Liverpools Sieg gegen Hoffenheim Strauchelnd in Richtung Königsklasse

Der FC Liverpool hat sich im Hinspiel der Champions-League-Qualifikation knapp gegen Hoffenheim durchgesetzt. Trotz des Erfolgs bereitet Jürgen Klopp vor allem die Defensive Sorgen. Alles Wichtige zum Spiel.

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Klopp vs. TSG: Hoffenheim gehört in der Champions-League-Qualifikation zu den unbequemsten Gegnern, auf die ein Spitzenklub wie Liverpool treffen kann. Im Grunde hätte sich der Trainer der Reds, Jürgen Klopp, dieses Aufeinandertreffen aber ersparen können: Am letzten Spieltag der Bundesligasaison 2012/2013 traf er, damals noch als BVB-Coach, auf Hoffenheim und hatte die Chance, den Verein in die Zweitklassigkeit zu schießen - doch Hoffenheim gewann überraschend 2:1. Nun, vier Jahre später, könnte 1899 erstmals in die Königsklasse einziehen.

Ergebnis: Hoffenheim unterliegt Liverpool im Playoff-Hinspiel trotz einer starken ersten Hälfte 1:2 (0:1). Hier geht es zum Spielbericht.

Rückkehr in die "alte Heimat": Viereinhalb Jahre spielte Roberto Firmino für 1899 Hoffenheim. Der Transfer zählt zu den rentabelsten Geschäften, die ein Bundesligaklub je getätigt hat. 2011 kam der Brasilianer vom Tombense FC für vier Millionen Euro. 49 Pflichtspiel-Tore später zog es den 25-Jährigen für 41 Millionen Euro zum FC Liverpool. Gegen seinen Ex-Klub blieb Firmino aber ein Treffer verwehrt.

Erste Hälfte: Hoffenheim ein Außenseiter? Von wegen! Das Team von Trainer Julian Nagelsmann spielte mutig und hatte Chancen. Nach dem verschossenen Elfmeter von Andrej Kramaric (12. Minute), dem ein Foulspiel von Dejan Lovren an Serge Gnabry vorausgegangen war, traf Sandro Wagner kurz vor der Pause noch den Außenpfosten (43.). Der Treffer der Gäste fiel dementsprechend glücklich. Trent Alexander-Arnold verwandelte einen Freistoß aus 25 Metern direkt (35.). Vor dem Pausenpfiff hätte Lovren sogar noch erhöhen können (45.+1).

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Champions League: Uth macht Hoffenheim Hoffnung

Fußball-Romantik: Es sind Geschichten, wie sie die Menschen in Liverpool lieben. Trent Alexander-Arnold, bislang nur Premier-League-Fans ein Begriff, brachte die Reds durch einen direkt verwandeltem Freistoß in Führung. Der 18-Jährige spielt seit 2004 für den Klub und durchlief seitdem sämtliche Junioren-Auswahlen des Landes. Der laufstarke Brite dürfte nicht nur wegen seines Tors schon bald auf den Wunschzetteln der Top-Teams stehen.

Strauchelnde Abwehr: Ein berühmtes Fußball-Sprichwort besagt: "Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive die Meisterschaft". Genau darin liegt aktuell Liverpools Problem. Der Klub, der schon beim Premier-League-Auftakt gegen Watford drei Tore kassiert hatte, ist defensiv extrem anfällig. Das zeigte sich auch gegen Hoffenheim. In der ersten Hälfte gewannen die Reds nur 46 Prozent ihrer Zweikämpfe, zudem strahlt der in der Kritik stehende Torwart Simon Mignolet nur wenig Sicherheit aus. Ein Glück, dass sich die Liverpool-Fans auf treffsichere Angreifer verlassen können.

Zweite Hälfte: Liverpool zeigte sich nach Wiederbeginn zunächst stärker. Nach vergebenen Chancen von Mohamed Salah und Sadio Mané unterlief dem eingewechselten Havard Nordtveit ein Eigentor. Der Zugang von West Ham United fälschte eine Flanke von James Milner ins eigene Tor ab (74.). Immerhin: Nach einem Stellungsfehler von Reds-Verteidiger Lovren verkürzte Mark Uth kurz vor Schluss noch auf 1:2 (88.).

Duell an der Seitenlinie: Jürgen Klopp und Julian Nagelsmann zählen zu den interessantesten Trainer-Persönlichkeiten Deutschlands. Der eine, Klopp, ist temperamentvoll und gilt als großer Motivator. Der andere, Nagelsmann , wird trotz seines jungen Alters (30) schon jetzt als kommender Bundestrainer gehandelt. Der erste Vergleich der beiden ging an den Routinier.

