Holland-Rückkehrer Robben Vorsicht, zerbrechlich!

In der Champions League kehrt Bayern-Star Arjen Robben zu seinem alten Verein PSV Eindhoven zurück. Der Stürmerstar will den Abend genießen, in seiner Heimat hat er allerdings nicht nur Fans.

Bongarts/Getty Images

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Für Philip Cocu gibt es überhaupt keinen Zweifel: "Arjen Robben bekommt den Empfang, den er verdient." Und weil dies ein etwas mehrdeutiger Satz sein kann, schiebt der Trainer des PSV Eindhoven zur Klarheit nach: "Er ist eine fantastische Persönlichkeit und ein Spieler von extrem hoher Qualität."

Robben hat als junger Kerl zwei Jahre für die PSV gespielt, 2004 verließ er den Klub, um in die große Fußballwelt zu gehen, erst nach England, danach nach Spanien. 2009 dann nach München, und es hat zwölf Jahre gedauert, bis er nun mit den Bayern in der Champions League (20.45 Uhr Sky, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in die alte Heimstätte gegen seinen ehemaligen Verein zurückkehrt. Er wolle den Abend genießen, hat Robben im Vorfeld gesagt.

Weniger genossen wird er die Diskussionen haben, die sich in den Niederlanden zuletzt um seine Person entwickelte. So unumstritten wie derzeit in München, wo ihn "Sportbild"-Kolumnist Raimund Hinko noch am Dienstag "zum besten Spieler der Welt" hochgeschrieben hat, ist der Außenstürmer beileibe nicht.

De Mos würde Robben "aussortieren"

Seit einem Jahr hat Robben aufgrund seiner diversen Verletzungen kein Länderspiel für Oranje mehr bestritten, ohne ihn hat die Elftal die Teilnahme an der EM verpasst und auch den Start in die WM-Qualifikation verpatzt. Der stark in der Kritik stehende Bondscoach Danny Blind hat den fast 33-Jährigen zu einer Art Heilsbringer ernannt. Und genau das passt vor allem den Altvorderen im lange so glorreichen niederländischen Fußball gar nicht.

Der frühere PSV- und Ajax-Coach Aad de Mos, der auch eine kurze und eher unglückliche Zeit als Trainer bei Werder Bremen hatte, hat vor ein paar Wochen die Attacke auf Robben eröffnet. "Die Zeit von Robben bei Oranje ist vorbei", sagte er in einem Zeitungsinterview. Dass sich bei einer Nationalmannschaft im Vorfeld wichtiger Spiele alles nur darum drehe, ob ein 32-Jähriger fit sei oder nicht, sei "für alle anderen Spieler komplett kontraproduktiv". Blind solle so konsequent sein, die alte Garde um Robben, Robin van Persie und Klaas-Jan Huntelaar auszusortieren und stattdessen rigoros auf einen Neuaufbau zu setzen, fordert de Mos. Und dabei auch gleich das geliebte und auf Robben zugeschnittene 4-3-3-System der Niederländer über Bord werfen.

In Robbens Heimat hatte de Mos damit die Schlagzeilen für ein paar Tage sicher. Der Stürmer ist in den Niederlanden immer eine Reizfigur gewesen. Seine großen Fähigkeiten sind zwar unbestritten, aber Robben hat es dennoch nie auf eine Stufe mit den so verehrten Fußballgöttern der Vergangenheit geschafft, mit Marco van Basten, Johan Neeskens oder Wim van Hanegem, von Johan Cruijff ganz zu schweigen. Robben wird geachtet, geliebt wird er nicht. Selbst die Spieler seiner Generation, die Ajax-Boys Rafael van der Vaart und Wesley Sneijder, haben das Herz der Oranje-Fans mehr erobert als der Bayern-Star. Sneijder verdient sein Geld mittlerweile in der Türkei, van der Vaarts Karriere ist in Dänemark gestrandet, Robben ist immer noch auf höchstem Niveau aktiv.

