Ab 2018 nur noch im Pay-TV Wie Sie künftig die Champions League verfolgen können

Die Champions League wird ab 2018 nur noch im Bezahlfernsehen übertragen, Sky und die Streaming-Plattform Dazn sind die Favoriten. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum TV-Poker.

Bayerns Franck Ribéry (r.) gegen Real Madrids Luka Modric im CL-Viertelfinale
AFP

Bayerns Franck Ribéry (r.) gegen Real Madrids Luka Modric im CL-Viertelfinale


Die Champions League wird ab 2018 nur noch im Bezahlfernsehen zu empfangen sein. Das ZDF wird im Verhandlungspoker nach SPIEGEL-Informationen leer ausgehen. Zuvor hatten "Bild" und "Kicker" darüber berichtet.

Das ZDF hatte seit 2012 ausgewählte Spiele der Königsklasse im frei empfangbaren Fernsehen gezeigt. Der Pay-TV-Sender Sky übertrug alle Spiele im Bezahlfernsehen.

Sky wird die Rechte erneut erhalten. Zusammen mit der Streaming-Plattform Dazn ist der Sender nach SPIEGEL-Informationen Favorit auf die Exklusivübertragung im deutschen Fernsehen. Die Unternehmen werden sich den Pay-TV-Markt künftig teilen.

Die Verhandlungen mit dem europäischen Fußballverband Uefa laufen zwar noch offiziell, doch die Entscheidung steht bereits fest und soll noch in dieser Woche verkündet werden - auch wenn das ZDF mitteilt, dass man Anfang April ein Angebot abgegeben habe, "das weiter Bestand hat".

Hier sind die wichtigsten Informationen zum Fernsehvertrag der Champions League auf einen Blick:

Um wie viel Geld geht es?

Die Uefa erhofft sich durch den Verkauf der Übertragungsrechte ab der Saison 2018/2019 bis 2020/2021 rund 600 Millionen Euro von deutschen TV-Bietern. Die "Bild"-Zeitung schreibt, nur Sky und Dazn wollen diesen Betrag aufbringen. Das ZDF habe maximal 70 Millionen Euro pro Jahr geboten und damit bereits jährlich 16 Millionen Euro mehr als bislang. Das ZDF hat die genannte Summe dementiert.

Wer oder was ist Dazn?

Dazn ist eine Streaming-Plattform für Sportveranstaltungen, vergleichbar mit Netflix für Filme und Serien. Der Dienst gehört wie Spox zum britischen Medienunternehmen Perform Group. Dazn war im August 2016 an den Start gegangen. Wie viele Abonnenten Dazn aktuell hat, ist nicht bekannt. Der Streaming-Dienst kostet derzeit 9,99 Euro im Monat. Ob der Preis mit der Champions League konstant bleibt oder steigen wird, ist noch Spekulation.

Dazn übertragt bereits viele europäische Top-Fußballligen, dazu gehören die englische Premier League, Spaniens Primera División und die italienische Serie A. Aber auch andere Sportarten wie Handball, Basketball, American Football oder Darts gehören zum Angebot.

Habe ich kein Recht, die Champions League frei zu empfangen?

Im Rundfunkstaatsvertrag gibt es eine Liste mit sportlichen Großereignissen von "erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung", die frei empfangbar sein müssen. Die Gruppenphase der Champions League sowie die K.-o.-Spiele bis zum Halbfinale fallen nicht unter diese Schutzpflicht. Nur ein Finale mit deutscher Beteiligung - das aktuelle Endspiel der Königsklasse zwischen Juventus Turin und Real Madrid also nicht - müsste im Free-TV gezeigt werden. Diese Bedingung könnte Sky mit seinem frei zugänglichen Kanal Sky Sport News HD erfüllen.

Wie läuft es in anderen Ländern?

In großen Fußballnationen wie England, Spanien, Italien und Frankreich wird die Champions League bereits zum großen Teil verschlüsselt im Pay-TV übertragen. Das meiste Geld fließt aus England an die Uefa, der britische Sportsender BT Sports ließ sich die Berichterstattung bis 2021 etwa 1,38 Milliarden Euro kosten. Alles verschlüsselt.

Wird auch die Europa League ausschließlich im Bezahlfernsehen übertragen?

Hier wird eine andere Variante erwartet. Laut "Kicker" wird RTL den bisherigen Übertragungssender Sport1 ablösen und eine noch unbekannte Anzahl an Partien im Free-TV zeigen. Der Kölner Sender übertragt bereits die WM- und EM-Qualifikationsspiele der deutschen Fußballnationalmannschaft. Eine offizielle Bestätigung von RTL gibt es nicht. Sky soll sich die Berichterstattung der Europa League für den Pay-TV-Markt gesichert haben.

ehh/jan

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insgesamt 163 Beiträge
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Seite 1
frank_w._abagnale 16.05.2017
1. Gut so.
Eine Entscheidung zugunsten der Qualität der Berichterstattung. Gut so.
ssc58 16.05.2017
2. dann eben nicht...
Wegen DVB-T2 habe ich auch jetzt schon kein Free-TV im herkömmlichen Sinne mehr. Auch RTL (und die anderen Privaten) sind auf DVB-T2 nicht mehr "free". Und per Satelit ist es auch nur noch eine Frage der Zeit, bis SD abgeschaltet wird und auch dort jeder kassiert, denn irgendwie müssen die Kosten für die Übertragungsrechte ja wieder reinkommen. Da ich nicht bereit bin, neben der GEZ-Gebühr auch nur einen Cent zusätzlich fürs TV auszugeben, um damit auch noch diese Geldgier im Sport zu unterstützen, werde ich zukünftig also auf Fußball im Fernsehen verzichten oder bei spanenden Spielen mal wieder die nächste Kneipe mit Sport-TV aufsuchen.
brunellot 16.05.2017
3. Großartig!
Da ist doch großartig. Dann kann sich der öffentliche Rundfunk wieder voll auf seine Aufgabe, die Grundversorgung sicher zu stellen, konzentrieren. Mit dem Wegfall dieser Kosten gibt es dann auch keine Notwendigkeit mehr, an der Gebührenschraube zu drehen! Eine klassische Win-Win Situation für Gebührenzahler UND öffentlicher Rundfunk
jorg.ahrens.338 16.05.2017
4. Na endlich...
... es ist ja nur meine bescheidene und wenig repräsentative Meinung... aber ich werde es nicht vermissen und vermutlich sparen die Öffentlich-Rechtlichen auch eine Menge Geld. Vielleicht ist das ja die Lösung für völlig überhitzte Geldsportarten. So bleiben alle unter sich.
Greg84 16.05.2017
5.
Jetzt kann sich immerhin keiner mehr beschweren, dass die tollen GEZ- Gebühren für Fußball ausgegeben werden. Jetzt kann man eine neue Polit- Talkshow einführen. Schade, dass bei DAZN keine Spiele mit deutscher Beteiligung übertragen werden, dann eben weiter Sky.
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