Champions-League-Halbfinale Bayern gegen Real "Ein Genuss für Fußballkonsumenten"

Wie gut ist der FC Bayern wirklich? Das werden die Spiele gegen Real Madrid zeigen, den ersten echten Gegner in dieser Saison. Die Trainer standen sich schon vor 20 Jahren gegenüber.

Jupp Heynckes (l.) und Zinédine Zidane
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Jupp Heynckes (l.) und Zinédine Zidane

Von Florian Kinast, München


Am Tag vor dem großen Spiel sprach Jupp Heynckes zum Schluss noch über seine Erwartungen. Bei seiner halbstündigen Pressekonferenz war die letzte Minute angebrochen, als Heynckes sagte: "Ich bin sehr optimistisch. Auch wenn auf der anderen Seite ein Top-Team steht: Der Wille kann Berge versetzen."

Bleibt man im alpinen Fachjargon, wird Real Madrid für den FC Bayern ein sehr hoher Berg, der mit Abstand höchste in dieser Saison. Gefühlt ein Achttausender, gegen den die Gegnerschaft der vergangenen Monate wie eine liebliche Hügelkette anmutet. Real ist der erste Top-Klub, mit dem sich der Deutsche Meister in der letzten Amtszeit von Jupp Heynckes messen darf. Ein Kontrahent, der endlich die bislang offene Frage beantworten wird, wie gut die Bayern wirklich sind.

Das Halbfinale gegen die Königlichen (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: ZDF/Sky) wird in vielerlei Hinsicht ein besonderes Duell, nicht nur wegen der Historie: Die ewigen Rivalen treffen sich zum zwölften Mal in der K.-o.-Phase - sechsmal setzte sich Real durch, fünfmal kamen die Bayern weiter.

Real, immer wieder Real

Besonders wird das Spiel zudem für Jupp Heynckes, für den sich Real wie ein roter Faden durch seine Trainerlaufbahn zieht: 1985 die denkwürdigen Spiele mit Mönchengladbach, nach dem 5:1 daheim das bittere 0:4 im Bernabéu. Oder mit den Bayern 1988 im Meisterpokal, das Aus gegen Real im Viertelfinale (3:2 und 0:2), die meisten seiner heutigen Spieler waren damals noch gar nicht geboren.

Jupp Heynckes 1998 als Trainer von Real Madrid
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Jupp Heynckes 1998 als Trainer von Real Madrid

Dann 1998 als Real-Trainer der Champions-League-Sieg mit den Madrilenen, 2012 wiederum mit den Bayern der Elfmeterkrimi im Halbfinale von Madrid auf dem Weg ins Finale dahoam - Real, immer wieder Real, so wie auch jetzt wieder, in Heynckes' persönlichem Heimfinale, seinem letzten großen internationalen Spiel in München.

Ganz speziell wird das Spiel aber auch für den FC Bayern insgesamt, denn mag die Mannschaft auch seit Monaten von Sieg zu Sieg eilen - einen richtig großen Gegner hatten sie bislang noch nicht. Nicht in einer mittelmäßigen Bundesliga mit 22 Punkten Vorsprung auf Platz zwei. Nicht im DFB-Pokal, sieht man vom Elfmeterschießen beim Zweitrundenspiel in Leipzig ab, das war schon das Höchste an Spannung.

Im Halbfinale demontierte man Leverkusen 6:2. Auch in der Champions League fehlten bisher die Maßstäbe. Das 0:3 bei Paris Saint-Germain in der Gruppenphase vergeigte in seinem letzten Spiel noch Carlo Ancelotti mit einer seltsam indisponierten Aufstellung. Und beim 3:1 im Rückspiel kickten die bereits fürs Achtelfinale qualifizierten Neymar und Co. nicht mit dem allerletzten Elan.

"Favoriten gibt es für mich nicht"

Von den nun verbliebenen vier Klubs in der Champions League haben drei bereits wirklich große Namen und Titelfavoriten rausgekegelt. Die Roma den FC Barcelona, der FC Liverpool Manchester City und Real Madrid Paris sowie Vorjahresfinalist Juventus Turin. Erfolge, nach denen es gerne heißt: Wer solche Teams bezwingt, kann auch den Henkelpott holen.

So etwas können die Bayern nicht von sich behaupten. Ihre Gegner waren im Achtelfinale das überforderte Besiktas Istanbul und im Viertelfinale ein spielerisch arg limitierter FC Sevilla. Die Spanier präsentierten sich als unangenehmer Gegner, gegen den die Münchner zwar geduldig und zermürbend spielten, aber sicher nicht überragend.

Deswegen fällt es schwer wie selten, im Vorfeld des Halbfinals gegen Real einen Favoriten auszumachen. Sind die Bayern nur krasser Außenseiter? Oder auf Augenhöhe? Oder sogar überlegen? Selbst Jupp Heynckes konnte und wollte keine Prozentzahlen nennen, er meinte nur vage: "Favoriten gibt es für mich nicht. Es gewinnt, wer als Team auftritt, homogen und harmonisch." Und wer mutig spielt, zumindest laut Ansage von Arjen Robben.

