Einen Tag vor dem Rückspiel des Champions-League-Achtelfinales schaffte es der FC Arsenal tatsächlich, die Bayern zu überraschen. Kurz bevor Philipp Lahm und Dante die Fragen der Journalisten beantworteten, kam die Information, dass die Pressekonferenz des FC Arsenal mit Thomas Vermaelen stattfinden werde - und nicht mit Lukas Podolski. Als Lahm das hörte, lächelte er Dante an. "So was, der Poldi ist gar nicht dabei!", sollte das wohl heißen.
Ganz sicher war dieses Lächeln kein Ausdruck der Erleichterung darüber, dass nun dem Gegner ein wichtiger Spieler fehlt. Denn Sorgen bereitet den Akteuren des FC Bayern tatsächlich: gar nichts. Weder die Aufstellung des Gegners, noch die eigene. Franck Ribéry fehlt wegen einer Bänderdehnung, Jérôme Boateng und Bastian Schweinsteiger sind gesperrt - na und? Dann spielen eben Arjen Robben, Luiz Gustavo und Javier Martínez. Schweinsteiger würde es nie zugeben - aber schien es nicht fast so, als habe er sich seine Gelbe Karte im Hinspiel absichtlich abgeholt, um im Viertelfinale wieder dabei sein zu können?
Rein statistisch ist die Angelegenheit fast erledigt. Die Bayern haben in London 3:1 (2:0) gewonnen, einen Zwei-Tore-Rückstand nach einem Heimspiel hat in der Champions League bis auf Barcelona am Dienstag gegen Milan (4:0) noch kein Team im Rückspiel drehen können.
Gomez für Arsenal-Duell fit
Die Suche nach Indizien für einen möglichen Nervenkitzel fällt deshalb schwer. Bayern München hat zum Beispiel in dieser Champions-League-Saison auch schon verloren, mit 1:3 (0:1) bei Bate Borissow. Allerdings wurde die Mannschaft dort ausgekontert, weil sie zu sehr auf Sieg gespielt hatte. Ein extrem unwahrscheinliches Szenario für Mittwochabend.
Trainer Jupp Heynckes kann auch keinen Abwärtstrend seiner Elf erkennen - obwohl sie die letzten drei Pflichtspiele mit nur einem Tor Vorsprung gewann, obwohl es zuletzt sogar auch mal spannend wurde. "Wir haben gezeigt, dass wir ein Spiel auch von der Bank gewinnen können", sagte Heynckes mit Blick auf das knappe 3:2 (1:1) gegen Fortuna Düsseldorf, als die Bayern gleich zweimal zurücklagen. Er meinte damit vor allem Einwechselspieler Mario Gomez, der für das Arsenal-Spiel entgegen anderslautender Meldungen fit sei.
Der Umgangston ist defensiv
Durch die klare Favoritenrolle gegen den FC Arsenal wird deutlich, wie sehr die Bayern die Erwartungen an sich selbst in die Höhe geschraubt haben. "Wenn wir uns auf uns konzentrieren, sind wir schwer zu schlagen", sagte Lahm. Mit anderen Worten: Arsenal kann Bayern nicht besiegen, das können die Bayern nur selbst. Ein Ausscheiden gegen die "Gunners" würde die Arbeit einer ganzen Saison in Frage stellen, trotz 20 Punkten Vorsprung in der Bundesliga. Der Vorwurf der Überheblichkeit würde laut werden. Deshalb ist es Heynckes wichtig zu sagen: "Ich glaube nicht, dass sich meine Mannschaft vom Hype anstecken lässt."
Auf keinen Fall will man in die Arroganz-Falle tappen. Nicht nur das Spiel, auch der Umgangston hat nun seinen Schwerpunkt in der Defensive - das war nicht immer so beim FC Bayern. "Arsenal ist ein europäisches Top-Team. Ob sie aber mit den absoluten Top-Teams zurzeit auf Augenhöhe sind, das wage ich zu bezweifeln", sagte Lahm. Das war schon so ziemlich die frechste Aussage der vergangenen Tage. Im Hinspiel hatte ja jeder gesehen, dass er recht hat. Arsenal liegt zudem in der Meisterschaft 27 Punkte hinter Spitzenreiter Manchester United - und selbst der ist aus der Champions League schon ausgeschieden. Das erste Viertelfinale ohne englische Beteiligung seit 1996 ist nah.
Arsenal-Trainer Arsène Wenger spricht indes davon, das "Unmögliche möglich machen" zu wollen - und ließ erst einmal seinen Stammtorhüter Wojciech Szcezsny zu Hause. Für ihn wird Lukasz Fabianski auflaufen, der in dieser Saison wegen Verletzungen noch gar nicht gespielt hat. Vielleicht sieht Wenger die letzte Chance darin, komplett unterschätzt zu werden.
Zumindest gegen den FC Reading hat das schon mal geklappt. Ende Oktober, zwei Tage nach der ersten Saisonniederlage des FC Bayern (1:2 zu Hause gegen Leverkusen), drehte Arsenal gegen Reading ein 0:4 noch zu einem 7:5 und erreichte das Viertelfinale im Ligapokal. Damals hatte Wenger ebenfalls auf Stammspieler verzichtet. Aber bei allem Respekt vor dem FC Reading: Er ist wirklich nicht der FC Bayern.
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