Von Sara Peschke
Hamburg - "Barça! Orgull, Barça!" - "Barça!, unser Stolz, Barça!": Unter diesem Slogan hat der katalanische Club sein nach eigenen Aussagen wichtigstes Spiel dieses Jahres gestellt. 90.000 rote, blaue und gelbe Karten werden auf den Sitzen des wohl bis auf den letzten Platz ausverkauften Camp Nou liegen, die Zuschauer sollen mit ihnen eine mosaikartige Choreografie formen.
Üben konnten sie diese bereits zweimal in dieser Saison, im Liga-Spiel gegen Real Madrid und im Rückspiel des Champions-League-Achtelfinales gegen den AC Mailand. Beide Male zeigte die Unterstützung Wirkung, gegen Real reichte es zu einem 2:2, gegen Milan folgte die legendäre 4:0-Aufholjagd.
So soll es auch gegen Bayern München kommen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Tatsächlich mühen sich die spanischen Medien nach dem für sie so fürchterlichen 0:4 im Hinspiel in München um positive Stimmung. Sogar dem Unentschieden gegen den Tabellen-14. Athletic Bilbao in der Liga am Wochenende versuchen sie, Gutes abzugewinnen. Denn Barcelona verspielte zwar in den letzten Minuten den Sieg und damit die vorzeitige Meisterschaft, doch: Lionel Messi war wieder da. Er traf zum Ausgleich, nicht einmal zehn Minuten nachdem er eingewechselt worden war, und bereitete zudem Barcelonas Führungstreffer zum 2:1 durch Alexis Sánchez vor.
"Mit einem Wimpernschlag drehte Messi das Match", schrieb "El País", "er veränderte das Gesicht der Partie". Er ist Barcelonas letzte Hoffnung.
"Wenn Messi nicht da ist, fehlt es uns an Balance"
Im Hinspiel gegen die Bayern war Messi ungewohnt unauffällig geblieben, er habe gar nicht wirklich mitgespielt, hieß es nach der Partie. Erst wenige Stunden vor Anpfiff hatten Mediziner dem Argentinier die Spielerlaubnis gegeben, doch man merkte ihm an, dass er noch nicht wieder auf der Höhe war. "Wenn Messi nicht da ist, fehlt es uns an Balance", sagte Barcelonas Jordi Roura nach dem Bilbao-Spiel der "Marca". Laut des Assistenz-Trainers macht Messi gesundheitliche Fortschritte, nach und nach, "und je besser Leo drauf ist, umso größer sind unsere Chancen. Er ist der Beste der Welt."
Lionel Messi ist der "beste Fußballer der Welt". Es ist auffällig, wie häufig diese Worte dieser Tage genutzt werden, sowohl von den Verlierern als auch von den Gewinnern der jüngsten Barcelona-Spiele. Wie etwas, woran man glauben kann, wenn sonst nichts mehr hilft.
Doch wie gefährlich die Abhängigkeit von solchem Glauben sein kann, diese Einsicht ist mittlerweile auch in Spanien angekommen. Und so versucht man dort, sich selbst und die Mannschaft vor dem Spiel gegen die Bayern am Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, ZDF) an andere Qualitäten oder eben abzustellende Fehlerquellen zu erinnern.
Barcelona krankt an der Defensive
101 Tore habe der FC Barcelona in der Primera División diese Saison bereits geschossen, 44 davon zwar Messi, führt "El País" an - trotzdem ein überaus erfreulicher Rekord. Um die Barça-Offensive müsse man sich demnach nicht wirklich Sorgen machen, sofern Messi wieder ganz gesund ist. Doch zugleich beklagt Spaniens größte Zeitung einen weiteren Rekord: 35 Gegentreffer hat Barcelona in dieser Saison bislang kassiert, so viele wie seit der Saison 2008/2009 nicht mehr, als Pep Guardiola und Tito Vilanova das erste Mal auf Barcelonas Trainerbank Platz nahmen.
Die Defensive sei laut "El País" Barcelonas "Hipoteca", seine Bürde, genau dort gelte es, gegen die auswärts so starken Bayern anzusetzen. Trotz der Ausfälle von Jordi Alba (gesperrt), Javier Mascherano und Carles Puyol (beide verletzt). Trainer Vilanova werde mit seiner defensiven Aufstellung überraschen, prognostiziert "El País", so viel sei klar.
Doch ob das Überraschungsmoment gegen einen FC Bayern reicht, der sich in der Bundesliga konstant wie nie zeigte? Trotz aller "Jetzt-aber!"-Rufe gibt man sich in Spanien realistisch, was den Gegner angeht. Den Bayern gelangen 89 Treffer bei nur 14 Gegentoren - davon nur drei auswärts, warnt "El País". Würde Barcelona zu Hause vier Tore gegen die Münchner schießen - und die bedarf es mindestens für einen Finaleinzug -, wären das mehr, als der FC Bayern in knapp acht Monaten Liga gefangen hat.
Dabei hilft weder eine auf wundersame Weise stabilisierte Abwehr, da hilft auch kein Stolz auf das Team. Da hilft nur ein Lionel Messi.
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