Madrid-Coach Ancelotti bändigt die Super-Egos

Unter Trainer Carlo Ancelotti hat Real Madrid zu alter Stärke zurückgefunden. Der Italiener versteht sich auf den richtigen Umgangston mit den Superstars, die Konflikte bei den "Königlichen" sind befriedet. Das Team scheint für den großen Champions-League-Traum bereit zu sein.

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Carlo Ancelotti schläft gerne mal aus. Trainingseinheiten beginnen bei ihm selten vor 10 Uhr, der Mann hat es am Morgen gern etwas gemächlicher. Auch den vielleicht berühmtesten Club der Welt zu trainieren, ist für den Italiener kein Anlass, von dieser Gewohnheit abzugehen. Zurzeit schläft Ancelotti zudem ruhig und sorgenlos. Der Meistertrainer hat Real Madrid wieder auf Kurs gebracht. Die "Königlichen" verdienen ihren Namen wieder.

Auch das Achtelfinalrückspiel in der Champions League gegen den FC Schalke (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wird wenig dazu beitragen, dem Gemütsmenschen Ancelotti Alpträume zu verschaffen. Zu klar sind die Verhältnisse nach der 6:1-Gala aus dem Hinspiel in Gelsenkirchen. Ancelotti erlaubt sich, einigen seiner Stars eine Ruhepause zu gönnen. Es wird auch ohne die Allerbesten zum Weiterkommen reichen.

Als Carlo Ancelotti zu Saisonbeginn sein Amt in Spanien antrat, fand er einen Verein vor, der müde war. Müde all der Querelen, der Konflikte, die der Vorgänger José Mourinho so unnachahmlich zu schüren verstand. Unter Mourinho war Real Madrid ein Circus Halligalli, die internen Reibereien hörten nicht auf, das Verhältnis zu den Journalisten war ohnehin desaströs, nur die Beziehung zum Rivalen FC Barcelona war noch schlechter. Das Team war eine Ansammlung von Diven. Cristiano Ronaldo, Karim Benzema, Sergio Ramos. Fußball-Egos, groß genug, um gerade noch ins Bernabeu-Stadion hineinzupassen.

Viel Erfahrung mit schwierigen Charakteren

Real Madrid Ruhe und Struktur zu verschaffen, ist eine der schwersten Aufgaben, die ein internationaler Vereinstrainer zu bewältigen hat. Eine Aufgabe, wie gemacht für Carlo Ancelotti.

Der 54-jährige Italiener kam vom französischen Eliteclub Paris St. Germain, wo er mit Zlatan Ibrahimovic den Meistertitel feierte. Zuvor hatte er beim FC Chelsea unter Roman Abramowitsch gearbeitet. Sieben Jahre hatte er beim AC Milan mit dessen Präsidenten Silvio Berlusconi an der Seitenlinie gestanden. Ancelotti hat eine gewisse Erfahrung mit schwer Erziehbaren.

Ancelotti eilt der Ruf des Befrieders voraus, einer, der bei den Stars den richtigen Ton trifft. So wie es beim FC Bayern auch Jupp Heynckes nachgesagt wurde, der den Verein nach der nervösen Van-Gaal-Zeit wieder zur Ruhe brachte. Ancelotti ist ein ähnlicher Typ, ohne große Gefühlsregungen am Spielfeldrand, leutselig im Umgangston, Glamour ist ein Fremdwort für ihn. Viele in Spanien vergleichen ihn mit dem Nationaltrainer Vincente del Bosque. Der ist mit Spanien Welt- und Europameister geworden.

Titel hat auch Ancelotti schon zur Genüge vorzuweisen. Überall, wo er in den vergangenen zehn Jahren tätig war, hat er welche geholt. Beim AC Mailand ohnehin, dort war er schon als Spieler eine Mittelfeld-Ikone der späten achtziger Jahre. In der großen Milan-Elf jener Zeit hielt er den Offensiv-Stars Marco van Basten und Ruud Gullitt den Rücken frei, zweimal gewann er den Europapokal der Landesmeister. Dasselbe wiederholte er als Milan-Trainer mit der Champions League. Es gibt im Weltfußball nur sechs Persönlichkeiten, die das geschafft haben, den Triumph in der Königsklasse als Spieler und als Trainer. Einer von ihnen ist Bayern-Coach Josep Guardiola.

Duell gegen die Bayern wäre der Kampf der Giganten

Seit Ancelotti in Bernabeu das Kommando hat, herrscht tatsächlich Frieden im Verein. Selbst der fünffache Welttorhüter Iker Casillas, der nur noch in der Champions League zum Einsatz kommt, hat sein Schicksal des Reservespielers akzeptiert. Der Verkauf von Mesut Özil zu Saisonstart ist längst kompensiert. Im Mittelfeld brillieren Luka Modric, Angel Di Maria und Xabi Alonso, davor sorgen Ronaldo, der derzeit allerdings verletzte Benzema und der 100-Millionen-Mann Gareth Bale für die nötigen Tore.

Seit Oktober hat Real kein Pflichtspiel mehr verloren, die letzte Niederlage rührt aus dem Clásico in der Liga gegen den FC Barcelona. Am kommenden Samstag trifft man sich zum Rückspiel in Bernabeu. Ancelotti sagt, die Partie gegen Schalke sei "die ideale Vorbereitung für die Partie gegen Barcelona, um noch mehr Selbstvertrauen zu gewinnen". Noch mehr Selbstvertrauen - das scheint kaum noch möglich zu sein. Real führt die Tabelle der Primera División an, der Vorsprung auf Barcelona beträgt vier Punkte. Mit einem Sieg am Sonntag wäre der Dauerrivale wohl entscheidend distanziert. Dann hätte sich Real nur noch mit dem aktuellen Zweiten Atlético Madrid zu beschäftigen.

