Bayern-Gegner Ajax So unbeschwert kann Fußball sein

Viel Ballbesitz, aber kaum Ideen: Gegen das erfrischend unbekümmerte Team von Ajax Amsterdam zeigte der FC Bayern ein Gesicht, das er zuletzt immer seltener verstecken konnte.

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Szene des Spiels: Es lief die 56. Minute, als Manuel Neuer aus seinem Tor eilte, um einen Angriff der Niederländer zu unterbinden. Neuer spielte einen Pass, so ungenau, wie nur ganz selten. Er landete bei Ajax-Kapitän Matthijs de Ligt, der bei seinem Schussversuch aus gut 60 Metern noch ausrutschte und das Tor knapp verfehlte. Es war nicht das einzige Mal, dass de Ligt auffiel.

Ausgangslage des Spiels: Zum Auftakt in diese Champions-League-Spielzeit hatten beide Teams gewonnen. Die Bayern 2:0 bei Benfica Lissabon, Ajax Amsterdam gar 3:0 gegen AEK Athen. Nur in der Liga, da hatten zuletzt beide Probleme: Ajax liegt schon fünf Punkte hinter Spitzenreiter PSV Eindhoven. Und die Bayern hatten am Wochenende gegen die Hertha aus Berlin verloren.

Ergebnis des Spiels: Ein Spiel ohne Sieger, 1:1. Für die Bayern traf Mats Hummels (4.), Noussair Mazraoui glich in der 22. Minute aus. Zum Spielbericht geht es hier entlang.

Rückkehrer des Spiels: Hätten Sie es gewusst? Erik ten Hag, der Trainer von Ajax Amsterdam, war mal zwei Jahre bei den Bayern. Gut, es war nur die Regionalliga-Reserve, aber immerhin. Im Sommer 2015 ging ten Hag zum FC Utrecht, Ende Dezember 2017 verpflichtete ihn Ajax. Und jetzt Champions League, Rückkehr nach München - und dann noch dieses Ergebnis. Man sieht sich eben immer zweimal im Leben.

Mazraoui wie einst Arnesen: In München trifft Ajax nur in Ausnahmefällen. Das letzte Tor in der bayerischen Landeshauptstadt hatte ein gewisser Frank Arnesen geschossen, das war im Oktober 1980. Und nun, 38 Jahre später, traf Noussair Mazraoui nach toller Vorlage von Dusan Tadic. Ob er sich der Dimension seines Treffers bewusst war?

Pfosten, Latte, nur 1:1: Es war schon enttäuschend, wie die Bayern nach der Pause spielten: Viel Ballbesitz, aber kaum Ideen. Und als dann James mal einen Geistesblitz hatte, lenkte Ajax-Torhüter André Onana den Ball an den Pfosten (77.). Die besseren Möglichkeiten hatten die unbekümmerten Gäste aus den Niederlanden. Am Ende durfte sich der FC Bayern bei Neuer bedanken, der einen Freistoß von Lasse Schöne noch an die Latte lenkte - und zumindest das Remis rettete (90.+1).

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Champions League: Schon wieder sieglos

Zweikämpfer des Spiels: De Ligt, Amsterdams erst 19-jähriger Kapitän, führte 13 Zweikämpfe, von denen er 69 Prozent für sich entscheiden konnte. Eine starke Quote! Und eine, von der Bayerns Verteidiger an diesem Abend weit entfernt waren. Mats Hummels gewann 55,5 Prozent seiner Zweikämpfe, Jérôme Boateng nur noch jeden zweiten - und keinen einzigen in der Luft.

Erkenntnis des Spiels: Die Bayern sind derzeit vieles, aber sicher nicht unschlagbar. Schon gegen die Hertha spielte der FC Bayern mit ähnlich wenig Tempo wie die Nationalmannschaft bei der WM. Die Spieler veranstalteten ein Deutschland-Südkorea-Gedächtnis-Anrennen. Tempo war auch gegen Amsterdam nur selten zu sehen, auch an Ideen mangelte es. Und dann hatten die Verteidiger auch noch Probleme mit dem Angriffspressing der Niederländer. Es war Anschauungsunterricht für die Bundesliga. In Gladbach, beim nächsten Bayern-Gegner, werden sie das Spiel mit Interesse verfolgt haben.

