Champions-League-Halbfinals: Große Töne, kleine Spitzen

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Bayern gegen Barça und Real gegen den BVB: Im Halbfinale der Champions League kommt es zu deutsch-spanischen Hammerduellen. Die Münchner geben sich selbstbewusst, Matthias Sammer glaubt fest ans Endspiel. Dortmund reagiert bescheidener.

Den Seitenhieb konnte sich Hans-Joachim Watzke nicht verkneifen. "Es tut mir leid, dass der Wunsch von Uli Hoeneß, gegen uns zu spielen, nicht hingehauen hat", sagte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund nach der Auslosung der Champions-League-Halbfinals in Nyon. Die hatte ergeben: Der FC Bayern trifft auf den FC Barcelona und der BVB auf Real Madrid. Hoeneß hätte lieber den Bundesliga-Konkurrenten aus Dortmund gehabt, weil er die Borussia für den einfachsten Gegner gehalten hatte.

Die nationalen Duelle wird es somit nicht geben. Zum Glück, wie Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge nach der Auslosung sagte: "Ich bin sehr glücklich über das Los, weil ich im Gegensatz zu Uli Hoeneß kein Freund einer deutschen Paarung im Halbfinale gewesen bin." Dafür bekommen es die Münchner mit der weltweit besten Vereinsmannschaft der vergangenen Jahre zu tun. "Ein absoluter Knaller, das hätte auch das Finale sein können", kommentierte Bayern-Torwart Manuel Neuer das Barça-Los.

Bayern gegen Barcelona: Mehr geht derzeit wohl wirklich nicht. Der Meister aus Deutschland trifft auf den Fast-Meister aus Spanien. In den vergangenen vier Champions-League-Saisons stand immer eine dieser beiden Mannschaften im Endspiel, mit dem kleinen, aber feinen Unterschied: Barça gewann 2009 und 2011 (jeweils gegen Manchester United), die Bayern verloren 2010 (gegen Inter Mailand) und 2012 (gegen den FC Chelsea). Dessen ungeachtet sagt Bayerns Sport-Vorstand Matthias Sammer: "Ich bin total optimistisch und gehe davon aus, dass wir ins Finale kommen."

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Auslosung in Nyon: Messi muss nach München
Das Halbfinal-Hinspiel findet am 23. April in München statt, das Rückspiel steigt am 1. Mai in Barcelona. Und ans Camp Nou dürften die Bayern keine guten Erinnerungen haben: Im Viertelfinal-Hinspiel der Champions-League-Saison 2008/2009 verlor München dort 0:4, schied nach einem 1:1 im Rückspiel aus.

Allerdings ist das Bayern-Team von damals kaum mit dem heutigen vergleichbar. Aus dem Kader von 2008/2009 sind noch Kapitän Philipp Lahm, Daniel van Buyten, Bastian Schweinsteiger und Franck Ribéry dabei. Toni Kroos und Thomas Müller waren damals Nachwuchsspieler. Barcelona hingegen läuft noch heute mit fast denselben Spielern auf den Schlüsselpositionen auf. Und mittlerweile gilt der Barça-Code als geknackt.

BVB-Sieg gegen Real in der Champions-League-Vorrunde

"Bayern gegen Barcelona, das ist das Gigantentreffen. Ich freue mich auf zwei magische Fußball-Nächte", sagte Münchens Trainer Jupp Heynckes, der zur kommenden Saison bekanntlich vom früheren Barça-Erfolgstrainer Pep Guardiola abgelöst wird.

Nicht ganz so euphorisch reagierte man bei Borussia Dortmund. "Wir sind mit dem Los zufrieden, denn wir wollten einen internationalen Gegner haben", sagte Watzke: "Wir können jetzt sowieso nur noch viel gewinnen und nichts mehr verlieren. Von daher ist das eine komfortable Situation." Jürgen Klopps Kommentar: "Dass Real Madrid ein schwerer Gegner ist, muss ich nicht betonen." Aber der BVB-Trainer verwies darauf, dass sein Team Real in dieser Saison schon geschlagen habe.

