Bayern-Gegner Barcelona: Fang den Messi

Von Timo Prüfig

FC Barcelona: Einer macht den Unterschied Fotos
Getty Images

Wie knackt man den FC Barcelona? Den Bayern sollte vor ihrem Champions-League-Halbfinale nicht bange sein. Die Spanier haben in dieser Saison gegen starke Gegner ungewohnte Schwächen gezeigt. Auf einen war allerdings immer Verlass.

Hamburg - Die Gelassenheit, mit der Matthias Sammer auf den zugelosten Halbfinal-Gegner in der Champions League reagierte, war verblüffend. "Diese Mannschaft hat den Fußball lange Zeit beherrscht", sagte Bayerns Sport-Vorstand über den FC Barcelona. "Aber Bayern München hat sich entwickelt, ich bin total optimistisch und gehe davon aus, dass wir ins Finale kommen." Die bisherige Rekordsaison scheint dem Selbstbewusstein der Münchner gutgetan zu haben, die schmerzhaften Niederlagen der vergangenen Spielzeit sind fast vergessen.

Auch Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge gab sich vor den Spielen gegen den Champions-League-Sieger von 2006, 2009 und 2011 entspannt, fand zugleich aber schnell mahnende Worte: Die Mannschaft müsse jetzt zeigen, "ob sie sich mit Barcelona messen kann". Der Bayern-Boss ist sich sehr wohl bewusst, mit welchem Gegner es die Münchner zu tun bekommen werden. Seit 1996 sind die Katalanen in der K.o.-Runde eines europäischen Wettbewerbs nicht mehr gegen einen deutschen Club ausgeschieden.

Zudem war Rummenigge vor vier Jahren Zeuge eines peinlichen Auftritts seiner Bayern in Barcelona. Der damalige Trainer Jürgen Klinsmann hatte am 8. April 2009 im Camp Nou eine heftige 0:4-Niederlage zu verantworten. "Damals bin ich während des Spiels immer tiefer in meinen Sitz gerutscht", erinnert sich Rummenigge an die Niederlage.

Barcelonas Elf besticht durch Beständigkeit

Was den Bayern aber Hoffnung machen sollte: Im Gegensatz zur Barça-Elf hat sich bei den Münchnern seitdem einiges getan. Spieler wie Jörg Butt, Massimo Oddo, Christian Lell, Breno oder Andreas Ottl waren 2009 in Barcelona zum Einsatz gekommen - sie würden es in der heutigen Mannschaft vermutlich nicht einmal auf die Ersatzbank schaffen. Nur Bastian Schweinsteiger und Franck Ribéry sind von der Startelf im Camp Nou übrig geblieben.

Beim Gegner sind acht Spieler von 2009 noch heute im Team. Das zeugt einerseits von Beständigkeit. Es macht auf der anderen Seite aber deutlich, dass Europas Topteam nicht mehr das jüngste ist: Kapitän Carles Puyol, 34, Verteidiger Dani Álvez, wird im Mai 30, Mittelfeldmotor Xavi, 33, oder auch Stürmer David Villa, 31, sind ein Beleg dafür, dass sich Barça zuletzt mit einem Generationswechsel schwergetan hat. Und auch wenn die Katalanen zum sechsten Mal hintereinander in der Vorschlussrunde der Champions League stehen - was zuvor noch keine andere Mannschaft geschafft hat -, fehlte ihnen in dieser Saison besonders international die Dominanz der vergangenen Jahre.

Messi macht den Unterschied

Vor allem gegen starke Gegner wurden die Schwächen deutlich. In den prestigeträchtigen Clásicos gegen Real Madrid verlor Barcelona das Duell um den spanischen Supercup und schied im Pokal aus. Auch in der Liga gab es nur ein Remis und eine Niederlage. In der Champions League rechneten viele Experten nach dem 0:2 im Achtelfinal-Hinspiel gegen den AC Mailand schon mit einem frühen Ausscheiden. Im Viertelfinale gegen Paris Saint-Germain mussten sogar zwei Unentschieden zum Weiterkommen reichen.

In beiden Fällen machte wie so oft ein einziger Spieler den Unterschied: Lionel Messi. Der viermalige Weltfußballer leitete mit zwei Toren die Wende gegen Milan ein und musste - trotz einer nicht vollständig auskurierten Verletzung - das Aus gegen PSG verhindern, indem er nach seiner Einwechslung den Treffer zum 1:1 einleitete. Spaniens Medien stellten anschließend fest: "Der beste Fußballer der Welt ist Messi, der zweitbeste ein hinkender Messi."

