BVB-Pleite in Neapel: Halbzeit des Grauens

Von Christian Paul

Das Spiel? Verloren. Trainer Jürgen Klopp? Nach Wutanfall auf die Tribüne verbannt. Mats Hummels verletzt, Roman Weidenfeller gesperrt: Viel schlimmer hätte Dortmunds Champions-League-Auftakt in Neapel nicht laufen können. "Alles was gegen uns passieren konnte, ist gegen uns passiert", sagte Nuri Sahin.

AP/dpa

Nach dem Fußballspiel wurde bei Borussia Dortmund nur sehr wenig und sehr ungern über Fußball geredet. Ein sicheres Zeichen dafür, dass in den Minuten zuvor einiges schiefgelaufen sein musste für den Club, der sich bisher in guter Frühform präsentiert hatte.

Der Auftakt in die neue Champions-League-Spielzeit ging für den BVB gründlich daneben. Die Schreckensbilanz vom Mittwochabend lautet: ein Trainer auf der Tribüne, ein verletzter Innenverteidiger und ein rotgesperrter Stammtorhüter. Ein verlorenes Spiel (1:2) gab es noch als kostenlose Dreingabe dazu.

"Zwischen der 15. Minute und der Halbzeit waren wir im falschen Film", sagte BVB-Profi Nuri Sahin: "Alles was gegen uns passieren konnte, ist gegen uns passiert." Dortmund haderte mit einer Partie, die dem Tabellenführer der Bundesliga innerhalb von 45 Minuten entglitten war. Beteiligt daran war auch Trainer Jürgen Klopp, der nach dem Schlusspfiff zerknirscht zugeben musste, dass "wir heute nicht unser allerschönstes Gesicht gezeigt haben".

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Dortmunds Niederlage in Neapel: Zu zehnt und ohne Trainer
Nach dem 0:1 durch Gonzalo Higuaín (29. Minute) baute sich Klopp mit wutverzerrtem Gesicht vor dem vierten Offiziellen auf. Sauer, extrem sauer, darüber, dass der im Gesicht behandelte Neven Subotic seiner Meinung nach zu spät wieder aufs Feld durfte. "Ich empfand es als ungerechtfertigt, was da passiert ist", sagte Klopp, der von Schiedsrichter Pedro Proenca prompt auf die Tribüne geschickt wurde. Es war das erste Mal, dass der BVB-Coach in der Champions League so bestraft wurde.

"Das muss ich erst mal sacken lassen"

"Ich habe mich bei der Mannschaft schon entschuldigt, beim Schiedrichter und beim vierten Offiziellen. Ich habe das falsch eingeschätzt", sagte Klopp. Den Rest der Partie soll er vom Büro des Stadionhausmeisters aus verfolgt haben. Von dort sah Klopp den Platzverweis von Roman Weidenfeller, der außerhalb des Strafraums mit der Hand klärte (45.+1), und die verletzungsbedingte Auswechslung von Mats Hummels (Schlag in den Rücken). Es war eine Halbzeit des Grauens.

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Klopps Ausraster: Veitstanz, Platzverweis, Entschuldigung
Erklärungen dafür, warum der Auftritt des BVB zu diesem Zeitpunkt auch spielerisch Stoff für unangenehme Erinnerungen bot, gab es nach dem Schlusspfiff keine. Parallelen zu Auswärtsspielen der Champions-League-Saison 2010/2011 waren nicht zu übersehen: ungewöhnlich viele, leichte Fehler, Ballverluste, Nervosität. All das, was der BVB auch international eigentlich längst überwunden hatte.

"Das muss ich erst mal sacken lassen. Das Spiel lebte von drei unglücklichen Momenten. Ich fand nicht, dass wir schlechter waren", sagte Club-Präsident Reinhard Rauball. Robert Lewandowski vor der Pause (26. Minute), ein Lattentreffer von Pierre-Emerick Aubameyang (70.) und ein Schuss von Jonas Hofmann (80.) waren allerdings alles, was die (dezimierte) BVB-Mannschaft bis zum Schluss zustande brachte.