Website registriert all seine Verletzungen

Dass er trotz 13 Jahren in der Nationalelf nur 88 Länderspiele bestritten hat, dass er in den Niederlanden das alte Image vom "de Man van Glas", der dauernd verletzt ist, nicht los wird, dass er dennoch, wenn er mal fit ist, vom Bondscoach alle Freiheiten eingeräumt bekommt, all das wird in den Niederlanden durchaus kritisch gesehen. Das wichtige Oktober-Qualifikationsspiel gegen Frankreich hat er verletzt abgesagt, ein paar Tage später stand er in der Bundesliga für die Bayern bei Eintracht Frankfurt in der Startformation. Auch das ist aufmerksam registriert worden. Seit Jahren gibt es in den Niederlanden eine Website isarjenrobben.geblesseerd.com (Ist Arjen Robben verletzt), die normalerweise sorgsam gepflegt wird. Im Moment ist sie allerdings nicht ganz aktuell: Dort steht noch in Versalien: JA.

Die Niederländer haben einen Hang dazu, ihre Stars mit einem gewissen Misstrauen zu beäugen. Einen, der seit zwölf Jahren im Ausland sein Geld verdient, noch ein bisschen mehr. So sah sich Sjoerd Mossou, einer der Sport-Starkolumnisten des Landes, erst kürzlich genötigt, eine regelrechte Ode auf Robben zu schreiben, um all die Kritik zu relativieren. Robben sei "nicht nur der beste niederländische Fußballer dieses Jahrzehnts, er ist auch der leidenschaftlichste, bedingungsloseste Top-Sportler unserer Fußballgeschichte", schrieb er im "Algemeen Dagblad". Gerade weil er nach all seinen Verletzungen immer wieder zurückgekommen sei, sich wieder und wieder an die Spitze zurück gekämpft habe. Dies stehe für den "ewigen Drang, sich zu beweisen, den unbegrenzten Ehrgeiz", den Robben an den Tag lege.

An das allerletzte Pflichtspiel für die PSV im April 2004 kann sich Robben noch gut erinnern. Es war gegen den FC Groningen, seinen eigentlichen Heimatklub. In dem Spiel hat sich Robben verletzt, natürlich möchte man sagen. "Mit diesem Spiel fing das ganze Elend an", sagt Robben heute. Die Beziehung zwischen dem Glasmann Arjen Robben und den Niederlanden war immer schon etwas zerbrechlich.



insgesamt 15 Beiträge
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gekreuzigt 01.11.2016
1. Wer dauernd fällt,
der ist kein Held. Statt Schwalbe sag ich immer Robbe.
Freifrau von Hase 01.11.2016
2.
"der ist kein Held. Statt Schwalbe sag ich immer Robbe." Und? Was sollen wir aus diesem Beitrag mitnehmen? Forist "gekreuzigt" sticht Fußballsachverstand?
roppel 01.11.2016
3. Für mich ist er unsterblich....
....seit er dem FC Bayern in der Schlussminute des CL-Finals den Henkelpott bescherte! In der gleichen Saison schoss er den BVB sogar auch noch aus dem Pokal! Seitdem ist das Dortmunder Zwischenhoch beendet und die Bienchen wieder kleinlaut! Danke Arjen!
basecape-man 01.11.2016
4. es gab und gibt selten so einen unfairen spieler wie robben
einer der über soviel talent und können verfügt und trotzdem keine gelegenheit zur schwalbe auslässt wird zurecht nicht von den fans geliebt.ausser man ist bayern fan.
claudiosoriano 01.11.2016
5. Robben
ist der beste Spieler, den der FC Bayern jemals verpflichtet hat!!! Kommt er ins Bayern Spiel, kommt sofort Schwung in die Truppe. Auch ist Robben viel Torgefährlicher als etwa ein T. Müller oder ein Lewandowski. Das Problem seine vielen verletzungen, die Ihn immer wieder zurückgeworfen haben. Der FC Bayern wäre gut beraten Ihn nur bei wichtigen BL oder CL Spielen einzusetzen. Die NL sollten stolz sein, einen der besten Spieler der Welt, als Landsmann zu haben!
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