FC Bayern München - Ajax Amsterdam 1:1 (1:1)
1:0 Hummels (4.)
1:1 Mazraoui (22.)
Bayern: Neuer - Kimmich, Boateng, Hummels (90.+3 Süle), Alaba - Martínez - Robben (62. James Rodríguez), Müller, Thiago, Ribéry (74. Gnabry) - Lewandowski
Ajax: Onana - Mazraoui, de Ligt, Wöber, Tagliafico - Schöne, Blind - Ziyech, van de Beek (75.de Wit), David Neres (85. Dolberg) - Tadic
Schiedsrichter: Kralovec (Tschechien)
Gelbe Karten: Martínez, Rodríguez - Blind, van de Beek
Zuschauer: 70.000



insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
gibmichdiekirsche 03.10.2018
1.
Ajax zeichnete sich vor allem durch das aus, was den Bayern momentan zu fehlen scheint: Frische Ideen im Kopf, "Spritzigkeit" auf dem Platz, entsprechende Einsatz- und Laufbereitschaft und Hunger nach Erfolg. Ich weisse selber, das sind allesamt Sätze fürs Phrasenschwein im Wert von gut 20 Euro. Nur muss der Eindruck noch lange nicht falsch sein. Ein erneut Auftritt der Münchner, der auch eine Heimniederlage gerechtfertigt hätte. Schaun mer mal, wann Nico Kovač die ersten Schüsse und Querschläger aus der Chefetage um die Ohren fliegen. Damit könnte es schon bei einem Nicht-Sieg gegen Gladbach losgehen. Also volles Galopp am Samstagabend, ihr Fohlen vom Niederrhein!
Attila2009 03.10.2018
2.
Da sollte Ajax angeblich den Frust der Niederlage in Berlin ausbaden und jetzt muss sich Bayern noch bei Neuer bedanken der mit Glanzparaden das Unentschieden rettete.Gegen ein Team von Namenlosen ! Die Bayern haben wohl selber noch nicht mal gemerkt dass es nicht rund läuft derzeit. Mein Tipp: Ende November ist Kovacs entlassen und Heynkes ist wieder da...lol...
pdqbach2005 03.10.2018
3. Bitter für Kovac
Die Bayern haben leider personell nicht nachgelegt, sie haben "uns" (damit wäre meine Provenienz geklärt) einen engagierten Trainer weggeholt, Kovac hat hier in Frankfurt eine überragende Arbeit geleistet, der Weggang war nicht so schön, er hätte vielleicht noch eine Saison dranhängen können. Ich befürchte, dass er jetzt schnell unschuldig das Ba(y/u)ernopfer sein könnte, für die Personalpolitik des FCB kann er ja nichts.
gibmichdiekirsche 03.10.2018
4.
Zitat von gibmichdiekirscheAjax zeichnete sich vor allem durch das aus, was den Bayern momentan zu fehlen scheint: Frische Ideen im Kopf, "Spritzigkeit" auf dem Platz, entsprechende Einsatz- und Laufbereitschaft und Hunger nach Erfolg. Ich weisse selber, das sind allesamt Sätze fürs Phrasenschwein im Wert von gut 20 Euro. Nur muss der Eindruck noch lange nicht falsch sein. Ein erneut Auftritt der Münchner, der auch eine Heimniederlage gerechtfertigt hätte. Schaun mer mal, wann Nico Kovač die ersten Schüsse und Querschläger aus der Chefetage um die Ohren fliegen. Damit könnte es schon bei einem Nicht-Sieg gegen Gladbach losgehen. Also volles Galopp am Samstagabend, ihr Fohlen vom Niederrhein!
Nur um das klarzustellen: ich schätze Nico Kovač als ehrenwerten Sportsmann und Trainer und wünsche ihm kein bayrisches Scheibenschiessen. Nur: Wer ohne Not bei den Bayern anheuert, muss auch damit leben, dass er bei ausbleibenden Erfolgen bayernüblich behandelt wird - frag nach bei Carlo A.... Wäre er doch am Main geblieben, da passte er hin.
stoffi 03.10.2018
5.
Zitat von pdqbach2005Die Bayern haben leider personell nicht nachgelegt, sie haben "uns" (damit wäre meine Provenienz geklärt) einen engagierten Trainer weggeholt, Kovac hat hier in Frankfurt eine überragende Arbeit geleistet, der Weggang war nicht so schön, er hätte vielleicht noch eine Saison dranhängen können. Ich befürchte, dass er jetzt schnell unschuldig das Ba(y/u)ernopfer sein könnte, für die Personalpolitik des FCB kann er ja nichts.
So schwarz sehe ich nicht. Ein Tief kann überwunden werden. Kovac wird sicher den richtigen Weg finden, das Team zu wieder ,,auf Strecke" zu bringen.
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