Neapel spielt anders als erwartet

Gegen ein Team, das Klopp zuvor als dem BVB "gar nicht so unähnlich" bezeichnet hatte. Das am Mittwoch aber zunächst gar nicht so spielte. Erstaunlich abwartend und defensiv empfingen die Gastgeber den BVB. Die begnadeten Offensivkräfte Gonzalo Higuaín und Marek Hamsik lauerten auf Fehler der Gäste - und wurden reichlich belohnt.

"Wir haben nicht das gespielt, was wir wollten und können", ärgerte sich Klopp. Der mutmaßlich stärkste Gruppengegner der Dortmunder, der 2013 noch kein Heimspiel verloren hat, machte den Erfolg durch einen verwandelten Freistoß von Lorenzo Insigne (67.) perfekt. Dortmund kassierte vier Tage nach dem umjubelten 6:2-Triumph über bemitleidenswert schwache Hamburger in der Bundesliga die erste Pflichtspielpleite der Saison.

Zu einer Prognose über eine Gruppe, in der laut Klopp alle vier Teams weiterkommen oder auch an der Qualifikation zur Europa League scheitern könnten, taugt der Abend aber nicht. Neapel profitierte letztlich auch davon, dass das "Monster mit drei Köpfen" (SSC-Präsident Aurelio De Laurentiis über den BVB) zu spät zum Anschluss kam.

"Ohne die Rote Karte, die Verletzung und meine Rote Karte wäre hier etwas drin gewesen", sagte Klopp. Am zweiten Spieltag am 1. Oktober ist Olympique Marseille in Dortmund zu Gast. Ein Team, das dem BVB in der Saison 2011/2012 zwei ganz bittere Pleiten (0:3, 2:3) zufügte. Für die Borussia und ihren Trainer wird es der willkommene Gegner sein, um ein anderes Gesicht zu zeigen.

SSC Neapel - Borussia Dortmund 2:1 (1:0 )
1:0 Higuaín (29.)
2:0 Insigne (67.)
2:1 Zúñiga (87., Eigentor)
Neapel: Reina - Maggio, Albiol, Britos, Zúñiga - Inler, Behrami - Callejon, Hamsik (90+2.), Insigne (73. Mertens) - Higuaín (78. Pandev)
Dortmund: Weidenfeller - Großkreutz, Subotic, Hummels (45. Aubameyang), Schmelzer -Sahin, Sven Bender - Blaszczykowski (45+1. Langerak), Mchitarjan (76. Hofmann), Reus - Lewandowski Schiedsrichter: Pedro Proenca (Portugal)
Zuschauer: 55.766
Gelbe Karten: Behrami, Britos, Insigne - Schmelzer
Rote Karte: Weidenfeller (45+1.)

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1. Kloppos Ausraster
laurismauris 19.09.2013
Klopps berserkerhafte Ausraster nerven nahezu wöchentlich in der Bundesliga. Immer wieder bedrängt er die vierten Offiziellen lauf schreiend, Gesicht an Gesicht, als stünde er unter Drogen. Sein Gegenüber sollte seiner Ansicht nach wie reagieren? Endlich hat ein Schiedsrichtergespann diesem Treiben ein Ende gesetzt. Zwei Spiele Strafe wären angebracht, um diese arrogante Unart eines Spitzentrainers angemessen zu entlohnen.
2. wow,
camou 19.09.2013
"Neapel profitierte letztlich auch davon......zu spät zum Anschluss kam. was für eine tief schürfende erkenntnis.
3.
pt71118 19.09.2013
Der BVB spielte in der Saison 2010/11 nicht in der Champions League. Der Autor meint wohl die Saison 2011/12.
4. Pech? Nur teilweise
blackdressed 19.09.2013
Die Kommentare zum Spiel klingen seit gestern so, als ob nur Pech im Spiel gewesen wäre. Das mit Hummels ist wirklich Pech. Aber Klopp hat ja selbst zugegeben, dass seine Reaktion, sagen wir mal, überzogen war. Und Weidenfeller muss sich halt auch mal etwas zurücknehmen, um der Mannschaft nicht zu schaden.
5. warum
ulf beinhorn 19.09.2013
schafft es keine andere Mannschaft als Bayern München in entscheidenen Spielen auch mal zu gewinnen?
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