Ist im Halbfinale wieder Endstation?

Der Holländer warnte bereits, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen: "Wir dürfen nicht so ängstlich spielen wie im Vorjahr." Damals verloren die Bayern das Viertelfinal-Hinspiel in München 1:2, sie wirkten so gehemmt wie in den drei Jahren zuvor seit 2013, als jeweils im Halbfinale Endstation war und sie dabei jedes Mal mit zaudernden Darbietungen schon im ersten Spiel den Grundstein für das Scheitern legten.

Es spricht viel dafür, dass sowohl dieser Mittwoch als auch der kommenden Dienstag denkwürdige Abende werden. Mit dem Duell der Top-Stürmer Robert Lewandowski und Cristiano Ronaldo etwa, aber auch der beiden Trainer, die sich 1998 schon einmal trafen, als Heynckes mit Real das Finale gegen Juventus um einen Mittelfeldstar namens Zinédine Zidane gewann. "Dieses Spiel wird ein Genuss für den Fußballkonsumenten", verspricht Heynckes.

In jedem Fall wird es ein Spiel, bei dem sich der FC Bayern in dieser Saison zum ersten Mal beweisen muss. Höchste Zeit, Ende April.

insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
johnsnow 25.04.2018
1. Guter Artikel....
nichts anderes habe ich vor 2-3 Wochen behauptet und wurde, von den gemeinen Bayern fan´s gemobbt :-( Aber für mich gibt es ganz klar ein Favoriten und er heißt Real Madrid!! Als deutscher Fußball fan hoffe ich natürlich das der FCB gewinnt aber Bayern hat bis jetzt nicht überzeugt (alle vier Spiele gegen Besiktas und Sevillia) waren nicht berauschend! Hoffen wir mal das Beste!
gnarze 25.04.2018
2. 50:50 Spiel
Keine Ahnung, wie das ausgeht. Real spielt seit Wochen auch nur noch im Sparflammenmodus. In der La Liga sind übrigens auch nur Barca und Athletico richtige Gegner - okay wenigstens Zwei mehr als die Bayern in der Bundesliga haben. Der Schlüssel muss für die Bayern Disziplin sein, dann könnte sich ein 1-0 oder 2-0 ausgehen. Jedenfalls glaube ich nicht an ein Genussspiel, sondern eher an einen Abnutzungskampf.
spon_2937981 25.04.2018
3. Ach Herr Kinast
Ihre Intention und Hoffnung ist ja nicht, dass der FC Bayern sich nun endlich mal beweisen muss. Nein, aus jeder Zeile Ihres Artikels spricht die Vorfreude darauf, dass der FC Bayern nun bitte bitte endlich mal verdroschen werden möge... Nun, ich wünsche Ihnen zwar generell einen schönen Abend, aber bezüglich Fußball möge er so richtig mies für Sie werden, mit einem deutlichen Zu-null-Sieg der Bayern.
Sal.Paradies 25.04.2018
4. Bitte nicht übertreiben
Zitat von spon_2937981Ihre Intention und Hoffnung ist ja nicht, dass der FC Bayern sich nun endlich mal beweisen muss. Nein, aus jeder Zeile Ihres Artikels spricht die Vorfreude darauf, dass der FC Bayern nun bitte bitte endlich mal verdroschen werden möge... Nun, ich wünsche Ihnen zwar generell einen schönen Abend, aber bezüglich Fußball möge er so richtig mies für Sie werden, mit einem deutlichen Zu-null-Sieg der Bayern.
Klar, Hr.Kynast tritt hier bei SPON nicht wirklich als großer Fan der Bayern auf, aber dieser Artikel ist nicht wirklich einseitig, sondern beleuchtet die Situation der Bayern ganz gut. Was Kynast schreibt, denken heute Millionen von deutschen Fussball-Fans. Heute spielt keine lebindige Leiche in der AA, die sich willenlos verprügeln lässt.Insofern bin auch ich gespannt, was die Bayern im ersten Spiel machen? Ich hoffe auf ein 2:0 für die Bayern, aber ob es möglich ist gegen Ronaldo ohne Tore vom Platz zu gehen? Wir werden sehen....
jnek 25.04.2018
5. Passt
Zitat von spon_2937981Ihre Intention und Hoffnung ist ja nicht, dass der FC Bayern sich nun endlich mal beweisen muss. Nein, aus jeder Zeile Ihres Artikels spricht die Vorfreude darauf, dass der FC Bayern nun bitte bitte endlich mal verdroschen werden möge... Nun, ich wünsche Ihnen zwar generell einen schönen Abend, aber bezüglich Fußball möge er so richtig mies für Sie werden, mit einem deutlichen Zu-null-Sieg der Bayern.
Fast wörtlich dachte ich das gleiche. Nicht da ich etwas anderes erwartet hätte, hier im spon-sport. Und morgen werden wir hier wahlweise zu lesen bekommen, a) warum der FC Bayern mit diesem Ergebnis nicht ins Finale einziehen wird oder b) warum der FC Bayern zwar ergebnistechnisch ordentlich abschnitt, dies aber aus diesem oder jenem Grunde nicht so recht gut war.
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