Drei Thesen zu Hoffenheim gegen ManCity Nagelsmann ist der Gewinner der Niederlage

Ein individueller Aussetzer kostete Hoffenheim einen Punkt gegen Manchester City. Dass die TSG der Sensation überhaupt so nahe kam, lag vor allem an Trainer Julian Nagelsmann.

Julian Nagelsmann
ARMANDO BABANI/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Julian Nagelsmann

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1. Nagelsmanns Idee war mutig - und richtig

Für die TSG 1899 Hoffenheim war es das größte Spiel der bisherigen Vereinsgeschichte. Heimspiel in der Champions League, der Englische Meister mit Trainer Pep Guardiola zu Gast. Das einzige Problem: Vor dem Spiel meldeten sich fünf Innenverteidiger ab. Das 3-1-4-2-Stammsystem von Trainer Julian Nagelsmann erschien damit eigentlich unmöglich. Eigentlich. Nagelsmann hatte auch mit nur drei verbliebenen Spielern auf der zentralen Position in der Abwehr einen Plan.

Gegen den Ball agierte Hoffenheim gegen Manchester City mit einer Viererkette und zog Justin Hoogma, der erst am Wochenende sein Bundesligadebüt gefeiert hatte, ins Mittelfeldzentrum. So lief der City-Dreiersturm nicht direkt drei Innenverteidiger an. Das hieß für Hoffenheim: weniger direkte Duelle gegen individuell stärkere Gegenspieler. Bei Ballbesitz ließ sich Hoogma wieder fallen, aus der Viererkette wurde eine Dreierkette - so ergab sich für die TSG im eigenen Umschaltspiel eine stabile Absicherung.

Vor dem Defensivkonstrukt spielte die TSG gegen den Ball mit zwei Dreierketten. Hoogma, als defensivster Sechser, hielt Kerem Demirbay und Florian Grillitsch den Rücken frei. Davor standen mit Ádám Szalai, Ishak Belfodil und Joelinton drei wuchtige Angreifer. Belfodil traf bereits in der ersten Minute. Nagelsmann hat viel riskiert und sehr viel richtig gemacht. Letztlich stand es am Ende nur aufgrund eines individuellen Fehlers durch Stefan Posch 1:2.

2. Die TSG macht aus der Not eine Jugend

Nach den Ausfällen von fünf Innenverteidigern verfiel Nagelsmann nicht in Panik und verzichtete auf eine Systemumstellung. Stattdessen beorderte der Trainer in Kevin Akpoguma, Posch und Hoogma drei Innenverteidiger in die Startelf, die einen Altersdurchschnitt von etwas mehr als 21 Jahren haben. Nagelsmann vertraut seinen jungen Spielern - selbst gegen Manchester City.

Justin Hoogma (r.)
AFP

Justin Hoogma (r.)

Gleichzeitig schickte der TSG-Coach jeden dieser Spieler mit einem klar erkennbaren Plan in die Partie. Gerade Hoogma zeigte sich taktisch diszipliniert, redete und gestikulierte viel mit seinen Mitspielern - und gewann zehn seiner zwölf Zweikämpfe. Zudem hatte er acht Tackles und vier klärende Aktionen zu verzeichnen. Beides Höchstwerte in der Begegnung. Für einen Spieler, der vor anderthalb Wochen noch in der Regionalliga Südwest gegen die zweite Mannschaft von Mainz 05 gespielt hatte, ist das besonders bemerkenswert.

3. Nagelsmann setzt Funktionsspieler wie Joelinton perfekt ein

Zwei Jahre war Joelinton von Hoffenheim an Rapid Wien ausgeliehen. In Deutschland zunächst durchgefallen, entwickelte er sich in Österreich zu einem soliden Angreifer, ohne mit Topwerten zu glänzen. 15 Treffer erzielte er in 60 Partien. Dennoch erkannte Nagelsmann, wie wertvoll der Stürmer für ihn werden könnte. Der 22-Jährige ist ein Funktionsspieler: Im Hoffenheimer Drei-Mann-Sturm kam ihm gegen Manchester City die Rolle des Aufrührers in der gegnerischen Hälfte zu.

Joelinton (r.)
AFP

Joelinton (r.)

30 Zweikämpfe bestritt er, für einen Angreifer ist das sehr viel. Auch die Quote von 56,7 Prozent gewonnener Duelle ist für einen Offensivspieler auffällig hoch. Joelinton bestritt acht Luftzweikämpfe und war an zehn geahndeten Zweikämpfen (fünf Fouls gegen sich, fünf von ihm begangene) beteiligt. Nagelsmann entschied sich dagegen, einem besseren Fußballer wie Andrej Kramaric die Aufgabe anzuvertrauen, Guardiolas Spieler zu bedrängen. Joelinton trug stattdessen eine für City unangenehme Körperlichkeit in die Partie. Ein wichtiger Mosaikstein in der Taktik Nagelsmanns. Der 31-Jährige hat seine Klasse als Trainer wieder mal unter Beweis gestellt. Gewissermaßen ist er damit auch in der knappen Niederlage ein Sieger.



insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
blackbaro 03.10.2018
1. Nagelsmann hat einen riesen Fehler gemacht
Schaue ich mir die letzten Bayern Spiele an und jetzt das Spiel von Hoffenheim gegen City, muss man ganz klar sagen es war ein riesen Fehler von Nagelsmann jetzt schon in Leipzig für die nächste Saison zu unterschreiben!!! Er hätte besser bis März 2019 gewartet.Sehr wahrscheinlich hätten sich ganz andere Möglichkeiten ergeben!!!
Abel Frühstück 03.10.2018
2.
Zitat von blackbaroSchaue ich mir die letzten Bayern Spiele an und jetzt das Spiel von Hoffenheim gegen City, muss man ganz klar sagen es war ein riesen Fehler von Nagelsmann jetzt schon in Leipzig für die nächste Saison zu unterschreiben!!! Er hätte besser bis März 2019 gewartet.Sehr wahrscheinlich hätten sich ganz andere Möglichkeiten ergeben!!!
Es zeichnet Nagelsmann ja gerade aus, sehr überlegt vorzugehen. Nach vier Jahren Leipzig ist er immer noch erst 35. Warum soll er sich an "ganz anderen" Stellen vorzeitig verheizen lassen? Der lernt noch. Sehr klug.
axelmueller1976 03.10.2018
3. Wer soll das noch verstehen
Nagelsmann verliert gegen Man-City und wird als Sieger bezeichnet und Kovac spielt 1:1 und gilt als der große Verlierer.Kann mir das jemand erklären .
ernestobecker 03.10.2018
4. Ordentlich
Hoffenheim hat sich ordentlich geschlagen gegen einen auf dem Papier übermächtigen Gegner. Dennoch war der Manchester-Sieg hochverdient. Insbesondere, wenn man hochkarätige Torchancen vergleicht und an den für Manchester nicht gegebenen 100% Elfmeter denkt. Die Schiedsrichterleistung war fragwürdig. Ziemlich inkonsistent, mal kleinlich, mal übertrieben großzügig. Trotzdem ist der Schiedsrichter nicht für die Hoffenheimer Niederlage verantwortlich.
argonaut-10 03.10.2018
5. @axelmüller
ist doch ganz einfach... es geht immer um die Art und Weise. Wer selbst Fussball spielt ode rgespielt hat, weiß, dass eine Niederlage sich trotzdem gut anfühlen kann, wenn vieles gepasst hat und ein Sieg wie eine Niederlage, wenn man mäßig gespielt und durch glückliche Umstände gewonnen hat.
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