Es mag auch an dem Argentinier liegen, dass Karl-Heinz Rummenigge den bayerischen Überschwang ein Stück weit bremst - schließlich hatte der 25-Jährige schon 2009 mit zwei Toren maßgeblichen Anteil an der Bayern-Blamage. Es sei eine "Herkulesaufgabe", die Kreise des Argentiniers einzugrenzen, warnte Rummenigge.

Doch reicht diesmal ein Messi alleine gegen die bisher so souveränen Bayern? Mit Kapitän Puyol und Javier Mascherano fallen wohl zumindest für das Hinspiel zwei wichtige Defensivkräfte mit einer Knieverletzung aus, zudem ist Adriano nach seiner dritten Gelben Karte gesperrt. Dass Barcelonas Abwehr nicht gerade als Bollwerk bezeichnet werden kann, hat sich diese Saison schon mehrfach gezeigt, unter anderem in dem verrückten Vorrundenspiel bei Celtic Glasgow, als Barça trotz 89 Prozent Ballbesitz und 23:5 Torschüssen 1:2 verlor.

Brisanz erhält das Duell nicht zuletzt durch die Personalie Pep Guardiola. Der ehemalige Barça- und künftige Bayern-Trainer ist seit Monaten in ständigem Austausch mit den Verantwortlichen des FC Bayern, um die neue Saison zu planen. Ins aktuelle Tagesgeschäft greift der Spanier angeblich nicht ein, dabei hätte er sicherlich viel Interessantes über den FC Barcelona und Lionel Messi zu berichten.

Doch dagegen verwehrt sich Bayern-Trainer Jupp Heynckes. "Ich brauche niemanden, um einen anderen Gegner zu studieren", sagt er. Selbstbewusst, wie es die Bayern diese Saison eben sind.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 33 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Messi
wind_stopper 12.04.2013
Zitat von sysopWie knackt man den FC Barcelona? Den Bayern sollte vor ihrem Champions-League-Halbfinale nicht bange sein. Die Spanier haben in dieser Saison gegen starke Gegner ungewohnte Schwächen gezeigt. Auf einen war allerdings immer Verlass. Champions League: Bayern trifft auf den FC Barcelona - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/champions-league-bayern-trifft-auf-den-fc-barcelona-a-894065.html)
ist auch nur ein Mensch. Nachdem die Bayern dem Loew gezeigt haben, wie man gegen Italiener spielt, kann er sich bestimmt mit ein paar Tipps bzgl. Argentinien revanchieren. Das wird schon ... Bayern : Barcelona = 2:1
2.
julia-s12345 12.04.2013
Der FC Bayern muss vor niemandem Angst haben. Ich hoffe nur, dass der Schiedsrichter seine Aufgabe gut macht und es kein Pfusch wird. Ich bin froh, dass der Gegner nicht Dortmund heißt. Jetzt wird es echt spannend!
3. optional
chavezding 12.04.2013
Der Spiegel, ja David Villa ist schon etwas älter, aber was ist mit Pedro, Alexis, Tello, Alcantara, Adriano, Bartra usw. ? Jugend ist schön und gut aber was bei rumkommt sieht man alle zwei Jahre bei entscheidenden Spielen mit deutscher Beteiligung. Bei Barcelona führt man die jungen Spieler an das erste Team heran, unter anderem auch Messi.
4.
hannohonk 12.04.2013
Zitat von sysopWie knackt man den FC Barcelona? Den Bayern sollte vor ihrem Champions-League-Halbfinale nicht bange sein. Die Spanier haben in dieser Saison gegen starke Gegner ungewohnte Schwächen gezeigt. Auf einen war allerdings immer Verlass. Champions League: Bayern trifft auf den FC Barcelona - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/champions-league-bayern-trifft-auf-den-fc-barcelona-a-894065.html)
Lahm wird mit Messi schon fertig :)
5.
hozu 12.04.2013
Zumindest begegnen sie sich auf Augenhöhe ;)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Fußball
RSS
alles zum Thema Champions League
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 33 Kommentare
  • Zur Startseite

Tabellen