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Dortmunds Remis in Donezk: Um Hummels' Willen

Aus Donezk berichtet

DPA

Lattenkopfball, verschuldetes Gegentor, Ausgleichstreffer - das Spiel zwischen Schachtjor Donezk und Borussia Dortmund war für Mats Hummels eine Achterbahnfahrt. Vor allem zeigte es einmal mehr: Der BVB-Abwehrchef und die Dortmunder Defensive sind derzeit eine einzige Gefahrenzone.

Der nächste Dortmunder Angriff war längst wieder angelaufen, da gestikulierte Mats Hummels theatralisch in Richtung der BVB-Trainerbank. Er kreuzte seine Arme, deutete auf einen Punkt in der Nähe des Sechzehnmeterraums, zeigte dann wieder nach vorne. Es sah aus, als wolle er den gerade kassierten 1:2-Gegentreffer pantomimisch nachspielen - und damit zugleich eine Erklärung für seinen kurz zuvor verursachten Fehler liefern.

Denn der erneute Führungstreffer des ukrainischen Meisters war das Ergebnis eines groben Fehlers des Dortmunder Innenverteidigers gewesen. Als der Schachtjor-Abwehrspieler Yaroslav Rakitskiy in der 68. Minute einen 30-Meter-Pass auf den eingewechselten Douglas Costa schlug, verschätzte sich Hummels vollkommen und unterlief den Ball. Costa, den auch der herbeigeeilte Marcel Schmelzer nicht an seiner Direktabnahme hindern konnte, traf am chancenlosen Keeper Roman Weidenfeller vorbei ins Tor.

Der zweite BVB-Rückstand in diesem Spiel, das am Ende leistungsgerecht 2:2 endete, war zugleich auch Symbolbild für die aktuelle Dortmunder Saison. Denn während sich die quirlige, durchschlagkräftige Offensivabteilung der Borussia um Robert Lewandowski und Mario Götze Angriff für Angriff abmüht und Chancen kreiert, schlägt es im eigenen Kasten ständig ohne wirkliche Gefahr ein. Für den BVB war es in dieser Saison bereits der siebte Champions League-Gegentreffer im siebten Duell, in der Bundesliga kassierte die Borussia sogar schon 26 Gegentore in 21 Spieltagen. Souveränität und Sicherheit sehen anders aus.

Hummels streut seit Saisonbeginn etliche Fehler in sein Spiel

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Donezk vs. BVB: Slapstick-Tor und Schlafsekunde
Hummels, im vergangenen Jahr als neuer Abwehrstar des deutschen Fußballs gefeiert, wird immer mehr zum unglücklichen Hauptakteur der Dortmunder Defensivkrise. Der sonst sehr umsichtige und robuste, aber auch technisch versierte Abwehrmann leistet sich seit Saisonbeginn unzählige Patzer. Die Palette reicht dabei von ungenauen Pässen bis hin zu Stellungsfehlern und verlorenen Laufduellen. "Fehler passieren, das kann man nicht ändern. Man hat auch schon größere gesehen als meinen heutigen", sagte Hummels nach der Partie.

Es ist auch nicht so, dass der 24-Jährige der Alleinschuldige an der löchrigen Defensive ist. Auch Torwart Weidenfeller gab nicht wirklich seine beste Vorstellung ab. Zudem multiplizieren die langwierige Verletzung seines eigentlichen Abwehrpartners Neven Subotic oder die Adduktorenprobleme des auch gegen Donezk wieder schwachen Lukasz Piszczek jeden Hummelschen Fehltritt um ein Mehrfaches. "Wir machen im Moment viel zu viele Fehler beim Verteidigen. Das fängt aber schon vorne bei uns an. Den langen Ball vor dem 2:1 dürfen wir gar nicht erst zulassen. Das Gegentor war richtig blöd", sagte Mario Götze.

"Mannschaft hat Charakter und Willen"

Dass Borussia Dortmund trotz der Defensivaussetzer immer noch beste Chancen auf ein Weiterkommen ins Viertelfinale besitzt, liegt allerdings ebenfalls an Hummels. Denn so schwach er gegen Donezk in der Abwehr agierte, so stark war er im gegnerischen Strafraum. In der ersten Halbzeit köpfte Hummels einen Ball an die Latte, in der 87. Minute machte er es dann besser: Nach einem Schmelzer-Eckball erzielte er per Kopf den umjubelten 2:2-Ausgleich und schaffte damit eine hervorragende Ausgangsposition für das Rückspiel.

"Zweimal nach Rückständen so zurückzukommen, zeugt von Charakter und Willen. Den hat diese Mannschaft eindeutig", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Dass charakterliche Eigenschaften auf europäischem Top-Niveau aber nur bedingt ausreichen, ist kein Geheimnis. Sollte der BVB nicht in kürzester Zeit seine Abwehrprobleme in den Griff bekommen, sollte Hummels nicht langsam die Ausstrahlung und Abgeklärtheit der vergangenen Spielzeit zurückerhalten, wird es in den höheren Sphären der Champions League immer härtere Strafen für solche Fehler wie in Donezk geben.

