Real-Sieg in München Schmerzhafte Niederlage

Die Bayern haben nicht nur das Halbfinalhinspiel gegen Real Madrid verloren - sondern auch Arjen Robben und Jérôme Boateng. Der Traum vom Triple dürfte damit geplatzt sein.

Jérôme Boateng
Bongarts/Getty Images

Jérôme Boateng


Die Szenen des Spiels: Waren bitter für die Bayern. Jupp Heynckes musste schon in der ersten Hälfte zwei verletzungsbedingte Auswechslungen vornehmen. Nach fünf Minuten saß Arjen Robben auf dem Rasen und konnte nicht weitermachen. Heynckes brachte Thiago (8. Minute). Keine halbe Stunde später erwischte es Jérôme Boateng, der sich bei einem Ausfallschritt verletzte und gestützt von den Mannschaftsärzten vom Platz humpelte, für ihn kam Niklas Süle (34.).

Das Ergebnis: Die Bayern verloren 1:2 (1:1). Hier geht es zur Meldung.

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Bayerns Niederlage gegen Real: Zwei Gegentreffer, zwei bittere Verletzungen

Der Dauerbrenner: Es war schon das 25. Mal, dass Bayern und Real in einem Pflichtspiel aufeinandertrafen, allein in der Champions League war es das 19. Duell. Keine Paarung gab es in der Königsklasse häufiger. Die Gesamtbilanz spricht knapp für die Münchner (zwölf Siege bei jetzt elf Niederlagen und zwei Unentschieden), aber die vergangenen sechs Duelle gingen allesamt an die Königlichen - dieses eingeschlossen.

Die erste Hälfte: Trotz der frühen Verletzungen und daraus resultierenden Umstellungen erzielten die Münchner das erste Tor. Joshua Kimmich schloss einen Konter, den er selbst mit eingeleitet hatte, rotzfrech ab (28. - siehe Lausbub des Tages). In der Folge vergaben Franck Ribéry, Mats Hummels und Thomas Müller gute Chancen, die Führung auszubauen. Auf der anderen Seite nutzte Marcelo die erste wirklich gute Gelegenheit der Gäste zum Ausgleich (43.). Kurz vor der Pause scheiterte Robert Lewandowski mit einem Kopfball an Navas (45.+1).

Der Lausbub des Tages: Heißt Kimmich. Bei seinem Führungstor startete er aus der eigenen Hälfte durch und wurde von James auf rechts steil geschickt. Der Außenverteidiger schaute in die Mitte und sah, dass niemand anspielbar war. Dann spekulierte er richtig darauf, dass Real-Keeper Keylor Navas eine Hereingabe erwarten würde und schoss ins kurze Eck. Nach dem Spiel blieb Kimmich so frech wie auf dem Platz. Auf die Frage, was das Ergebnis fürs Rückspiel bedeute, antwortete der Nationalspieler patzig: "Das können Sie sich wohl selbst beantworten."

Die zweite Hälfte: Die Münchner machten Druck - und Real das nächste Tor. Nach einer Bayern-Ecke spielte Rafinha auf Höhe der Mittellinie einen katastrophalen Fehlpass, den der eingewechselte Marco Asensio im Zusammenspiel mit Lucas Vázquez durch einen perfekten Konter zum 2:1 nutzte (57.). Ribéry, Müller und Lewandowski hatten den Ausgleich auf dem Fuß, scheiterten aber entweder an Navas (59. und 62.), behinderten sich gegenseitig (68.) oder schossen einfach vorbei (88.). Zwischendurch erzielte der ansonsten erstaunlich blasse Cristiano Ronaldo das vermeintliche 1:3, das wegen eines Handspiels aber zu Recht nicht gegeben wurde (71.).

