Atléticos Aus gegen Real Ein Dribbling zwischen Traum und Trauma

Atlético ist in der Champions League wieder mal an Real gescheitert - und das beim Europapokal-Abschied aus dem eigenen Stadion. Karim Benzema gelang die entscheidende Aktion. Alles Wichtige zum Spiel.

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Wozu das Ganze? Drei Tore Vorsprung aus dem Hinspiel für Real. Kein Auswärtstor für Atlético. Und ein Cristiano Ronaldo in Bestform. Im Vorfeld war die sportliche Bedeutung des Rückspiels im Champions-League-Halbfinale kaum zu erkennen. Dennoch lohnte sich ein Blick aufs Spiel: Großes Konfliktpotenzial durch das Stadtderby. Ein Real, das gegenüber Finalist Juventus Stärke beweisen will. Und ein Cristiano Ronaldo in Bestform. Aber vielleicht ging ja doch noch was für Atlético im eigenen Stadion?

Das Ergebnis: Atlético gewann 2:1 (2:1), dennoch heißt der Finalgegner von Juventus Turin: Real Madrid. Hier geht's zum Spielbericht.

Apropos Stadtderby: Die Brisanz der Begegnung machten die Atlético-Fans kurz vor dem Anpfiff schnell noch einmal klar. "Stolz, nicht so zu sein wie ihr", verkündeten sie in einer Choreo.

Choreographie in Madrid
AFP

Choreographie in Madrid

Die erste Hälfte: Gelb für Reals Danilo nach dreieinhalb, Gelb für Atléticos Savic nach fünfeinhalb Minuten. Willkommen im Derby! Oder wie ZDF-Reporter Oliver Schmidt später sagen sollte: "Das Messer immer zwischen den Zähnen." Das Spiel war hitzig, bot aber auch extrem hohes Tempo. Und Atlético schaffte es tatsächlich, wieder Spannung ins Halbfinale zu bringen. Schnell stand es 2:0 durch Tore von Saúl Ñíguez (12. Minute) und Antoine Griezmann (16./Foulelfmeter). Aber kurz vor der Pause war die Spannung fast wieder raus: Isco traf zum Anschluss (42.) - und zu einem Rekord.

Kurioser Elfmeter: Das Strafstoßtor von Griezmann hätte nicht zählen dürfen. Der Franzose rutschte bei der Ausführung leicht aus und schoss sich deshalb mit links selbst auf den rechten Fuß. Von dort flog der Ball ins Tor.

Antoine Griezmann beim Elfmeter
AP

Antoine Griezmann beim Elfmeter

Die zweite Hälfte: Die Luft war raus. Atlético brauchte wieder drei Tore, der Glaube an eine zweite Aufholjagd kam nie wirklich auf. Auch, weil Reals Torwart Keylor Navas bei den wenigen Großchancen des Gegners großartig parierte. Aber die Gäste setzten offensiv ebenfalls kaum noch Akzente, es reichte nur noch für ein Abseitstor.

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Einer gegen alle: Es war nicht nur die entscheidende Szene des Spiels, es war auch die schönste. Nach einem Ronaldo-Einwurf bekam Benzema den Ball nahe der Eckfahne. Dann ging es ganz schnell. Mit sechs Ballkontakten (rechts, links, rechts, links, rechts, links) setzte sich Karim Benzema gegen Diego Godín, José María Giménez und Stefan Savic durch. Nach seinem Rückpass schoss Toni Kroos aufs Tor, Jan Oblak parierte, Isco erzielte im Nachschuss das wichtige Auswärtstor.

Ende mit Würde: Es war das letzte Europapokal-Spiel im Estadio Vicente Calderón und zumindest in der ersten Hälfte war es das angebrachte Spektakel. Zur neuen Saison zieht Atlético in eine neue Arena und hofft auf mehr Erfolg als beim am Ende enttäuschenden Abschied - in einem dennoch legendären Stadion. Die letzten Europapokal-Minuten des Vicente Calderón versanken dann im Platzregen.

Stefan Savic
AFP

Stefan Savic

Reales Trauma: Atlético kann auf vier starke Champions-League-Jahre zurückblicken. Allesamt endeten sie aber besonders bitter. Denn jedes Mal scheiterte der Klub am Stadtrivalen: zweimal im Finale (2014 und 2016), einmal im Viertelfinale (2015), nun im Halbfinale.

Erkenntnis des Spiels: Real zeigte, dass es defensiv anfällig ist und wackelte kurzzeitig sogar, auch wenn Reals Verteidiger Marcelo nach dem Spiel sagte, das Team sei nie nervös gewesen. So oder so: Die Fußballwelt darf sich auf ein großes Endspiel mit zwei verdienten Finalisten freuen. Und Real hat dabei weiter die Chance, als erster Klub überhaupt den Champions-League-Titel erfolgreich zu verteidigen.

Atlético Madrid - Real Madrid 2:1 (2:1)
1:0 Ñíguez (12.)
2:0 Griezmann (16./Foulelfmeter)
2:1 (42.) Isco
Atlético: Oblak - Giménez (57. Thomas), Savic, Godín, Luis - Gabi, Ñíguez - Koke (76. Correa), Carrasco - Torres (56. Gameiro), Griezmann
Real: Navas - Danilo, Varane, Ramos, Marcelo - Casemiro (77. Vázquez) - Kroos, Modric - Isco (88. Morata) - Benzema (76. Asensio), Ronaldo
Schiedsrichter: Cüneyt Cakir
Zuschauer: 53.422 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Savic, Godín, Gabi, Correa - Danilo, Ramos



insgesamt 9 Beiträge
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hansriedl 11.05.2017
1. Real ist völlig zu Recht im Finale.
Real ist völlig zu Recht im Finale. Aber dort wartet nun Juve und das ist ein gaaaaanz harter Brocken. Atletico hat sich noch einmal aufgebäumt aber Juve ist zZ einfach darüber zu stellen. Das Finale wird denke ich sehr interessant.
alaba27 11.05.2017
2. Einmalig ?
Wenn Juve tatsächlich 1996 die CL gewonnen hat, dann war der Titelverteidiger nicht nur ein einziges Mal im Folgejahr (Ajax 1995 und 1996) wieder im Endspiel - sondern gleich im Jahr darauf schon wieder ! Ich sach nur "Lars Ricken". Wer macht denn in der Sportredaktion die Recherche ?
astrolenni 11.05.2017
3. Titelverteidigung
Zum letzten Satz: 1997 besiegte der BVB den damaligen Titelverteidiger im Finale. Der Name: Juventus Turin. ;)
tomaraya 11.05.2017
4. Auswärtstore
Tja, so ist das mit dieser tollen "Auswärtstorregel"! Sie schafft es immer wieder binnen Sekunden jeglich Spannung verpuffen zu lassen...
fredderfarmer 11.05.2017
5. Der Fehler
war der, das man das Spiel nach dem relativ frühen 2:0 erstmal beruhigen wollte, weil man dachte, noch genug Zeit für das dritte Tor zu haben. Man hätte gleich mit vollem Risiko so weiter spielen sollen.
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