Zwei Sekunden, vielleicht drei. Mehr Zeit bleibt Lionel Messi an diesem Abend nicht. Dann sind sie schon wieder da, die beiden, von denen der Argentinier in der anschließenden Nacht geträumt haben wird. Bastian Schweinsteiger und Javi Martínez waren in diesem aus Bayern-Sicht triumphalen 4:0-Halbfinalabend gegen den FC Barcelona die Quälgeister des Lionel Messi. Sie sorgten dafür, dass er keine Pässe bekam, dass ihm alle Laufwege zugestellt waren. Es gab seit Monaten keinen so frustrierenden Abend für den Ausnahmefußballer wie an diesem Dienstag.
"Ich muss sagen, dass die Spieler das Konzept überragend umgesetzt haben", sagte Trainer Jupp Heynckes nach der Partie, und damit hat er vor allem sein defensives Mittelfeld-Duo geadelt. Die Außenverteidiger Philipp Lahm und David Alaba leisteten in der Offensive Großes, Franck Ribéry mühte sich in zahlreichen Situationen als ein durchaus talentierter Linksverteidiger ab. Arjen Robben verzichtete weitgehend auf seine brotlosen Soli. Martínez und Schweinsteiger aber standen an diesem Abend noch über ihnen allen.
Man muss Barcelona den Ball wegnehmen
Wer Barcelona, die Großmeister des Ballbesitzes, besiegen will, muss ihnen die Bälle wegnehmen. So einfach ist das manchmal und so schwierig in der Umsetzung gleichermaßen. Aber Martínez war an diesem Abend wild entschlossen, genau das zu tun. Er klaute Xavi und dessen Nebenmann Andrés Iniesta die Bälle am Mittelkreis, begab sich wie ein Ringkämpfer in den Infight, bearbeitete die beiden Filigrantechniker, bis sie Mitte der zweiten Hälfte fast schon resigniert hatten.
Schweinsteiger hat sich in seiner Karriere schon mehrfach anhören müssen, dass es mit ihm so langsam bergab gehe. Im Nachklang der von ihm überragend gestalteten WM 2010, als er lange unter den Nachwirkungen von Verletzungen litt und mit der "Cheffchen-Debatte" konfrontiert wurde. Nach dem verlorenen Champions-League-Endspiel gegen den FC Chelsea im Vorjahr. Nach dem Halbfinal-Aus der Nationalmannschaft bei der EM im vergangenen Sommer. Solche Anwürfe scheinen zu seiner Karriere zu gehören, ebenso die Reaktion darauf: Bisher hat er sie jedenfalls immer durch Leistung kontern können.
Schweinsteigers Kraftquelle jedoch ist der Spanier Martínez an seiner Seite. Viele haben sich gewundert, als die Bayern für ihn im Sommer 40 Millionen Euro hingeblättert haben und er anschließend in der Hinrunde oft nur zu Kurzeinsätzen auf den Platz geschickt wurde. Aber jetzt, in der entscheidenden Phase der Saison, zahlt sich genau das aus: Martínez ist körperlich auf der Höhe, am Dienstag ackerte und berserkerte er. Dazu bringt er die Spielintelligenz der in Spanien ausgebildeten Profis mit. Der Wert des Mittelfeldspielers ist derzeit nicht zu überhöhen - er ist das "fehlende Teil, das der FC Bayern gebraucht hat", wie Barcelonas Mittelfeldmann Sergio Busquets schon vor der Partie gesagt hatte.
Auch dank der Arbeit der beiden Defensivstrategen geht der FC Bayern mit einem unglaublichen Vier-Tore-Vorsprung in das Rückspiel am kommenden Mittwoch. Ausscheiden werden die Münchner nach menschlichem Ermessen nicht. Aber ihnen kann etwas ähnlich Dramatisches passieren. Schweinsteiger und Martínez sind beide mit Gelben Karten vorbelastet. Heynckes sollte überlegen, ob er sie im Rückspiel tatsächlich einsetzt.
Sie werden am 25. Mai in London so dringend gebraucht.
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