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FC Bayern in der Einzelkritik: Rafinhas schlimmer Abend

Verzweiflung trifft Hoffnung: Weil sich der Schiedsrichter diesmal nicht als Sündenbock anbot, haderte Bayern-Trainer Heynckes nach dem Spiel mit den Verletzungen, den Fehlern vor den Gegentoren, vor allem aber mit der miserablen Chancenverwertung seines Teams. "Wer sich so viele Möglichkeiten erspielt und die nicht nutzt, kann gegen Real nicht gewinnen", sagte Heynckes, überlegte dann kurz und schöpfte aus seiner Verzweiflung über die eigenen Unzulänglichkeiten Hoffnung für das Rückspiel: "Wir haben gezeigt, dass Madrid verwundbar ist." Beides stimmt. Im vergangenen Jahr haben die Münchner das Hinspiel zu Hause ebenfalls 1:2 verloren und in Madrid dann zumindest die Verlängerung erzwungen, in der sie letztlich aber unterlegen waren.

Die Erkenntnis des Abends: Die Bayern schießen in Deutschland alles in Grund und Boden, für den ganz großen Wurf scheint es in diesem Jahr aber erneut nicht zu reichen. Unterm Strich stehen trotz aller Chancen mal wieder eine Heimniederlage gegen Real und zudem die Verletzten, die auch fürs Rückspiel auszufallen drohen. Insgesamt ist das eine denkbar schlechte Ausgangsposition für das erhoffte Triple. Wenn man der Argumentation des Kollegen Daniel Raecke folgt, sind das gute Nachrichten für alle Fans des FCB.

FC Bayern München - Real Madrid 1:2 (1:1)
1:0 Kimmich (28.)
1:1 Marcelo (43.)
1:2 Asensio (57.)
Bayern: Ulreich - Rafinha, Hummels, Boateng (34. Süle), Kimmich - Martínez (75. Tolisso) - Ribéry, James, Müller, Robben (8. Thiago) - Lewandowski
Madrid: Navas - Marcelo, Ramos, Varane, Carvajal (67. Benzema) - Kroos, Casemiro (83. Kovacic), Modric - Isco (46. Asensio), Ronaldo, Vázquez
Zuschauer: 70.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Björn Kuipers
Gelbe Karten: Ribéry, Thiago / Casemiro

insgesamt 57 Beiträge
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Seite 1
rudy09.rd 26.04.2018
1.
Die erste gute Nachricht des Tages.Bayern verliert zu Hause.
Orthoklas 26.04.2018
2. Angstgegner Real
Gegen Real ist für Bayern nichts zu holen. Selbst wenn die Bayern besser sind, hat Real Glück, den Schiri auf seiner Seite oder die Bayern Pech und die Hose voll. Fakt aber ist auch: die individuelle Klasse ist bei Bayern deutlich dürftiger. So wird das nie was.
okto11ber 26.04.2018
3.
Der Unterschied zwischen den Sonnenuntergang in Madrid und den FC Bayern ist nicht groß.
golkashti 26.04.2018
4. Pech oder Armutszeugnis
Hatte der Guardiola doch recht als er den Wunderheiler alias Dr. Mueller vertrieb? Es ist ein Armutszeugnis fuer eine Spitzenmanschaft, wenn 2 Spieler innerhalb von 30 Minuten ohne fremd verschulden verletzt aufgeben muessen.
Seraphan 26.04.2018
5.
Bis auf die Tatsache, dass es sich beim FCB noch immer um einen deutschen Verein handelt, ist es mir egal, wie sie spielen. Wie man auf den Trichter kommen kann, dass die aktuelle Mannschaft tatsächlich die CL gewinnen könnte, ist schleierhaft. Vermutlich geht das tatsächlich nur mit einer weiß-blauen Brille. Daniel Raecke führte zwar etwas eher am Tag aus, dass ein Scheitern wohl drastische Veränderungen bringen wird. Ich bin mir da allerdings nicht sicher. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der FCB von seiner Spießermentalität ablässt und seine Meinung ändert, nach der man mit halbherzigen Investitionen große Blumentöpfe gewinnen kann. Das wird mit dem unerfahrenen Kovac noch schwieriger werden. Für die BL wird es allemal reichen, aber in der CL werden die Bayern weiterhin hinterherlaufen.
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