In der Gruppenphase des aktuellen Wettbewerbs gewann Dortmund zu Hause 2:1, in Madrid gab es ein 2:2. Und in beiden Spielen bewies der BVB, dass er mit dem von Coach José Mourinho trainierten Star-Ensemble mithalten kann. Wobei die Teams zu einem Zeitpunkt aufeinandertrafen, als die Dortmunder Spieler noch frisch und ausgeruht wirkten. Nun, zum Ende der Saison, zeigt sich vermehrt, dass einige Profis dringend Pausen benötigen, die der dünn besetzte Kader aber nicht erlaubt. Klopp fehlen auf der Bank adäquate Alternativen zu Marco Reus, Mario Götze oder Marcel Schmelzer.

Ganz anders Real, wo Mourinho fast ausschließlich Top-Stars zur Verfügung stehen. Im Viertelfinal-Hinspiel gegen Galatasaray Istanbul saßen Gonzalo Higuain, Luka Modric, Pepe, Kaká, Alvaro Arbeloa und Marcelo nur auf der Bank. Wer in der Startelf Mesut Özil, Cristiano Ronaldo, Karim Benzema, Sami Khedira und Xabi Alonso hat, kann sich solch einen Luxus erlauben.

Nach dem Vorrundenerfolg gegen Real sagte BVB-Verteidiger Mats Hummels zu Recht: "Dieser Sieg gegen Madrid war ein weiterer ganz wichtiger Schritt in unserer Entwicklung. Wir wissen jetzt, dass wir die ganz Großen auch schlagen können." Die Frage ist nur: Wird sich Real noch einmal von Dortmund überraschen lassen?

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insgesamt 117 Beiträge
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1. Wirklich ?
LJA 12.04.2013
Es kommt zu "Hammer-Duellen" ? Ich hätte eher mit Fußball gerechnet. Aber wer weiß... Muß eigentlich auch SPON sofort in diese, mmmh..., einfache Sprache verfallen, sobald es um Sport geht ? Es scheint da ein etwas merkwürdiges Bild vom durchschnittlichen Fan zu existieren.
2. Glück und Können auf!
rebelrebel 12.04.2013
Also Barca im Halbfinale. Der FCB hat eigentlich wie kaum eine Mannschaft in Europa diese Saison bewiesen, dass sie auf den Punkt genau auf den Gegner fokussiert und perfekt eingestellt sein können - also Glück und Können auf!
3. Sieger
schelini 12.04.2013
Der Gewinner des Spiels Bayern-Barca wird auch die CL gewinnen, davon gehe ich aus. Aber trotzdem denke ich, dass Barcelona gegen Bayern weiterkommen wird, vor allem wenn es für die Bayern ins Camp Nou geht, dann wird es richtig schwer.
4. ganz klare sache..
horizontale_figur 12.04.2013
bayern nr.1 in deutschland gegen barca nr.1 in spanien. im zweiten spiel die jeweils 2ten.
5. Nichts zu verlieren
mirroring 12.04.2013
Ich, selbst Bayern Fan, bin persönlich zufrieden mit der Auslosung. Lieber wäre mir vielleicht nur Real Madrid gewesen, aber Dortmund war mir vor der Losung am unsympathischsten für das Halbfinale. Hierbei steht etwa nicht mein Wunschgedanke "Deutsches Finale" im Vordergrund. Vielmehr wäre die Schmach gegen den deutschen Mitstreiter, der die letzten Jahre schon für so viel Leid gesorgt hatte, auszuscheiden unsagbar groß. Gegen Barcelona geht der FCB aus München zwar als "Underdog" aber ich denke wenn im Rückspiel im Camp Nou das Glück dermaßen auf der Seite des deutschen Vereins ist wie letzte Woche in Dortmund, besteht die Chance des Weiterkommens.
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