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BVB-Sieg über Neapel: So schön und wild kann Fußball sein

Aus Dortmund berichten und

AP/dpa

Das Aus in der Königsklasse verhindert, die Negativserie gestoppt. Dortmund atmet auf nach dem Champions-League-Sieg gegen Neapel. Es war ein klassisches BVB-Spiel: voller aufregender Torszenen, aber auch voller Flatterhaftigkeit - und mit einem echten Helden.

Nuri Sahin wird von Fußballexperten gerne als "Stratege" bezeichnet. Der Dortmunder Mittelfeldspieler bringt den Rhythmus ins Spiel. Oft entscheidet er, über welche Seite die Angriffe laufen, ob ein Spielzug verlangsamt oder beschleunigt wird. Es ist eine Rolle, die viel Spielverständnis erfordert.

Insofern erstaunt es, dass Sahin kein besonders talentierter Theoretiker zu sein scheint. Irgendwann während des 3:1-Sieges von Borussia Dortmund über den SSC Neapel verlor er derart die Orientierung im Tabellenwirrwarr, dass er Sebastian Kehl um Hilfe bitten musste. Zwar habe Trainer Jürgen Klopp die Konstellation in Gruppe F vor dem Spiel erklärt, erzählte Sahin, "ich habe es aber nicht verstanden". Kehl gab dann auf dem Rasen Nachhilfe.

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Das war einerseits lustig und andererseits symptomatisch für diese Dortmunder, die viele Talente haben, nicht aber die Fähigkeit zum kühl kalkulierten Ergebnisfußball. In gewisser Weise war Borussia Dortmund an diesem Abend ganz beim eigenen Markenkern: Das Spiel des Teams war von wilder Schönheit, es war aufregend, abenteuerlich und mitreißend, aber eben auch unvollkommen, wenig rationell und geprägt von einem bemerkenswerten Mangel an Effizienz.

"Man möchte am liebsten nach vorne rennen"

"So etwas ist enorm schwer für den Torwart, man möchte am liebsten nach vorne rennen und die Dinger selber reinmachen", sagte Schlussmann Roman Weidenfeller angesichts der vielen wunderbaren Torgelegenheiten, die die BVB-Offensive ungenutzt ließ.

Aber für die Zuschauer ist so eine Spielweise natürlich optimal, der BVB reift offenbar nicht zu einem dieser sogenannten "echten Spitzenteams", die mit reduziertem Kraftaufwand exakt die erforderlichen Ergebnisse ins Ziel bugsieren können. Die Mannschaft von Jürgen Klopp braucht Chancen, viele Chancen, und das kostet Nerven. "Es war schon sehr ärgerlich, wie viele Möglichkeiten wir haben liegen lassen, dabei haben wir doch entsprechende Qualitäten", sagte Kehl, "ich kann mir das auch nicht erklären."

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Denn in der Vorsaison schien der Club diese nicht ganz neue Schwäche in den Griff bekommen zu haben, gerade in der Champions-League war das Team bemerkenswert zielstrebig zu Werke gegangen. Doch derzeit mangelt es Marco Reus, für dessen 1:0 ein Elfmeter notwendig war (10.) und Robert Lewandowski, der wie schon gegen den FC Bayern am vorigen Samstag beste Gelegenheiten ungenutzt ließ, einfach an Kaltblütigkeit. Sie hatten nur Glück, dass der SSC Neapel auch keines dieser eiskalten Spitzenteams ist, das aus drei Chancen vier Tore erzielt.

2:0 war der Schlüsselmoment des Spiels

Nach 59 Minuten hatte Gonzalo Higuaín beim Stand von 1:0 für den BVB eine wunderbare Ausgleichsmöglichkeit, verfehlte aber das Tor, und im Gegenzug traf Jakub Blaszczykowski nach einer langen Serie vergebener Gelegenheiten doch noch zum 2:0. Dies sei "der Schlüsselmoment" des Abends gewesen, sagte Klopp später, wobei die Italiener noch auf 2:1 verkürzten (Insigne, 71.) und der BVB weitere Großchancen ausließ.