Erkenntnis des Spiels: Pfostentreffer, verschossener Elfmeter, unglückliches Gegentor - Hoffenheim war gegen Liverpool phasenweise vom Pech verfolgt. Trotz der schlechten Ausgangslage für das Rückspiel am 23. August (20.45, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky und ZDF) sollte Hoffenheim die anfällige Defensive des Gegners Mut machen. Auch an der Anfield Road werden sich den Gästen Chancen bieten.

1899 Hoffenheim - FC Liverpool 1:2 (0:1)
Tore:
0:1 Alexander-Arnold (35.)
0:2 Nordtveit (74. Eigentor),
1:2 Uth (88.)
Hoffenheim: Baumann - Bicakcic (52. Nordtveit), Vogt, Hübner - Rupp (53. Amiri), Demirbay - Kaderabek, Zuber - Kramaric, Gnabry (70. Uth) - Wagner
Liverpool: Mignolet - Alexander-Arnold, Joel Matip, Lovren, Moreno - Henderson (63. Milner) - Can, Wijnaldum - Salah, Firmino (84. Solanke), Mane (89. Grujic) Schiedsrichter: Kuipers
Zuschauer: 25.568
Gelbe Karten: Bicakcic, Hübner - Can, Alexander-Arnold



insgesamt 15 Beiträge
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checkitoutple 16.08.2017
1. Klopp hat da sicher an seine Vergangenheit gedacht
Seine erste Saison mit Dortmund, da waren die Hoffnungen ziemlich groß aber für die Champions league hat die cleverness gefehlt. Denke mal die Europa League ist der bessere Weg für Hoffenheim dort können sie sich Internationale Härte antrainieren und dann nächste Saison durchstarten. Wobei das Los Liverpool eben auch wirklich nicht gerade ein Glücklos war. Wenn Hoffe dann die Gruppenphase überstanden hat dann war das ganze trotzdem ein Erfolg. Wenn dann Köln dort die Meisterschaft geholt hat ist für Deutschland alles gut.
oalos 16.08.2017
2. Mal ehrlich.
Pfostentreffer und verschossene Elfmeter haben nix mit Pech zu tun, sondern mit handwerklichem Misslingen. Am normalen Arbeitsplatz kann auch niemand seinem Chef sagen: so ein Pech aber auch, immer knapp daneben! Hoffenheim hat auch kein 'unglückliches' Gegentor hinnehmen müssen, sondern ein wunderbares Freistosstor kassiert, welches - auf deutscher Seite erzielt - in die Auswahl zum Tor des Monats genommen worden wäre. Das abgefälschte Tor in der 2. Halbzeit ? War die Belohnung für die Entschlossenheit, aus aussichtsreichster Position eben abzuziehen. Auch die Ansicht der Verlierer im anschliessenden Interview nach dem Spiel, man wäre die bessere Mannschaft gewesen wg. Spielanteil und Ballbesitz ist strunz: bei diesem Spiel geht es darum, dass man nicht im Besitz des Balles ist, sondern dass der sich im Tor des Gegners befindet...
gibmichdiekirsche 16.08.2017
3.
Die ausgebufftere Mannschaft hat nicht unbedingt überzeugend aber auch nicht unverdient mehr als die Hälfte der Miete für das Weiterkommen eingefahren. Wenn Hoffenheim schon vor eigenem Publikum so fahrig agiert (der leichtfertig verschossene Elfer war symptomatisch), wie soll das erst nächste Woche an der Anfield Road werden? Man muss der TSG aber zubilligen, dass sie die Bundesliga ordentlich vertreten und ein vorzeigbares Spiel auf europäischem Parkett gemacht hat.
dus_cph 16.08.2017
4. warum steht Sandro Wagner dauernd meterweise im Abseits?
der Kerl ist einfach nicht anspielbar, weil immer die Fahne hochgeht, oder er nicht zum Ball gehen darf. Der Anschlusstreffer war doch das beste Beispiel dafür, wie man die LFC Abwehr aushebelt – leider 85 Minuten zu spät. Faktisch hat die TSG nur mit 10 Spielern den Abend verbracht, bis auf die wenigen Situationen, in denen Wagner mal seine Dauer-Abseitsposition verließ. Diese Niederlage war völlig unnötig.
martin100 16.08.2017
5. Noch zu grün hinter den Ohren
Hoffenheim hat sich ordentlich präsentiert. Mit Unmengen an Geld und den richtigen Leuten am Ruder wurde dort eine deutsche Spitzen Mannschaft aufgebaut. Man hat deutlich gesehen, was zur internationalen Spitze noch fehlt. Mit Hurra Fußball gewinnt man nichts. Liverpool war abgezockter und cleverer. In der Offensive haben die auch schneller gespielt. Begeistert hat mich auch die Ballsicherheit. Hoffenheim kann in ein paar Jahren auch dort hin kommen. Der FC Bayern braucht nationale Konkurrenz. Wäre schlimm für die Bundesliga, wenn die auch die nächsten Jahre Meister werden und es eigentlich nur um die Höhe des Punktevorsprungs auf den zweiten geht.
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