Bayern-Sieg im Champions-League-Halbfinale gegen Real: Ihr könnt nach Hause fahrn!

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Was für ein Match! Der FC Bayern hat das Rückspiel im Halbfinale der Champions League bei Real Madrid im Elfmeterschießen gewonnen und darf das ersehnte Endspiel zu Hause in München bestreiten. In Spanien bestand der Bundesligist die Nervenprobe, Torwart Manuel Neuer wuchs über sich hinaus.

AFP

Hamburg - Seit Mittwoch, 23.23 Uhr, ist klar: Die Bayern können aus dieser Saison eine ganz große machen. In der Bundesliga mag der Meistertitel futsch sein, doch der Traum vom Champions-League-Sieg lebt. Im Halbfinal-Rückspiel gewann der Bundesligist bei Real Madrid 4:3 (2:1, 2:1) nach Elfmeterschießen und ist damit nach dem 2:1-Sieg aus dem Hinspiel im Finale. Im ersehnten "Finale dahoam".

Die Tore für die Spanier erzielte Cristiano Ronaldo (6. Minute, Handelfmeter/14.), Arjen Robben traf für die Bayern (27., Foulelfmeter). Im Finale am 19. Mai im eigenen Stadion trifft der FC Bayern nun auf den FC Chelsea, der sich am Dienstagabend durch ein 2:2 im Halbfinal-Rückspiel beim FC Barcelona durchgesetzt hatte.

"Das war eine magische Nacht. Wir haben nur in den ersten 15 Minuten große Schwierigkeiten gehabt. Danach hat die Mannschaft allmählich das Kommando übernommen. Wir haben über weite Streckern überragenden Fußball geboten", so Bayerns Trainer Jupp Heynckes. Manuel Neuer sagte: "Es ist fantastisch. Wir haben alle darauf hingearbeitet. In beiden Spielen waren wir mindestens auf Augenhöhe. Wir sind überglücklich." Der Torwart sollte in Spanien zum Helden einer echten Nervenschlacht werden.

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CL-Sieg der Bayern: Bayerns Traum wird wahr
Was war vor diesem Halbfinal-Rückspiel nicht alles zu hören gewesen. Während sich die Real-Profis über den Kurznachrichtendienst Twitter selbst Mut machten, erklärte Bayerns Franck Ribéry die Partie kurzerhand zur wichtigsten seines Lebens. Und Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge erwartete in Madrid schlicht die "Hölle". Die Münchner bekamen sie.

80.000 Zuschauer im Bernabéu-Stadion schrien die Gäste nieder. Bastian Schweinsteiger hatte seine Kollegen vor allem vor den ersten 20 bis 30 Minuten gewarnt. Die Warnung reichte genau drei Minuten, da bekam Sami Khedira den Ball mustergültig von Angel di Maria vorgelegt, doch der deutsche Nationalspieler schloss zu schwach ab (3.). Wenige Sekunden später waren dann aber alle Bayern-Hoffnungen auf einen guten Start dahin.

Alaba verschuldet Handelfmeter

David Alaba bekam auf seiner linken Abwehrseite einen Flankenversuch von di Maria an die Hand: Elfmeter. Ronaldo trat zum Duell mit Manuel Neuer an und verwandelte sicher ins rechte untere Eck (6.). Es war ein früher Schock für die Bayern, doch sie bekamen rasch die Chance zum Ausgleich. Und was für eine.

Alaba brach links durch und flankte. In der Mitte war Robben völlig frei und vergab aus nur vier Metern kläglich. Erinnerungen an seinen Fehlversuch im Bundesliga-Spitzenspiel bei Borussia Dortmund wurden wach (8.). Immerhin wirkten die Münchner vom Rückstand nicht sonderlich irritiert. Mario Gomez scheiterte aus rund 20 Metern an Reals Torwart Iker Casillas (11.).

