Bayerns CL-Gruppensieg: Rote Karte bremst Bayern-Jubel

Aus München berichtet Sebastian Winter

Sieg gegen Borissow, Gruppenerster in der Champions League, ein wiedererstarkter Mario Gomez - bei den Bayern scheint derzeit alles zu funktionieren. Doch nach der unnötigen Roten Karte gegen Jérôme Boateng gehen Jupp Heynckes vor dem Achtelfinale die Alternativen in der Abwehr aus.

Wie so oft kam Mario Gomez als letzter Bayern-Spieler aus der Umkleidekabine, lässig, grinsend. Gomez war froh. Im abschließenden Champions-League-Gruppenspiel gegen Bate Borissow hatte der Münchner Stürmer einen Treffer und eine Vorlage zum lockeren 4:1 (1:0)-Sieg beigesteuert. Der 27-Jährige ist erst seit zwei Wochen wieder einsatzfähig, dreieinhalb Monate hatte er wegen einer Knöchelblessur pausieren müssen. "Ich wusste nicht, wie ich zurückkomme. Aber ich habe versucht, auf meinen Fuß zu hören und erst zu starten, wenn er das Okay gibt", sagte Gomez nach dem Spiel.

Gomez' Fuß hat das Okay gegeben, und der deutsche Nationalspieler half seiner Mannschaft , Erster der Gruppe F vor Valencia zu werden. Happy End für Mario Gomez.

Doch während der eine Patient geheilt ist, hat Bayern-Trainer Jupp Heynckes schon ein neues Sorgenkind: die Abwehr. Nach seiner unnötigen Roten Karte gegen Borissow fällt Jérôme Boateng zumindest für das Champions-League-Achtelfinale aus, Holger Badstuber fehlt den Bayern wegen seines Kreuzbandrisses wohl bis zum Saisonende.

Sammer dämpft Euphorie

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Champions League: Bayern siegt und nüchtert aus
Auf viele Alternativen kann Heynckes nicht zurückgreifen. Neben dem gesetzten Dante könnte, wie gegen Borissow, Daniel van Buyten in der Innenverteidigung spielen. Der Belgier zeigte eine fehlerfreie Vorstellung, doch gegen die harmlosen Weißrussen war das auch keine Kunst. Treffen die Bayern im Achtelfinale beispielsweise auf Real Madrid, dürfte der bald 35-Jährige an seine Grenzen stoßen.

Javier Martínez wäre eine Option, doch Heynckes braucht den Spanier gegen starke Gegner eigentlich im defensiven Mittelfeld neben Bastian Schweinsteiger. Bleibt Luiz Gustavo, der keinen Stammplatz mehr im defensiven Mittelfeld hat und sich bereits als Innenverteidiger versuchte. Seine Lieblingsposition ist es aber nicht.

"Ich weiß nicht, ob das ein Problem wird. Wir müssen das abwägen und strategisch vorbereiten", sagte Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer. Auch deshalb bremste er die Euphorie nach dem Gruppensieg: "Was ist denn unser Anspruch? Wir feiern das, als hätten wir schon das geschafft, was wir mal in der Vergangenheit geschafft haben: Titel zu gewinnen", sagte Sammer. Jetzt gehe es erst richtig los.

Auf Bayern warten harte Gegner

Trotz aller Freude über die eigene Leistung pflichtete Torschütze Gomez seinem Sportdirektor bei: "Es bringt nichts, Gruppensieger zu werden. Du musst auch danach noch ein paar Spiele gewinnen, um erfolgreich zu sein." Gomez weiß genau, wovon er spricht. Er war im Mai dabei, als der FC Bayern im eigenen Stadion das Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea verlor.

Und klar ist schon jetzt, dass die Bayern bei der Zusammenstellung der Paarungen am 20. Dezember kein leichtes Achtelfinal-Los bekommen werden. Mögliche Gegner sind der spanische Rekordmeister Real Madrid, der AC Mailand, Arsenal London oder der FC Porto. Kleiner Trost: Zumindest das Rückspiel wird in München ausgetragen.

"Gegen Real wissen wir, dass wir zu 100 Prozent da sein müssen", sagte Gomez. Im Halbfinale der vergangenen Saison hatten sich die Münchner im Elfmeterschießen gegen Real durchsetzen können. "Aber wir wollen ins Finale, dazu müssen wir eh jeden Gegner schlagen."

Es war ein anderer, ein neuer Mario Gomez, der da sprach. Einer, der geläutert aus seiner Verletzungsphase hervorgegangen ist. Das zeigte er auch auf dem Platz. Gomez lief von Anfang an sehr viel, er forderte die Bälle in der eigenen Hälfte, flankte und ließ sich ins Spiel integrieren. Es schien fast, als eifere er seinem Konkurrenten im Sturm, Mario Mandzukic, nach. Mit dem hatten die Bayern zuletzt beste Erfahrungen gemacht, das hat auch Gomez zur Kenntnis genommen, es war Teil seiner Entwicklung.

Bei allem Ärger über neue Ausfälle und Verletzungen: Die Partie gegen Borissow hat Trainer Jupp Heynckes gezeigt, dass er zumindest ganz vorne wieder alle Optionen hat. Und bis zum Achtelfinale dauert es noch mindestens zwei Monate. Zeit, um auszuprobieren - und neue Kräfte zu sammeln.