Nicht einmal als Pierre-Emerick Aubameyang auf 3:1 erhöht hatte, war die Situation entspannt, ein 3:2-Sieg wäre nämlich zu wenig gewesen. Durch einen weiteren Gegentreffer hätte der BVB den direkten Vergleich gegen Neapel verloren - und der kann durchaus noch von Bedeutung sein.

Also bot sich eine herrlich spannende Schlussphase, "es war ein Spiel zum Genießen, wenn auch nicht zum Zurücklehnen und Genießen", sagte Klopp, der im Gegensatz zu seinen Spielern überhaupt nicht haderte mit der Flatterhaftigkeit im Torabschluss. Genauso liebt er seinen BVB, das Streben des Münchner Kollegen Josep Guardiola nach Perfektion steht nicht im Mittelpunkt seiner Arbeit.

Sogar einen richtigen BVB-Helden brachte die Schlacht hervor: Sven Bender spielte über eine Stunde lang mit gebrochener Nase, und das auch noch in ungewohnter Rolle als Innenverteidiger. Irgendwann hatte er so viele Trikots vollgeblutet, dass textiler Nachschub aus dem Fanshop geholt werden musste.

Mit diesem 3:1 reicht nun ein Sieg in Marseille zum Abschluss der Gruppenphase, um das Achtelfinale zu erreichen, aber an diesem Abend ging es nach der jüngsten Negativserie von drei Pflichtspiel-Niederlagen auch um eine Wendemarke. "Der Sieg war enorm wichtig, auch für die Psyche", sagte Sahin, und vielleicht hilft das in den kommenden Wochen auch den Stürmern vor dem Tor.

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insgesamt 46 Beiträge
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1. Chancen
Talan068 27.11.2013
Gerade Gestern bei nano gesehen. Da haben 2 Statistiker, versucht zu ermitteln wer deutscher Meister wird. Sie kamm dabei auf 2 signifikante Werte. 1. der Markwert der Mannschaft, 2. Anzshl der Chancen (und eben nicht der erzielten Toren). Sie kamen übrigens zu dem Ergebnis 87% Bayern, 12% Dortmund (oder so ähnlich). Tja, damit hätte wohl niemand gerechnet^^.
2. Chancenauswertung mangelhaft.
4qfghei3pers 27.11.2013
Ich mag den BVB, aber seine Chancenauswertung ist einfach mangelhaft. Es hätte ohne große zusätzliche Anstrengung 5:1 stehen können, würden die Großchancen genutzt. Selbst ein Lewandowski tritt den Ball neben das Tor- bei einer 100%gen Chance! Gleiches bei Reus. Der BVB stand nie in der Gefahr, dieses Spiel zu verlieren, aber vorn muß unbedingt mehr Kaltschnäuzigkeit her.
3. ????
waxen 27.11.2013
"Sie hatten nur Glück, dass der SSC Neapel auch keines dieser eiskalten Spitzenteams ist, das aus drei Chancen vier Tore erzielt" wie soll denn das gehen?
4. Torwandschießen!!
twaddi 27.11.2013
Reus ist ein großer Fußballer, aber an der Trefferquote sollte er arbeiten. So ist es zu heftig für die Nerven der Fans!
5.
stefansaa 27.11.2013
Zitat von waxen"Sie hatten nur Glück, dass der SSC Neapel auch keines dieser eiskalten Spitzenteams ist, das aus drei Chancen vier Tore erzielt" wie soll denn das gehen?
*seufz* so etwas nennt man stilistisches Mittel. An sich verwenden Journalisten so etwas gerne, wenn sie ein gewisses Maß an Übertreibung ausdrücken wollen. Man könnte es auch mit Srakasmus / Ironie bezeichnen.
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