Aus Amsterdam berichtet Rafael Buschmann
Hans-Joachim Watzke könnte mal wieder ins Schwarze getroffen haben. Der Geschäftsführer von Borussia Dortmund hatte Ende August mitansehen müssen, wie sein Club in der Champions League einen Meister nach dem anderen zugelost bekam: Ajax, Manchester City, Real Madrid. Watzkes trockener Kommentar damals: "In dieser Gruppe werden Helden geboren."
Was vor einigen Monaten noch nach Zweckoptimismus klang, ist tatsächlich - zumindest ein Stück weit - eingetroffen. Marcel Schmelzers Siegtor gegen Real Madrid, Robert Lewandowskis Gala-Auftritt in der spanischen Hauptstadt oder Roman Weidenfellers herausragende Paraden beim 1:0-Sieg gegen Ajax Amsterdam - einige Dortmunder Spieler sind einer Art Heldenstatus bereits näher gekommen.
Nach der Saison 2011/2012, in der der BVB international auf ganzer Linie enttäuscht hatte, folgten diesmal starke Auftritte in der Gruppe D. "Alles schön und gut: Aber gewonnen haben wir immer noch nichts", sagt Jürgen Klopp. Der Borussia-Trainer weiß vor dem Rückspiel gegen Ajax Amsterdam (20:45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), dass die Ausgangslage zwar "bestens" ist, aber auch trügerisch.
"Wir haben jetzt verstanden, was wir können"
Lediglich ein Unentschieden benötigen die Dortmunder aus einem der beiden letzten Gruppenspielen gegen Ajax und ManCity, um das erste Überwintern im europäischen Wettbewerbsfußball seit der Saison 2002/2003 perfekt zu machen. Sollte Dortmund das erste Matchball-Spiel gegen Amsterdam jedoch verlieren, würde der Druck wohl vor dem letzten Gruppenspiel gegen Manchester wieder enorm steigen.
"Wir sind als Mannschaft reifer geworden. Dazu hat auch die vergangene Rückrunde geführt, in der wir uns voll auf unseren Umgang mit Druck konzentrieren konnten. Wir haben zuletzt alle wichtigen Spiele für uns entscheiden können", sagt Klopp. Es ist eine neue Form des Selbstvertrauens, die beim Double-Sieger spätestens mit den beiden Spielen gegen Real Madrid gewachsen ist. "Wir haben jetzt verstanden, was wir können", sagt Mittelfeldspieler Mario Götze.
Zum Selbstvertrauen kommt derzeit auch eine spielerische Stabilität, die man dem BVB nach den Startschwierigkeiten in dieser Bundesliga-Saison kaum noch zugetraut hatte. Mit 22 Punkten liegen die Dortmunder in der Bundesliga nur einen Punkt hinter der Ausbeute der Vorsaison, die sie mit einem Rekordwert von 81 Zählern abschlossen. "Unser Spiel gegen den Ball hat sich deutlich verbessert. Es arbeitet wieder jeder für den Erfolg. Wir sind zurück in der Spur", so Klopp.
Gegen Amsterdam werden viele der Automatismen, die Klopp seiner Mannschaft zuletzt mühsam wieder antrainiert hat, auf die Probe gestellt werden. Denn obwohl Ajax beim Hinspiel in Dortmund 0:1 verlor, zeigte das Team von Frank de Boer, dass es einen außergewöhnlich disziplinierten, kompakten Fußball spielen kann.
Aus einem tief gestaffelten Mittelfeld heraus fährt Ajax schnelle Angriffe, die die drei Stürmer im Tor unterbringen sollen. "Amsterdam ist ähnlich gierig wie wir", sagt Klopp. Der BVB wird den Niederländern diesmal wohl mit sehr viel Geduld im Spielaufbau begegnen und die "reifere Spielanlage", wie Klopp es nennt, für sich nutzen wollen.
Kann die Mannschaft an die Leistungen der vergangenen Spiele anknüpfen, könnte sie sich den Einzug ins Achtelfinale schon am Abend sichern. Wahrscheinlich wird Watzke in diesem Fall seinem gesamten Kader den Heldenstatus verleihen wollen.
Voraussichtliche Aufstellungen Ajax Amsterdam - Borussia Dortmund
Dortmund: Weidenfeller - Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek - Gündogan, Bender - Reus, Götze, Großkreutz - Lewandwoski
Amsterdam: Vermeer - van Rhijn, Alderweireld, Moisander, Blind - de Jong, C. Poulsen, Schöne - Boerrigter, Eriksen, Fischer
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