Bayern München - Bate Borissow 4:1 (1:0)
1:0 Gomez (22.)
2:0 Thomas Müller (54.)
3:0 Shaqiri (66.)
4:0 Alaba (83.)
4:1 Filipenko (89.)
München: Neuer - Rafinha, van Buyten, Boateng, Contento - Timoschtschuk, Schweinsteiger (72. Ribery) - Thomas Müller (54. Dante), Toni Kroos (64. Alaba), Shaqiri - Gomez
Borissow: Gorbunow - Poljakow, Radkow, Filipenko, Bordatschew (84. Jurewich) - Baga - Olechnowitsch, Wolodko - Konzewoi (58. Bressan), Hleb - Rodionow (66. Wasiljuk)
Schiedsrichter: William Collum
Zuschauer: 68.000 (ausverkauft)
Rote Karte: Boateng wegen groben Foulspiels (51.)
Gelb-Rote Karte: Polyakov wegen unsportlichen Verhaltens (69.)
Gelbe Karten: Rafinha - Vasilyuk

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insgesamt 31 Beiträge
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1. optional
Child 06.12.2012
Die rote Karte war meiner Meinung nach total übertrieben. Geld wäre die richtige Entscheidung gewesen. Das einzige was man Boateng vorwerfen kann, dass er so weit vor dem eigenen Tor nicht wirklich grätschend in den Zweikampf gehen muss ...
2.
gegenpressing 06.12.2012
Zitat von sysopSieg gegen Borissow, Gruppenerster in der Champions League, ein wiedererstarkter Mario Gomez - bei den Bayern scheint derzeit alles zu funktionieren. Doch nach der unnötigen Roten Karte gegen Jérôme Boateng gehen Jupp Heynckes vor dem Achtelfinale die Alternativen in der Abwehr aus. Champions League: Bayern gewinnt gegen Borissow - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/champions-league-bayern-gewinnt-gegen-borissow-a-871265.html)
Klare Rote. Hat Don Jupp ja auch gesagt. Und Recht hat er. Von seitlich hinten, beide Beine voran, teilweise in der Luft liegend... da kanns eigentlich keine zwei Meinungen geben. Wirkte vielleicht etwas komisch, weil das Einsteigen einfach völlig unnötig war, aber nach Betrachtung der Zeitlupe: Rot und sonst gar nichts.
3. Und schon wieder ...
casparman 06.12.2012
Zitat von sysopSieg gegen Borissow, Gruppenerster in der Champions League, ein wiedererstarkter Mario Gomez - bei den Bayern scheint derzeit alles zu funktionieren. Doch nach der unnötigen Roten Karte gegen Jérôme Boateng gehen Jupp Heynckes vor dem Achtelfinale die Alternativen in der Abwehr aus. Champions League: Bayern gewinnt gegen Borissow - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/champions-league-bayern-gewinnt-gegen-borissow-a-871265.html)
... so ein grotten schlechter Sportartikel! Wer hat denn letztes Jahr bis ins Finale in der Innenverteidigung gestanden und grossartige Leistungen abgerufen? Genau, Daniel van Buyten! Wer hat im Halbfinale gegen Real verteidigt: Genau, Daniel van Buyten. Dazu hat man mit Timo und Martinez nochmals 1,5 Innenverteidiger. Der eine spielt sogar bei Spanien in der Nationalmannschaft (Innenverteidigung). Aber gut, SPON käut halt auch nur noch den Mist wieder, den die 3 grossen Presseagenturen dünnschissartig verbreiten. GRATULATION!
4.
Rodri 06.12.2012
Zitat von ChildDie rote Karte war meiner Meinung nach total übertrieben. Geld wäre die richtige Entscheidung gewesen. Das einzige was man Boateng vorwerfen kann, dass er so weit vor dem eigenen Tor nicht wirklich grätschend in den Zweikampf gehen muss ...
Nein ! Die Rote Karte war vollkommen richtig ! Der ist mit beiden beiden voll in den Mann reingesprungen und hat eine schwere Verletzung des Gegenspieler fahrlässig in Kauf genommen... was es hier wohl für einen Aufschrei geben würde, wenn so ein Ribery oder Gomez gefoult worden wären. ;)
5. Wieso...
_freidenker_ 06.12.2012
fehlen eigentlich bei allen Torschützen mit Ausnahme von Thomas Müller die Vornamen? Bayern München - Bate Borissow 4:1 (1:0) 1:0 Gomez (22.) 2:0 Thomas Müller (54.) 3:0 Shaqiri (66.) 4:0 Alaba (83.) 4:1 Filipenko (89.)
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Zum Autor
Sebastian Winter, 1978 in Herrenwies/Schwarzwald geboren, bolzte dort jeden Samstag mit den Alten Herren und beim SV Bühlertal. Studierte Sport, Politik und BWL in Freiburg. Absolvent der Deutschen Journalistenschule in München. Seit April 2009 Bayern-Korrespondent von SPIEGEL ONLINE und freier Mitarbeiter der "Süddeutschen Zeitung".

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