Es war ein kurioses Bild: Real, die Offensivmaschine, wurde von den Gästen für Minuten weit in die eigene Hälfte gedrängt. Ein schwerer Fehler in der Bayern-Defensive sorgte jedoch früh für die vermeintliche Vorentscheidung. Mit nur einem Pass hebelte Mesut Özil die Bayern-Deckung aus. An der Strafraumgrenze stand Ronaldo, der mühelos zum 2:0 einschob (14.). Von einem Gegenspieler war weit und breit nichts zu sehen.

Beide Defensivreihen komplett orientierungslos

Real agierte im Glauben des sicheren Finaleinzugs lässig in der Defensive. Gomez (21.) und Luiz Gustavo (23.) probierten es aus der Distanz. Den Anschluss schafften die Gäste jedoch durch einen Elfmeter. Pepe hatte Gomez bei einer Flanke von Toni Kroos zu Boden gerissen. Zum Strafstoß trat Robben an, der in Dortmund kurz vor Schluss noch verschossen hatte. Der Niederländer traf mit viel Glück links unten: 1:2 (27.). "Durch das 2:1 waren wir wieder im Spiel", freute sich anschließend Bayern-Präsident Uli Hoeneß.

Die Geschichte dieser ersten Halbzeit war jedoch die von zwei völlig desorientierten Defensivreihen. Nach einem Schuss von Ronaldo fehlten dem aufgerückten Pepe nur Zentimeter, um den Ball ins Bayern-Tor zu lenken. Schweinsteiger hatte nicht aufgepasst (30.). Reals Karim Benzema verfehlte das Tor nur um Zentimeter (31.), wieder hatte den Stürmer niemand gestört.

Auf der anderen Seite vergab Gomez die Riesenchance zum 2:2, als er aus rund zehn Metern an Casillas scheiterte (33.). "Man hat gesehen, dass die Abwehr von Real alles andere als sicher war", sagte Hoeneß. Bis zur Pause waren es die Münchner, die das Geschehen diktierten, ohne jedoch erneut zwingend zu werden. Die letzte Chance vor dem Halbzeitpfiff vergab Robben mit einem Freistoß, den Casillas parierte (45.+1).

Angst vor dem Fehler lähmt die Spieler

Man durfte meinen, beide Teams hätten aus ihren Fehlern gelernt. Das galt zunächst aber nur für die Bayern, die offensiv die erste Aktion der zweiten Hälfte hatten. Gomez verfehlte das Tor der Madrilenen mit einem Kopfball nur knapp (48.). Real wirkte beeindruckt. Nach vorne ging wenig. Kein Tempo, keine Ideen.

Bis zur ersten Chance der Gastgeber im zweiten Durchgang dauerte es rund elf Minuten. Neuer parierte einen Drehschuss von Benzema (56.). Vom offenen Schlagabtausch der ersten halben Stunde war nun nichts mehr zu sehen. Es schien, als hätten alle Beteiligten jetzt erst bemerkt, dass es um den Einzug ins Champions-League-Finale ging.

Zwei harmlose Freistöße von Ronaldo aus rund 30 Metern (69./72.), ein Schuss von Benzema über das Tor (70.): Die Angst vor dem womöglich entscheidenden Fehler lähmte die Offensivaktionen auf beiden Seiten. Und doch war sie da, die Riesenchance für die Bayern. Gomez bekam den Ball von Robben mustergültig vorgelegt, doch der Stürmer verstolperte kläglich im Fünfmeterraum (86.).

Die Partie ging in die Verlängerung - und blieb in der ersten Hälfte ohne jeden Höhepunkt. Beide Teams schleppten sich nur noch über den Platz. Luiz Gustavo sah die Gelbe Karte - er wird im Finale genauso fehlen wie Alaba und Holger Badstuber. "Es ist natürlich ein Wermutstropfen, dass drei so wichtige Spieler in einem solch wichtigen Spiel nicht dabei sind", sagte Heynckes.

