange Sperre gegen den 63-Jährigen aufgehoben und damit einem Einspruch Bin Hammams stattgegeben.
Die Fifa-Ethikkommission hatte ihm einen versuchten Stimmenkauf im Vorfeld der Präsidentenwahl des Weltverbands Anfang Juni 2011 vorgeworfen. Der Beschuldigte soll auf einer Sondersitzung des Karibischen Fußball-Verbandes (CFU) am 10. und 11. Mai vergangenen Jahres in Trinidad und Tobago versucht haben, CFU-Funktionäre mit Geldgeschenken in Höhe von jeweils 40.000 Dollar zu bestechen. Daraufhin suspendierte die Ethikkommission Bin Hammam und er musste unter anderem seinen Platz im Exekutivkomitee räumen. Der Mann aus Katar hatte diese Vorwürfe stets abgestritten und Fifa-Chef Joseph Blatter eine Kampagne gegen ihn vorgeworfen.
Der Cas urteilte nun, es lägen keine ausreichenden Beweise dafür vor, dass das Geld wirklich von Bin Hammam stamme, auch wenn das Gericht in seiner Urteilsbegründung erklärt, dass "es eher wahrscheinlich als nicht ist, dass der Mohammed Bin Hammam Quelle der Gelder ist". Die Richter legten auch Wert auf die Feststellung, dass sie "keinen positiven Befund hinsichtlich der Unschuld von Herrn Bin Hammam" treffen könnten. Zugleich warf der Cas dem Weltverband vor, bei der Untersuchung des Vorfalls "nicht umfassend genug" gehandelt zu haben.
Die Richter fällten ihr Urteil mit einer 2:1-Mehrheitsentscheidung. Sie erklärten auch, dass die reformierte Fifa-Ethikkommission den Fall neu aufrollen könnte, falls neue Beweismittel vorgebracht werden sollten. In einer ersten Stellungnahme reagierte der Weltverband "mit Besorgnis" auf das Urteil. Sie verwies auf ein Disziplinarverfahren des asiatischen Fußballverbandes gegen Bin Hammam in einer anderen Angelegenheit und erklärte, dass sie sämtliche Unterlagen der Ethikkommission übergeben werde.
Deren bisheriger Vorsitzender Claudio Sulser hat am Donnerstag seinen Rücktritt erklärt. "Wer für die Fifa arbeitet, muss sich in den Dienst des Fußballs stellen und keine persönlichen Ziele verfolgen", sagte er dem Züricher "Tages-Anzeiger".
syd
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