Champions-League-Aus für Ballack Die Zeit läuft ab

Vor vier Jahren verließ Michael Ballack den FC Bayern, um mit Chelsea die Champions League zu gewinnen. Dreimal war er nah dran, dieses Jahr scheiterte er schon früh. Der 33-Jährige wartet damit weiter auf einen internationalen Titel. Seine Chancen darauf werden immer geringer.

Chelseas Ballack: Wieder kein internationaler Titel
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Chelseas Ballack: Wieder kein internationaler Titel

Von Marco Plein


Als zwei Stunden vergangen waren und Michael Ballack in aller Ruhe über die Enttäuschung sprach, huschte ihm schon wieder ein Lächeln übers Gesicht. Er nahm es also mit Humor, denn viel zu lachen gab es ja für ihn nicht an diesem Abend. Zu schwach gespielt, vorzeitig ausgewechselt, verloren, gescheitert. Mal wieder. Mit dem FC Chelsea flog der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft aus der Champions League raus, Kontrahent Inter Mailand ließ sich nicht kleinkriegen. Für Ballack war der Abend stellvertretend für seine bisherige internationale Karriere, denn wieder ist er international zu kurz gekommen. Es bleibt bei null Titeln, und so langsam läuft seine Zeit ab.

Im Sommer 2006, kurz nachdem der große Traum vom Weltmeistertitel im eigenen Land geplatzt war, wechselte Ballack von München nach London. Schon damals betonte er, es gehe ihm vor allem um den internationalen Triumph. In London gewann er zwar schon zweimal den FA Cup und einmal den Ligapokal; auf sein Ziel, den Sieg in der Champions League, muss er aber weiter warten. "Es tut weh, so früh auszuscheiden", sagte er nach dem 0:1 gegen das vom ehemaligen Chelsea-Trainer José Mourinho betreute Inter. "Wir sind alle konsterniert. In ähnlichen Situationen haben wir sonst mit Wucht noch eine Wende erzwingen können." Diesmal nicht. Und Ballack, der schon nach einer Stunde für Joe Cole vom Platz musste, durfte am Ende nicht mal helfen, daran etwas zu ändern.

Dreimal nah dran am großen Ziel

Mit Chelsea war er in drei von vier Jahren nah dran am großen Titel: 2007 flog er im Halbfinale gegen Liverpool raus, 2008 scheiterte der Club im dramatischen Endspiel gegen Manchester United erst im Elfmeterschießen, und Ballack weinte. 2009 fühlte er sich nach zwei Unentschieden und dem Halbfinal-Aus gegen Barcelona betrogen. "Nachdem wir die Champions League in den letzten Jahren mitdominiert haben, ist das jetzt enttäuschend", sagte er nun. 2002, damals im Trikot von Leverkusen, war er auch schon mal nah dran am Titel, doch im Endspiel verlor Bayer 1:2 gegen Real Madrid.

So langsam gehen Ballack die Chancen aus, doch noch einen ganz großen Titel zu erringen. Natürlich steht schon bald die Weltmeisterschaft in Südafrika an, und vielleicht wird er auch bei der Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine noch als Führungsfigur um den Titel spielen. Dann aber ist er schon 35 Jahre alt. Mit Chelsea kann er vielleicht noch zwei- oder dreimal um Europas begehrtesten Club-Titel spielen. Im Sommer läuft sein Vertrag zwar aus, aber er will bleiben. Es gehe ihm nicht mehr ums Geld, hat er neulich verkündet. Man kann aber auch davon ausgehen, dass es in Europa keinen Club mit besseren Chancen auf einen Champions-League-Sieg gibt, bei dem Ballack noch unterkommen könnte.

Ballack will seine Karriere in England beenden, das hat er mehrfach zum Ausdruck gebracht. Gut möglich, dass er sich dabei mit nationalen Titeln zufriedengeben muss. In dieser Saison könnte er immerhin mit Chelsea die begehrte Meisterschaft gewinnen, "das ist jetzt unser großes Ziel", sagte Ballack. Rund acht Wochen vor dem Saisonschluss läuft mal wieder alles auf einen Kampf mit Manchester und Arsenal hinaus, Chelsea hat derzeit gute Karten.

Mourinho in Italien gefeiert

Das gilt auch für Inter Mailand, doch nicht nur national, wo der Club nach vier Meisterschaften in Serie und der fünften in Greifweite sowieso dominant ist. Nun peilt Inter auch einen internationalen Erfolg an. Die italienische Sportpresse, die sich sonst wenig zimperlich im Umgang mit Mourinho gibt, feierte das 1:0 des Serie-A-Tabellenführers an der Stamford Bridge jedenfalls wie eine Heldentat. "Wenn Inter so weiterspielt, muss die Mannschaft nur noch sich selbst fürchten", schrieb etwa die "Gazzetta dello Sport". Und im Konkurrenzblatt "Corriere dello Sport" stand: "Mourinhos Inter hat begonnen, Seiten der Fußballgeschichte zu schreiben." Für den Portugiesen war es freilich nicht einfach, seine Gefühle nach dem Weiterkommen zu kontrollieren.

Öffentlich hielt er sich erst zurück. Nach dem Tor von Samuel Eto'o und auch nach dem Abpfiff, nachdem er sofort in den Katakomben verschwand. Später, in der Kabine, muss dann der Teufel los gewesen sein. "So sehr habe ich noch nie gejubelt", erzählte der Trainer. "Das war eine unglaubliche Leistung. Dieses Ergebnis beweist, dass ich bei Inter zu Hause bin. Denn ich gewinne immer. Mit oder gegen Chelsea." Der Portugiese sei zurückgekommen, um sich ein letztes Mal in Chelseas Geschichtsbuch einzutragen, schrieb "The Guardian". Allerdings, um einen "hässlichen Klecks in den Annalen des Clubs" zu hinterlassen.

Vor vier Jahren, als Ballack zu Chelsea kam, war Mourinho dort noch Trainer. In der Hoffnung, mit dem Deutschen im Kader einen großen Erfolg zu erringen, sagte er damals: "Wir haben ein Team der Champions, und um dieses Team der Champions zu verbessern, brauchen wir Champions. Jetzt ist ein Champion gekommen." Diesem Prädikat aber wurden die Chelsea-Spieler bislang nicht gerecht, auch Ballack nicht.

mit Material des sid und der dpa

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