Aber erst einmal muss die Pflichtaufgabe in der Champion League erledigt sein. In Madrid träumt alles von der "Decima", dem zehnten Triumph in der Champions League. Seit 2002 hat Real den Wettbewerb nicht mehr gewonnen, eine für die Fans der "Königlichen" unerträglich lange Durststrecke. In diesem Jahr scheint das Team bereit zu sein. Ein Endspiel gegen den FC Bayern wäre der Kampf der Giganten, es wäre das Duell der derzeit besten Teams in Europa.

Ancelotti hat Erfahrung mit den Bayern. In seiner Zeit als Trainer beim AC Milan traf er sechsmal auf den deutschen Rekordmeister. Es gab keinen einzigen Münchner Sieg.

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
athb 18.03.2014
1. prognose
wäre auf jedenfall eine hammer begegnung. Mmn mit vorteilen für real. fcb dominiert zwar in der heimischen liga wie kein zweites zeam, jedoch ist die bl im durchschnitt sicherlich schwächer einzustuffen als andere grosse liegen. leistet sich der fcb eine erste hz. wie gegen arsenal ist schnell vorbei. real kontert extrem stark ist ständig gefährlich. das system des fcb ermöglicht real genügend räume bei den gegenstössen. vielleicht macht ein özil die nicht rein, welche bei rm dafür zuständig sind muss kaum erwähnt werden. bin auch kein real fan nur meine neutrale meinung
alpha0711 18.03.2014
2. ...
Zitat von sysopDPAUnter Trainer Carlo Ancelotti hat Real Madrid zu alter Stärke zurückgefunden. Der Italiener versteht sich auf den richtigen Umgangston mit den Superstars, die Konflikte bei den Königlichen sind befriedet. Das Team scheint bereit für den großen Champions-League-Traum. http://www.spiegel.de/sport/fussball/champions-league-carlo-ancelotti-bringt-real-madrid-erfolg-a-959312.html
Könnte diesmal für den Titel reichen. Hängt davon ab ob Ronaldo und Bale auch hinten mithelfen können / wollen. Der FC Bayern muss sich in jedem Fall steigern um gegen Real zu gewinnen (das Heimspiel gegen Arsenal hat mich wie letztes Jahr gar nicht überzeugt) Und Dortmund hätte dieses Jahr wohl leider keine so großen Chancen gegen Real zu bestehen auch wenn ich es mir als FCB Fan wünschen würde.
WhereIsMyMoney 18.03.2014
3.
Ja, nach Mourinho haben sie endlich wieder einen Trainer der Fussball spielen lässt. Doch ich traue Real noch nicht zu dass sie Bayern gefährlich werden können, wenn es ums verteidigen geht sind sie immer noch nicht so stabil wie sie sein sollten. Die Aussenstürmer helfen da einfach immer noch nicht genug, obwohl es ein bisschen besser geworden ist. Die einzigen Mannschaften die Bayern gefährlich werden könnten sind Atletico(die könnnen Fussball spielen UND verteidigen, dazu haben sie Costa der aus dem Nichts ein Tor machen kann) und die Dortmunder, falls sie denn mal komplett auflaufen können.
WhereIsMyMoney 18.03.2014
4.
Zitat von athbwäre auf jedenfall eine hammer begegnung. Mmn mit vorteilen für real. fcb dominiert zwar in der heimischen liga wie kein zweites zeam, jedoch ist die bl im durchschnitt sicherlich schwächer einzustuffen als andere grosse liegen. leistet sich der fcb eine erste hz. wie gegen arsenal ist schnell vorbei. real kontert extrem stark ist ständig gefährlich. das system des fcb ermöglicht real genügend räume bei den gegenstössen. vielleicht macht ein özil die nicht rein, welche bei rm dafür zuständig sind muss kaum erwähnt werden. bin auch kein real fan nur meine neutrale meinung
Nein, die Buli ist sicherlich nicht "schwächer" als andere große Ligen. Bayern lässt es nur so aussehen. Ich gehe jede Wette ein dass in keinem anderen Land das eigene, egal um was es geht, so negativ bewertet wird wie in Deutschalnd. Wieso eigentlich?
ein schelm ... 18.03.2014
5.
Zitat von athbwäre auf jedenfall eine hammer begegnung. Mmn mit vorteilen für real. fcb dominiert zwar in der heimischen liga wie kein zweites zeam, jedoch ist die bl im durchschnitt sicherlich schwächer einzustuffen als andere grosse liegen. leistet sich der fcb eine erste hz. wie gegen arsenal ist schnell vorbei. real kontert extrem stark ist ständig gefährlich. das system des fcb ermöglicht real genügend räume bei den gegenstössen. vielleicht macht ein özil die nicht rein, welche bei rm dafür zuständig sind muss kaum erwähnt werden. bin auch kein real fan nur meine neutrale meinung
Ich sehe Real derzeit auch als grösste Gefahr für die Bayern an, wäre sicher eine heisse Kiste! Aber gegen Real sah man eigentlich immer gut aus... Viva la bestia negra! ;)
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