Von Maximilian Rau
Hamburg - Der FC Barcelona muss sich nicht ärgern. Selbst mit einem Lionel Messi in Top-Form wäre es für Barça schwierig geworden, das 0:4 aus dem Hinspiel noch umzubiegen. Ohne ihren Superstar und gegen den derzeit überragenden FC Bayern war eine Aufholjagd jedoch völlig aussichtslos. Die Münchner zeigten auch bei den Spaniern eine großartige Leistung. Arjen Robben (48. Minute), ein Eigentor von Gerard Piqué (72.) und Thomas Müller (76.) sorgten für einen 3:0 (0:0)-Triumph.
Im Finale am 25. Mai im Londoner Wembley-Stadion (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: ZDF und Sky) kommt es nun zum Duell mit Borussia Dortmund, das sich gegen Real Madrid durchgesetzt hatte. Es ist das erste Mal, dass zwei deutsche Clubs im Endspiel der Champions League aufeinandertreffen. "Wenn man zum dritten Mal in vier Jahren im Finale steht, will man das Ding auch endlich gewinnen", sagte Münchens Kapitän Philipp Lahm.
Barcelona hatte all seine Hoffnungen für das Rückspiel auf die Schultern des 1,69 Meter großen Lionel Messi gelegt. Doch der Weltfußballer konnte wegen muskulärer Probleme nur von der Bank aus zuschauen. "Wenn Messi nicht da ist, fehlt es uns an Balance", hatte Barcelonas Co-Trainer Jordi Roura am Wochenende der "Marca" gesagt. Er sollte recht behalten. "Barcelona ohne Messi - das ist schon ein Unterschied", sagte Bayern-Coach Jupp Heynckes nach der Partie: "Das muss man auch berücksichtigen."
Bayern im Barça-Stil
Schon in den ersten Minuten demonstrierten die Münchner, bei denen Innenverteidiger Dante aufgrund einer Erkältung passen musste, ihr Selbstbewusstsein. Barça kam gegen das aggressive Pressing der Gäste zunächst nur mit viel Mühe über die Mittellinie. Zuerst wurde es dann auch für Barcelona gefährlich. Nach einem tollen Heber von Schweinsteiger über die Abwehr auf Robben brauchte dieser nach einem Sprint von der Mittellinie vor Barças Torwart Víctor Valdés jedoch zu lange und konnte gestört werden.
Erst nach dieser Möglichkeit wurden die Gastgeber etwas mutiger, die Angriffe waren jedoch nicht Barça-typisch, stattdessen spielte der Zufall häufig eine große Rolle. Wie sonst bei Barcelona sahen die Kombinationen dagegen bei den Bayern aus. In der 19. Minute passten sich Arjen Robben, Thomas Müller, Lahm und Schweinsteiger mit einer sehenswerten Ballstafette in den Strafraum, dort konnte Barcelonas Piqué noch im letzten Moment gegen Lahm klären.
Fünf Minuten später hatte Barcelona seine erste Chance - ausgerechnet aus der Distanz, normalerweise kein bevorzugtes Mittel der Spanier. Münchens Torhüter Manuel Neuer war gegen Pedros Schuss zur Stelle. Kurz darauf vergab Xavi aus knapp sechs Metern (27.). Das war allerdings gleichzeitig auch die letzte Möglichkeit vor der Pause.
Bayern-Stars vermeiden Gelbsperren
Robben sorgte kurz nach Wiederanpfiff für die Vorentscheidung in diesem Halbfinal-Duell. Mit seinem patentierten Zug von rechts in die Mitte schlenzte der Niederländer den Ball an Barcelonas Keeper Valdés vorbei ins Tor - 1:0 (48.). Kurz darauf hätte Robben sogar erhöhen können, seine Direktabnahme ging jedoch weit am Tor vorbei.
In den folgenden Minuten wechselte Barcelonas Trainer Tito Vilanova, doch Messi blieb auf der Bank sitzen. Zudem wurden Xavi und Iniesta vom Platz genommen. Zusammen mit Messi hatten sie in den vergangenen Jahren ein geniales Trio gebildet. Ihre Auswechslungen wirkten wie das Hissen einer weißen Fahne.
In der Tat schien sich Barcelona danach aufgegeben zu haben. Eine Flanke von Ribéry lenkte Piqué ins eigene Tor (72.), eine weitere Hereingabe des Franzosen nutzte Müller zum 3:0 (76.). Die letzte Chance auf einen Ehrentreffer vergab Barcelonas Innenverteidiger Marc Bartra mit einem zu hoch angesetzten Kopfball in der 81. Minute.
"Wir haben ein super Spiel gemacht und überragenden Fußball gezeigt. Meine Mannschaft war ungemein konzentriert, das hat man schon in der Anfangsphase gesehen", sagte Heynckes. Die deutliche Führung erlaubte es dem Bayern-Coach zudem, seine von einer Gelbsperre bedrohten Stammspieler auszuwechseln. Damit sind Javier Martínez, Schweinsteiger, Lahm im Finale von London ebenso spielberechtigt wie Dante, Luiz Gustavo und Mario Gomez.
FC Barcelona - FC Bayern München 0:3 (0:0)
0:1 Robben (48.)
0:2 Piqué (72., Eigentor)
0:3 Müller (76.)
Barcelona: Valdés - Alves, Piqué, Bartra (87. Montoya), Adriano - Song - Xavi (55. Sánchez), Iniesta (64. Thiago) - Villa, Fàbregas, Pedro
München: Neuer - Lahm (77. Rafinha), Boateng, van Buyten, Alaba - Martínez (74. Timoschtschuk), Schweinsteiger (66. Luiz Gustavo) - Robben, Müller, Ribéry - Mandzukic
Schiedsrichter: Skomina (Slowenien)
Zuschauer: 96.636 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Alves (2), Piqué (3) - Robben
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