Ronaldos Fallrückzieher gegen Juve Ein Tor für die Ewigkeit

Sogar die gegnerischen Fans verneigten sich: Cristiano Ronaldo hat Real Madrid mit einer überragenden Leistung zum Sieg bei Juventus geführt - und dabei einen Treffer für die Geschichtsbücher erzielt.

Real Madrids Cristiano Ronaldo
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Real Madrids Cristiano Ronaldo

Aus Turin berichtet Eike Hagen Hoppmann


Es dauerte ein paar Sekunden, bis die 40.849 Zuschauer im Stadion von Juventus realisiert hatten, was da gerade passiert war. Dann erhob sich ein Großteil von ihnen von den Plätzen und applaudierte. Sie hatten ein besonderes Tor miterlebt.

63 Minuten waren im Dauerregen von Turin gespielt, als Real Madrids Cristiano Ronaldo nach einer Flanke von Daniel Carvajal waagerecht in der Luft lag und den Ball per Fallrückzieher ins Tor wuchtete. "Es war ein spektakuläres Tor", sagte Ronaldo in einem Video auf der Vereinshomepage. "Möglicherweise eines der besten meiner Karriere."

Es kommt selten vor, dass ein Spieler für ein Tor Standing Ovation von den Fans des Gegners bekommt. So sehr die Anhänger von Juventus der Gegentreffer geärgert haben muss: Sie fanden die Kraft, einen der besten Treffer der vergangenen Jahre zu würdigen. Die Fußballwelt schien sich in diesem Moment vor Ronaldo zu verneigen. "Die Geste des Publikums zeugt von großer Klasse", sagte Reals Verteidiger Raphael Varane nach der Partie.

Die Teamkollegen konnten Traumtor und Sieg mit Ronaldo anschließend aber gar nicht richtig feiern, weil der Portugiese noch lange bei der Dopingkontrolle festsaß. Vor den Journalisten äußerte er sich nicht, es blieben allein die Bilder.

Die erneute Ronaldo-Show

Auch Madrids Trainer Zinédine Zidane konnte im ersten Moment nicht so wirklich glauben, was er da an der Seitenlinie gesehen hatte und fasste sich ungläubig an den Kopf. "Cristianos Tor ist eines der schönsten in der Geschichte des Spiels", sagte er später. Zidane hatte als Spieler im Champions-League-Finale 2002 gegen Leverkusen selbst ein inzwischen legendäres Tor geschossen. "Man kann es mit meinem Tor von Glasgow vergleichen", sagte Zidane und fügte hinzu: "Aber das von mir war schöner." Der Franzose musste lachen und kein Zuhörer wollte ihm das so wirklich glauben.

Reals 3:0-Sieg im Viertelfinale der Champions League war, wieder einmal, ein Abend, an dem allein Ronaldo im Mittelpunkt stand. Nach 167 Sekunden erzielte er mit dem ersten Torschuss seinen ersten Treffer. Da hatte das Publikum Ronaldo noch nicht ins Herz geschlossen: Beim Jubel vor der Juventus-Fankurve wurde er ausgepfiffen. Für Ronaldo war aber bereits das ein besonderer Treffer: Als erster Spieler der Champions-League-Geschichte hat der 33-Jährige in zehn aufeinanderfolgenden Partien mindestens ein Tor erzielt.

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Ronaldo-Gala bei Juventus: Schöner geht's nicht

Auch am dritten Treffer der Gäste durch Marcelo (72.) war Ronaldo als Vorlagengeber beteiligt. Juventus ist für ihn so etwas wie ein Lieblingsgegner: In den vergangenen sechs Duellen hat er insgesamt neunmal getroffen. Für Juve dagegen ist der Portugiese ein Albtraum: Bereits im Champions-League-Finale im vergangenen Jahr traf Ronaldo gegen Turin doppelt. Aller Voraussicht nach scheitert die Alte Dame nun erneut an den Königlichen.

Dabei war Juventus in dem temporeichen Spiel keine drei Tore schlechter. Die Gastgeber waren aber letztendlich chancenlos, weil Ronaldo ein Kunstwerk gelang - und Zidane das richtige Händchen beim Personal bewies. Vier Spieler standen ihm für die dritte Position für einen freien Platz in der Startaufstellung zur Verfügung: Isco, Gareth Bale, Lucas Vázquez und Marco Asensio. Zidane setzte auf Isco - und lag damit richtig. Der 25-Jährige bereitete nicht nur Ronaldos Tor vor, sondern brachte jeden seiner 54 Pässe an einen Mitspieler.

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Real auf dem Weg zum Champions-League-Triple?

