Bayern-Pleite in Porto Die Grenze ist erreicht

Der FC Porto hat die Bayern im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals vor große Probleme gestellt: Mit dem aggressiven Spiel kam die Elf von Pep Guardiola nicht klar, es zwang sie zu Fehlern. Dem Trainer gehen die Alternativen aus.


Josep Guardiola ist ein Mensch, der seine Worte gern mit Gesten unterlegt, der am Spielfeldrand wild mit den Armen herumfuchtelt, um seine Spieler in die richtige Richtung zu lotsen. An diesem Abend hatte der Trainer des FC Bayern München seine Hände meist tief in den Taschen seiner Anzughose vergraben.

Als der Spanier nach der 1:3 (1:2)-Niederlage im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals gegen den FC Porto den Presseraum betrat, wirkte er wie ein schüchterner Schuljunge; mit leiser, kaum hörbarer Stimme beantwortete er die Fragen der Journalisten.

Was in Porto mit dem großen Favoriten aus Bayern passiert sei, wollte einer von ihm wissen, und Guardiola wusste nicht viel mehr zu sagen als: "Es war ein Champions-League-Spiel, und es ist extrem schwer, wenn man nach zwei Minuten zurückliegt." Keine großen Fußballweisheiten, keine Erklärungsversuche. Stattdessen nutzte der Bayern-Trainer die Bühne, um sich bei seinen Spielern dafür zu bedanken, dass sie die Reise nach Porto angetreten hatten - und für "eine überragende Saison".

Fotostrecke

9  Bilder
Fotostrecke: Fehlerketten in Portugal
Es klang beinahe so, als habe Guardiola den Champions-League-Erfolg bereits abgeschrieben. Als glaube er selbst nicht mehr daran, dass seine Mannschaft im Rückspiel in sechs Tagen in München ein anderes Gesicht zeigen könne. "Wir werden uns nun ausruhen müssen und versuchen dann, unser Bestes zu tun", sagte der Trainer. Sportdirektor Matthias Sammer, bekannt für seine deutlichen Worte, formulierte es fordernder: "Das sind Rückschläge. Wenn man eine große Mannschaft sein will, muss man die wegstecken."

Zu viele individuelle Fehler

Die Frage, die sich nach diesem Abend aufdrängt, lautet: Ist der FC Bayern, Champions-League-Sieger von 2013, amtierender und designierter neuer Deutscher Meister, derzeit noch die große Mannschaft, die innerhalb einer Woche aus einem 1:3-Rückstand noch einen Sieg machen kann?

Die Vorstellung der Guardiola-Elf in Porto lässt daran erhebliche Zweifel aufkommen. Zwar war der frühe Rückstand (3. Minute) nach einem Fehler von Xabi Alonso der denkbar ungünstigste Start, und auch der zweite Gegentreffer innerhalb von zehn Minuten lässt sich auf einen individuellen Patzer von Dante zurückführen (10.). Doch den Münchnern gelang es in den folgenden 80 Minuten nicht, das Spiel so unter Kontrolle zu bringen, dass Porto zumindest kein weiteres Tor mehr gelungen wäre. Dem Anschlusstreffer von Thiago Alcántara (28.) folgte in der zweiten Hälfte das dritte Gegentor durch Jackson Martínez (66.).

Fotostrecke

13  Bilder
Münchens Stars in der Einzelkritik: Die Albtraum-Bayern
"Wir haben es nicht geschafft, das Spiel zu beruhigen", sagte Thomas Müller. "Porto hat uns oft attackiert. Damit hatten wir Probleme." Müller wollte niemandem öffentlich die Schuld zuschieben, aber klar war: Die ärgsten Fehler hatten seine Mitspieler in der Defensive gemacht. Jérôme Boateng, Dante, Alonso - sie alle wirkten, als stünden sie neben sich. Im Mittelfeld mühten sich Kapitän Philipp Lahm und Thiago damit ab, Porto keine Räume zu lassen, doch sobald die Bayern den Ball in der gegnerischen Hälfte verloren, hatten die Gastgeber genug Platz, um zu kontern oder das Spiel zu verlagern.

Mario Götze enttäuschend, Thomas Müller bemüht

Es war augenscheinlich: Der FC Bayern ist in dieser von etlichen Verletzungen gezeichneten Konstellation nicht eingespielt genug. Es fehlt an Automatismen, um auf solch einem Niveau mithalten zu können. Für die Bundesliga mag das reichen, "in der Champions League ist das aber sehr, sehr schwer", sagte Guardiola.