Dass es überhaupt zu einem Endspiel mit Bayern-Beteiligung kommt, haben die Münchner der Zögerlichkeit des eingewechselten Kaká (112.) zu verdanken, der im Strafraum plötzlich an den Ball kam. Und natürlich Torwart Neuer, der im anschließenden Elfmeterschießen zwei Schüsse hielt: Erst den von Ronaldo und dann den von Kaká. Als Reals Verteidiger Sergio Ramos dann daneben zielte, versenkte Schweinsteiger den entscheidenden Elfmeter: Bayern München steht im Finale der Champions League.

Real Madrid - Bayern München 2:1 n.V. (2:1, 2:1), 1:3 i.E.
1:0 Ronaldo (6., Handelfmeter)
2:0 Ronaldo (14.)
2:1 Robben (27., Foulelfmeter)
2:2 Alaba
Ronaldo verschießt
2:3 Gomez
Kaká verschießt
Kroos verschießt
3:3 Alonso
Lahm verschießt
Ramos verschießt
3:4 Schweinsteiger
Real: Casillas - Arbeloa, Pepe, Ramos, Marcelo - Alonso, Khedira - Di Maria (75. Kaka), Özil (111. Granero), Ronaldo - Benzema (106. Higuain)
München: Neuer - Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba - Luiz Gustavo, Schweinsteiger - Robben, Toni Kroos, Ribery (95. Thomas Müller) - Gomez
Schiedsrichter: Viktor Kassai
Zuschauer: 72.000
Gelbe Karten: Pepe (2), Arbeloa (2), Granero - Alaba (3), Robben (2), Luiz Gustavo (3), Badstuber (3)

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insgesamt 240 Beiträge
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    Seite 1    
1.
nereb 26.04.2012
Die Bayern sollten nur noch Hallenfußball spielen - von wegen Glücksspiele unter freiem Himmel... Mit der Abwehr kriegen Sie im Pokalendspiel gegen den BVB eine Packung.
2.
trick66 26.04.2012
Zitat von sysopWas für ein Match! Der FC Bayern hat das Rückspiel im Halbfinale der Champions League bei Real Madrid im Elfmeterschießen gewonnen und darf das ersehnte Endspiel in München spielen. In Spanien bestand der Bundesligist die Nervenprobe, Torwart Manuel Neuer wuchs über sich hinaus. Bayern-Sieg*im Champions-League-Halbfinale gegen Real: Ihr könnt nach Hause fahrn! - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,829807,00.html)
Glückwunsch, Bayern - jetzt (fast) ohne Abwehr in's Finale. Und noch ein kleiner Gruss an Uli Hoeneß, mit Weltklassespielern (die ja angeblich in Deutschland nur die Bayern haben) hätte man auch nach 90 Minuten ein Unentschieden erreichen können...
3.
Matze38 26.04.2012
bin kein bayernfan, aber in solchen spielen halte ich immer für deutsche mannschaften, deswegen glückwunsch. war ein mega spiel. keine spanische mannschaft im finale und demnächst mal wieder england schlagen, ist doch geil.
4. Fußball-Forenexperten ...
Gon.Orbhon 26.04.2012
"jcash3000": ++++ Na was freuen sie sich hier wieder, die Bayernnasen. Und wie wird der FCB wieder als "Retter des Deutschen Fussballs" und "Retter der 5-Jahreswertung" gefeiert. Freut euch. Genau eine Woche lang. Dann schiesst Real die Bayern zuhause mit 3-0 ab (wenn sie gnädig sind). Im Hinspiel hatten die Bayern auch noch Glück, dass Neuer einen Sahnetag hatte, ansonsten wäre jetzt schon für sie jegliche Hoffnung verloren gewesen. ... ++++ ;-)
5. Fcb fcb fcb
Kalle Bond 26.04.2012
Manuel Neuer ist nicht über sich hinausgewachsen, das ist sein Niveau! Schweini - echt starke Nerven, der letzte Elfer! Glückwunsch FCB, sehr gut bestanden in der Hölle Real!
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