Von Birger Hamann
Hamburg - Wiesnzeit ist Bayernzeit: Das wird immer dann behauptet, sobald der FC Bayern Anfang Herbst, wenn in München das Oktoberfest gefeiert wird, sportlich erfolgreich ist. Seit gut einer Woche ist das größte Volksfest der Welt wieder im Gange, und selten waren die Bayern zu Zeiten der "Wiesn" so gut wie in diesem Jahr. Doch genau das ist das Problem der Verantwortlichen.
"Wir würden einen großen Fehler machen, wenn wir uns jetzt von außen einlullen lassen. Dieses permanente Lob, diese permanente Euphorie gefallen mir nicht. Wir müssen aufpassen, dass es nicht zu viel wird", sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor dem Champions-League-Spiel am Dienstag bei Bate Borissow (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Bereits nach dem Spiel in Bremen hatte Münchens Sportchef Matthias Sammer kritisiert, die Mannschaft sei trotz des Sieges gegen Werder "nicht hellwach, nicht gallig" gewesen.
Nun ist es Programm bei den Bayern, gerne zu motzen, wenn es eigentlich gar nichts zu motzen gibt. Denn wie die Mannschaft in dieser Saison bislang auftritt, ist beeindruckend. In sechs Bundesliga-Spielen feierte München sechs Siege, erzielte dabei 19 Tore, kassierte nur zwei Gegentreffer und führt die Tabelle souverän an. Dazu kamen ungefährdete Siege im DFB-Pokal gegen Jahn Regensburg und in der Champions League gegen den FC Valencia.
Ausfälle von Top-Spielern kompensiert das Team problemlos
"Egal wer spielt, jeder kann seine Leistung abrufen", sagte Kapitän Philipp Lahm vor dem Abflug nach Weißrussland. In Minsk, wohin Bate in der Champions League ausweichen muss, werden Müller, Toni Kroos und Franck Ribéry das offensive Mittelfeld bilden. Auf der Doppelsechs wird Javier Martínez für Luiz Gustavo beginnen, im Angriff ersetzt Mario Mandzukic wohl Claudio Pizarro.
Bayern-Zugänge für rund 70 Millionen Euro
Rotation heißt das neue Zauberwort in München. Die war schon früher mal schwer in Mode und geriet dann ein wenig in Vergessenheit. Bei den Bayern haben sie sich wieder daran erinnert, als sie zwei Saisons in Folge ohne Titel blieben. Also gaben die Münchner keinen Stammspieler im Sommer ab, kauften dafür aber Stars für rund 70 Millionen Euro.
Die Folge der Einkaufstour: Der wohl am besten besetzte Bayern-Kader der vergangenen Jahre. Trainer Jupp Heynckes hat so viele hochwertige Alternativen, dass er den Konkurrenzkampf kaum noch befeuern muss. Jede Position ist mindestens doppelt besetzt, weshalb prominente Langzeitausfälle wie Stürmer Mario Gomez und Linksverteidiger David Alaba nicht vermisst werden.
Auch wenn das Potential und die Leistungen des FCB kaum Anlass zur Sorge geben, es könnte sich eine allgemeine Zufriedenheit einstellen, sagte Kapitän Philipp Lahm nach den Mecker-Attacken seiner Chefs brav: "Wir wissen, dass wir noch nichts erreicht haben und besser spielen können. Aber wir wollen auch in der Champions League einen perfekten Start hinlegen." Mit einem Sieg würden die Bayern die Tabellenführung von Borissow übernehmen, das am ersten Spieltag 3:1 beim OSC Lille gewonnen hatte.
Sollten die Bayern gegen Borissow erfolgreich sein, würden sie - den Supercuperfolg gegen Dortmund eingeschlossen - zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte mit zehn Pflichtspielsiegen in eine Saison starten. Angesprochen darauf, wird aber auch Trainer Heynckes zum Meckerer: "Man sollte erst mal die 90 Minuten spielen, bevor man an irgendwelche Rekorde denkt."
Bate Borissow - FC Bayern München, 20.45 Uhr in Minsk
(voraussichtliche Aufstellungen):
Borissow: Gorbunow - Poljakow, Radkow, Simic, Bordatschew - Liktarowitsch, Oleknowitsch, Pawlow, Volodko - Hleb - Rodionow
München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Badstuber - Martínez, Schweinsteiger - Müller, Kroos, Ribéry - Mandzukic
Schiedsrichter: Stavrev (Mazedonien)
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