Nach dem Spiel in Turin stellt sich die Frage: Wer soll Real in der Champions League schlagen? Die Königlichen haben den Status als Top-Favorit auf beeindruckende Weise untermauert, was angesichts der durchwachsenen Saison in der Liga (Platz drei, 13 Punkte Rückstand auf Barcelona) nicht unbedingt zu erwarten war. Die Wahrscheinlichkeit ist noch einmal gestiegen, dass Real am 26. Mai in Kiew zum dritten Mal in Folge den Titel holen wird.

Die einzige gute Nachricht für Fans der restlichen verbleibenden Mannschaften in der Champions League ist, dass auch Ronaldo an diesem Abend nicht jede Aktion gelang: In der Nachspielzeit setzte er den Ball freistehend aus vier Metern deutlich über das Tor. Aktuell kann sich Ronaldo nur selbst stoppen.

Juventus Turin - Real Madrid 0:3 (0:1)
0:1 Ronaldo (3.)
0:2 Ronaldo (64.)
0:3 Marcelo (72.)
Juventus: Buffon - De Sciglio, Barzagli, Chiellini, Asamoah (69. Mandzukic) - Khedira (75. Cuadrado), Bentancur - Costa (69. Matuidi), Alex Sandro - Higuaín, Dybala
Real: Navas - Carvajal, Ramos, Varane, Marcelo - Kroos, Casemiro - Modric (82. Kovacic), Isco (75. Asensio) - Benzema (59. Lucas Vázquez), Ronaldo
Schiedsrichter: Cakir (Türkei)
Zuschauer: 40.849
Gelb-Rote Karte: Dybala
Gelbe Karten: Bentancur - Ramos, Kovacic



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kopi4 04.04.2018
1.
Geniales Tor.Aber Real gleich zum Favoriten auf den Titel ernennen? In einem Halbfinale mit Real,Barca,ManCity und Bayern gibt es keine eindeutigen Favoriten, da werden die Unterschiede nicht mehr so eindeutig sein wie jetzt im Viertelfinale.
c124048 04.04.2018
2.
Na, ob das für die Ewigkeit reicht .... weiss ich nicht. Allerdings hat es zumindest das Potential dazu: Von Klaus Fischers Fallrückzieher (n) (besonders dem von 1977) spricht ja auch heute noch jeder bessere/ältere Kommentator
Schiri-Schreck 04.04.2018
3.
...Und schon wieder werden die Fallrückzieher von Fischer dazu genommen...CR7 kann halt noch ein bisschen mehr als ein gewisser Fischer...
ichliebeeuchdochalle 04.04.2018
4. Irregulär
Fallrückzieher Tore gibt es in jeder Erstliga Saison mehrere. Und auch für die Champions-Liga ist das nicht neu. Insofern ist Ronaldos nur eines von vielen. Man sieht auch deutlich, daß der gegnerische Spieler aus Angst, voll am Kopf getroffen zu werden, diesen wegzieht. Der Treffer hätte also wegen gefährlichem Spiel nicht gegeben werden dürfen.
Shelly 04.04.2018
5. Was mich ärgert?
Gut, ich kann nicht leugnen, dass ich kein Fan von Ronaldo bin und das Ergebnis mit 0:3 auch ein Stück besser ist als ein 1:2. Was mich trotzdem ärgert, dass ausländische Vereine und Spieler etwas mehr glorifiziert werden, als die Deutschen. Dusel, Eigentore, selbst kein Tor geschossen, müssen sich noch steigern etc. Zu Eigentoren muss ein Gegner meist gezwungen werden und wer das Spiel gesehen hat, der weiß das. Ich habe gestern Sevilla als extrem unangenehm zu spielende Mannschaft erlebt, Bayern hat sich nach der Pause gesteigert (was ein anderer Super-Super-Trainer - komischerweise immer gegen spanische Gegner - nie zustande brachte). Zum Schluss überließ der FCB den Spaniern den Ball, nicht, weil sie nicht anders konnten, sondern weil sie wussten, dass sich Sevilla da schwer tut und sie stark genug waren, ein Ausgleichstor zu verhindern. Das ist für mich auch eine großartige Leistung. Zum 3:0 zu treffen, klar schönes Tor, so ein Fallrückzieher hätte beim FCB auch klappen können, hat er leider nicht, wird auch bei Ronaldo nicht immer klappen. Aber bitte, weiter so: Real (und die anderen) sind absolute Weltspitze und Bayern hat mal grade so mit Dusel gewonnen. Das wird vielleicht auch nochmal Realität, wenn die BL noch schlechter wird und die CL-Stammplätze wegfallen.
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