Vote
Schafft der FC Bayern noch die Wende?

1:3 in Porto - das war eine überraschende Bauchlandung für den FC Bayern in der Champions League. Schafft es das Team im Rückspiel noch, das Ruder herumzureißen?

Der Trainer weiß am besten, dass er wenig Spielraum hat, um seine Mannschaft zügig besser zu machen, ihm fehlen schlicht einige seiner wichtigsten Mitarbeiter. Vor allem die Ausfälle von Arjen Robben und Franck Ribéry wiegen schwer, ihr Spielwitz und ihre Kreativität sind nicht zu ersetzen. Erst recht nicht von einem Mario Götze, der weitgehend abtaucht, oder von einem Thomas Müller, der zwar versucht, überall zu sein, sich in den entscheidenden Momenten an diesem Abend aber dann selbst im Weg steht.

Und Guardiola hat keine Alternativen mehr. Dass er gegen Porto in der Schlussphase den eigentlich noch angeschlagenen Holger Badstuber einwechselte und Boateng ins Mittelfeld beorderte, kommt einer kleinen Kapitulation gleich. Es muss eine Qual sein für den Katalanen, der sonst die größte Sorgfalt darauf verwendet, eine für den Gegner unberechenbare Mannschaft aufzustellen. Der FC Bayern ist aktuell berechenbar, Porto-Trainer Julen Lopetegui musste keine Wissenschaft aus seiner Taktik machen.

Vor dem Rückspiel ist der frühere Mannschaftskollege von Guardiola deshalb zuversichtlich: "Wir haben eine große Kraft entwickelt", sagte der Spanier. "Und das Ergebnis zeigt, dass noch mehr möglich ist. München ist im eigenen Stadion Favorit, aber mein Team kann in die Geschichte eingehen."

Es wäre das zweite Mal nach 1987, dass ein vermeintlicher Underdog aus Porto dem FC Bayern seine Grenzen aufzeigt. Grenzen, die vor allem durch die vielen Verletzungen entstanden sind. Guardiola wird in den kommenden Tagen nicht eher ruhen, bis er eine Idee gefunden hat, wie er sie wieder ein Stück verschieben kann. Ein paar Blitzgenesungen könnten dabei nicht schaden.



insgesamt 180 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dasbeau 16.04.2015
1. Die armen Bayern...
Mir kommen gleich die Tränen.
coyote38 16.04.2015
2. Ausge-pep-t.
Die Mannschaft war berechenbar, einfallslos, ohne Präzision und Durchschlagskraft. So ergeht es einer Truppe, wenn nahezu der gesamte A-Kader nicht auf dem Platz steht und der Rest aus Rekonvaleszenten besteht. Da hilft dann auch kein "Magier" an der Außenlinie mehr. Vielleicht fragen Rolex-Kalle, Motzki-Sammer und die anderen Großsprecher von der Sebener Straße mal beim BVB nach, wie sich das so anfühlt ... die können schon die ganze Saison ein Lied davon singen.
denkprothese 16.04.2015
3. Schlecht eingestellte Mannschaft
Die Spielweise von Porto ist bekannt und birgt wirklich keine Überraschung. Guardiola hates ganz einfach verabsäumt, sich einen Plan dagegen zurecht zu legen und die Mannschaft darauf einzustellen.
blob123y 16.04.2015
4. Also ich seh da durchaus auch Fehler bei der Taktik
den Hr. Pepe sollte genau wissen das alle Niederlagen mit derselben falschen Taktik eingefahren wurden und das ist die gehen zu weit Richtung gegnerische Tor und sind zu langsam bei schnellen Kontern, sollte er eigentlich wissen. Am besten sah man das schon letztes Jahr gegen Real wo die Bayern von den schnellen Kontern einfach ueberlaufen wurden. Merke, die Anderen spielen nicht so wie es der Herr wuenscht.
papayu 16.04.2015
5. Wenn ich vonvornherein weiss,
dass normalerweise ein Verein immer gewinnt, so wird der naechste Besuch in Stadion nicht mehr stattfinden.Und wenn der Verein B. Muenchen sich nennt und kein einziger Muenchner mitspielt, soll er doch die Lizens zurueckgeben. F1 war schlauer, nur Schumacher darf 7facher Weltmeister sein, sonst niemand! Siehe Vettel !!!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.