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insgesamt 73 Beiträge
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1.
BlakesWort 14.02.2013
Ich würde es nicht allein an Hummels festmachen. Vielmehr merkt man dem BVB momentan eine gewissen Unlust beim Spiel an. Einigen Spielern wie Kuba, Piszczek, Hummels oder Lewandowksi fehlt im Moment das letzte Quentchen Spielfreude. Hinzu kommen dann individuelle Fehler wie von Santana oder unnötige Ballverluste im Spiel nach vorn, die auch Götze und Reuss gehäuft passieren und schnell als Bumerang zurückkommen. Das Spiel in Hamburg sollte ein Warnschuss gewesen sein, ein weiteres halbintensives Spiel wie gegen Donezk wäre fatal für diese Mannschaft, die wirklich riesiges Potenzial hat, aber Erfolge braucht, um sich selbst zu begeistern.
2. Dortmund-Bashing Teil ???
Psychofred 14.02.2013
so langsam wird es langweilig... Bei der Einzelkritik war der rechte Verteidiger noch schuld am 2:2 über die linke Abwehrseite. Und nun das: "Für den BVB war es in dieser Saison bereits der achte Champions League-Gegentreffer im siebten Duell..." Die Tordiffernenz der Hinrunde 11:5 - in einer Hammergruppe mit Real ManCity können durchaus auch Gegentore fallen - Bayern München hat in der Vorrunde bereits 7 Gegentore gefangen. 5 Gegentore in der Vorrunde 2 Gegentore gegen Donezk ist leider nicht 8...
3.
jacksparrow12345 14.02.2013
Zitat von sysopDPALattenkopfball, verschuldetes Gegentor, Ausgleichstreffer - das Spiel zwischen Schachtjor Donezk und Borussia Dortmund war für Mats Hummels eine Achterbahnfahrt. Vor allem zeigte es einmal mehr: Der BVB-Abwehrchef und die Dortmunder Defensive sind derzeit eine einzige Gefahrenzone. http://www.spiegel.de/sport/fussball/champions-league-dortmund-spielt-unentschieden-in-donezk-a-883282.html
Momentan hat der BVB sicherlich defensiv schwächen was allerdings nicht nur die Innenverteidiger betrifft sonder das ganze Team. Allerdings sollte man die Kirche im Dorf lassen denn in der Champ. Vorrunde war die defensivleistung sehr stark vorallem wenn man bedenkt das man gerade gegen offensiv starke Mannschaften gespielt hat. Es sind außerdem 7 Gegentore aus 7 Spielen u nicht 8 Gegentore dort ist ein Fehler im Artikel. Aber das ist auch mal wieder typisch die Presse entweder alles ist schlecht oder alles ist gut...ausgewogener wäre es gewesen wenn man hier auch die Defensive Klasse der Vorrunde bemerkt hätte...abgesehen davon war das eine ordentliche Leistung gestern denke ich.
4. Überzogen
eisbein2012 14.02.2013
Ich find Ihre Kritik völlig überzogen klar darf sowas nicht passieren und die mangelnde >Defensivleistung der letzten Spiele an Hummels festzumachen ist für mich nicht nachvollziehbar. Ich habe das ganze Spiel gesehen und mein Fazit lautet leistungsgerechtes Untentschieden mit dem Dortmund mehr anfangen kann. So ein Schwachsinn zu schreiben ich könnte brechen.
5.
jacksparrow12345 14.02.2013
Zitat von BlakesWortIch würde es nicht allein an Hummels festmachen. Vielmehr merkt man dem BVB momentan eine gewissen Unlust beim Spiel an. Einigen Spielern wie Kuba, Piszczek, Hummels oder Lewandowksi fehlt im Moment das letzte Quentchen Spielfreude. Hinzu kommen dann individuelle Fehler wie von Santana oder unnötige Ballverluste im Spiel nach vorn, die auch Götze und Reuss gehäuft passieren und schnell als Bumerang zurückkommen. Das Spiel in Hamburg sollte ein Warnschuss gewesen sein, ein weiteres halbintensives Spiel wie gegen Donezk wäre fatal für diese Mannschaft, die wirklich riesiges Potenzial hat, aber Erfolge braucht, um sich selbst zu begeistern.
Eine Unlust beim BVB hab ich schon lange nicht mehr gesehen. Aber so unterscheiden sich die Sichtweisen. Halbintensiv? wie intensiv war denn dann Donezk? Ich habe auch hier ein Engagiertes Spiel des BVB gesehen wo sicherlich nicht alles geklappt hat aber Halbintensiv ist etwas anderes.
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