Transfer in die Chinese Super League Der seltsame Wechsel des Cédric Bakambu

Wie viel soll Villareals Top-Torjäger denn nun kosten: 74 Millionen Euro oder doch nur 40? Trickreich will Beijing Guoan eine teure Steuer umgehen. Chinas Verband steckt in der Zwickmühle.

Cédric Bakambu (Archiv)
AFP

Cédric Bakambu (Archiv)


Im vergangenen Jahr hatte der chinesische Fußballverband mal wieder eine Idee, wie die Zukunft des Fußballsports im 1,3-Milliarden-Einwohner-Reich noch etwas goldener glänzen könnte. Mit einer hundertprozentigen Steuer auf alle Ablösesummen, die sechs Millionen Euro übersteigen, soll Geld für die Nachwuchsförderung eingesammelt werden.

Als Top-Torjäger Cédric Bakambu (neun Tore in 15 Partien) vom spanischen Erstligisten Villareal Anfang Januar seine Ausstiegsklausel in Höhe von 40 Millionen Euro aktivierte und Beijing Guoan als Ziel seiner Wechselbestrebungen ankündigte, schien die Rechnung einfach: Mit einem Gesamtpaket von 74 Millionen Euro würde der kongolesische Nationalstürmer zum teuersten afrikanischen Spieler der Fußballgeschichte aufsteigen.

Drei Wochen später ist der Wechsel von Bakambu zum Tabellenneunten der Chinese Super League allerdings immer noch nicht vollzogen. Grund: Der vom Ex-Leverkusener Roger Schmidt trainierte Hauptstadtklub möchte unbedingt die Zahlung jener 34-Millionen-Euro-Steuer vermeiden.

Pekinger Logik: keine Ablöse, keine Steuer

Derzeit versucht der Klub, mit Unwissenheit und größtmöglicher Distanz zu punkten. Man habe erfahren, dass Bakambu den spanischen Erstligisten "aus persönlichen Gründen" verlassen habe, bei der Aktivierung der Ausstiegsklausel sei der Klub nicht involviert gewesen, teilte der Verein auf Anfrage der "South China Morning Post" mit.

Die Strategie dahinter ist einfach: Bakambu hat sich nach dieser Version - wie in Spanien üblich - persönlich aus seinem Vertrag freigekauft. Mit den dazu benötigten 40 Millionen Euro will Beijing Guoan nichts zu tun gehabt haben. Zu einem späteren Zeitpunkt schließt er sich dann als vertragsloser Spieler den Pekingern an. Die Argumentationsführung des Klubs: Wenn keine Ablöse im herkömmlichen Sinne geflossen ist, dann kann darauf auch keine Steuer erhoben werden. Das scheint den Buchstaben der konkreten Regel nach in Ordnung, ihrem Geist sicherlich nicht.

Ob der zur Citic Group, einem staatlichen chinesischen Finanz- und Investmentunternehmen, gehörende Verein damit durchkommt, ist noch völlig offen. Schließlich hatte die mächtige Chinese Football Association CFA ihre Mitglieder noch im Januar davor gewarnt, beim Thema Transfersteuer ein Verhalten an den Tag zu legen, das "Schlupflöcher ausnutze"

Bakambu selbst ist mittlerweile in Peking eingetroffen und trainiert bereits mit seinen zukünftigen Mannschaftskollegen. Auf Twitter kursieren auch Fotos des Stürmers mit dem Trikot der Hauptstädter.

Auf die weitere Entwicklung seines Falles schaut man nicht nur in Peking, sondern auch im Rest von Fußball-China sehr genau. Selbst im Land der scheinbar unbegrenzten finanziellen Möglichkeiten ist man nach millionenschweren Flops wie Carlos Tévez vorsichtiger geworden. Ein Transfer in ähnlicher Größenordnung wie der Bakambus scheint bei der Konkurrenz von Tianjin bis Shanghai jedenfalls ausgeschlossen, bis die CFA eine Entscheidung getroffen hat.

Konsequenzen gezogen hat bereits Branchenprimus Guangzhou Evergrande: Der Serienmeister, kürzlich noch als mögliche Destination des wechselwilligen Pierre-Emerick Aubameyang identifiziert, hat keine Lust mehr auf teure Zugänge aus dem Ausland - 2020 soll der Kader ausschließlich aus chinesischen Spielern bestehen. Diese sind weiterhin steuerfrei zu haben.



insgesamt 3 Beiträge
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gammoncrack 24.01.2018
1. Gerade wenn es um solche Summen geht,
wird immer wieder nach Schlupflöchern gesucht, um die Absicht, die hinter solchen Regulierungen steht, auszuhebeln. Es ist schwierig, bei neuen Gesetzen oder Regeln jegliche Umgehungsmöglichkeiten auszuschließen. Das bedarf entsprechender Fantasie der Ersteller. Es wird Zeit, dass Gesetzestexte eine generelle Ergänzung enthalten, die Umgehungen der durch dieses Gesetz enthaltenen Absicht geahndet werden. Das gilt für China genau so wie für uns. Ich verweise hier z. B. auf die Cum/Ex-Geschäfte.
tutuban 24.01.2018
2. Abgabenordnung §42
@gammoncrack Diese Regelung gibt es bereits, wie häufig sie Anwendung findet weiß ich allerdings nicht. §42(1) S. 1 "Durch Missbrauch von Gestaltungsmöglichkeiten des Rechts kann das Steuergesetz nicht umgangen werden." Absatz 2 S. 1 "Ein Missbrauch liegt vor, wenn eine unangemessene rechtliche Gestaltung gewählt wird, die beim Steuerpflichtigen oder einem Dritten im Vergleich zu einer angemessenen Gestaltung zu einem gesetzlich nicht vorgesehenen Steuervorteil führt."
svennzon 24.01.2018
3. Fußball...
Völlig überzüchtet diese Fußballer und das Procedere drumrum...Mir ist der Spieler nicht geläufig...aber naja, Reisende soll man nicht aufhalten.
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