Barça-Triumph gegen Mailand: Wieder ganz oben

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Barcelona-Superstar Messi: Weltklasseauftritt gegen Milan

Der FC Barcelona hat seine Krise überwunden, die Achtelfinal-Gala gegen den AC Mailand zeigte die ganze Brillanz des Teams. Das Tempospiel von Messi und Co. nahm dem Gegner jede Möglichkeit zur Entfaltung. Die Katalanen sind jetzt wieder Favorit auf die Champions-League-Trophäe.

In der 92. Minute bot sich Robinho die allerletzte Chance, dieses Achtelfinale doch noch in eine andere Richtung zu lenken. Der Brasilianer vom AC Mailand hätte den Freistoß aus dem Halbfeld einfach vors Tor des FC Barcelona spielen können, wo seine Mitspieler die Hereingabe erwarteten.

Stattdessen entschied sich Robinho für die kurze Variante und überraschte damit seinen Teamkollegen Sulley Muntari, der den Ball gegen Lionel Messi verlor und - anstatt zurückzulaufen - wild gestikulierend auf Robinho einredete. So konnte Barças Jordi Alba ungehindert einen 80-Meter-Sprint anziehen und den Konter über drei Stationen zum 4:0 vollenden. Ein großartiger Fußballabend fand seinen krönenden Abschluss.

Den Mailändern bleibt nach diesem Achtelfinalrückspiel die Erkenntnis, dass ihrer jungen Mannschaft im Umbruch ein gutes Spiel gegen den FC Barcelona zum Weiterkommen nicht reicht.

Plan von Milan ging nicht auf

Wobei die Rossoneri keineswegs nur darauf aus waren, das 2:0 aus dem Hinspiel zu verwalten. Milan-Trainer Massimiliano Allegri spielte mutig mit drei Stürmen. Er schickte den 18-jährigen M'Baye Niang für den verletzten Giampaolo Pazzini ins Zentrum. Stephan El Shaarawy spielte links und Kevin Prince-Boateng rechts. Im Mittelfeld sollten Kapitän Massimo Ambrosini, flankiert von Mathieu Flamini und Riccardo Montolivio, das Zentrum dicht machen und somit die Zuspiele auf Messi verhindern. Der Plan war gut. Allein: Er ging nicht auf.

Bei Barcelona lief etwas überraschend David Villa auf. Erwartet worden war eher ein Spieler wie Alexis Sánchez, der körperliche Vorteile in den direkten Duellen besitzt. Zumal Villa nach seinem Schienbeinbruch noch nicht wieder seine alte Form gefunden hat und in der Liga immer wieder einmal auf der Bank sitzt.

Villa allerdings war Teil einer wirklich guten Strategie von Trainer Jordi Roura - und das nicht nur, weil er das wichtige 3:0 erzielte. Der spanische Nationalspieler zog von der rechten Seite immer wieder ins Zentrum und war neben Messi Barças zweite Anspielstation. Villa bekam zwar nicht so viele Bälle wie sein argentinischer Kollege, sorgte aber durch das Aufkreuzen im Strafraum ständig für Verwirrung und Raum für Außenverteidiger Dani Alves. Der spielte fast Rechtsaußen und hatte seine Seite häufig für sich allein.

In der Defensive hielt ihm Sergio Busquets wirkungsvoll den Rücken frei. Das Mailänder Talent El Shaarawy kam so offensiv kaum zur Geltung und war dem auf der linken Abwehrseite überforderten Kevin Constant defensiv keine Hilfe.

Messi pendelte intuitiv zwischen Flügel, Zentrum und Mittelfeld

Messi indes agierte viel freier und erheblich lauffreudiger als in den vergangenen Spielen. Er pendelte intuitiv klug zwischen rechter Seite, Sturmzentrum und Mittelfeld. Und, wie in früheren Tagen eigentlich selbstverständlich, half er seiner Mannschaft wieder vermehrt beim Gegenpressing. Es war ein Weltklasseauftritt eines Weltklassefußballers.

Der AC Mailand hatte deshalb nur wenig Möglichkeiten für einen konstruktiven Spielaufbau. Nach einem Befreiungsschlag hätte ein Fehler von Barça-Defensivmann Javier Mascherano in der 38. Minute den Spielverlauf dennoch fast gedreht. Niang traf nach der unfreiwilligen Vorlage des Argentiniers jedoch nicht zum 1:1, sondern den Pfosten. Ebenfalls bitter für die Mailänder: Dem zweiten Barcelona-Treffer ging eine Abseitsstellung voraus.

Böse gedacht könnte man behaupten, Barcelona habe das permanente und extrem faire Pressing (nur sechs Fouls) nach Ballverlust deshalb annähernd über die gesamten 90 Minuten gespielt, um den Ball von der wackligen, eigenen Abwehr mit ihren zuletzt wenig sattelfesten Innenverteidigern Piqué und Mascherano fern zu halten. Deswegen hatte auch der schnelle Jordi Alba auf der linken Seite weitaus weniger offensive Aktionen als gewöhnlich. Er wurde als zusätzliche Absicherung benötigt.

Normalerweise kupfert die Konkurrenz bei Barcelona ab - diesmal war es anders herum: Barça hat die richtigen Schlüsse aus den vergangenen Wochen gezogen und sich möglicherweise auch etwas von den Mitbewerbern aus Madrid, München und Dortmund abgeschaut. Messi traf zweimal nach Schüssen in Strafraumnähe -so wie Real-Spieler Luka Modric in Manchester, so wie Art der Bayern ist. Und der letzte Treffer fiel nach einem Ballgewinn in der eigenen Hälfte und einem lehrbuchartigen Konter - siehe Dortmund und Real.

Dank dieser Adaptionen und ihrer wiedergefundenen, überragenden Organisation ist der FC Barcelona jetzt wieder Favorit auf die Champions-League-Trophäe. Gemeinsam mit den "Vorbildern" aus Madrid, München und Dortmund.

Christian Brand ist ehemaliger Bundesligaprofi und trainiert derzeit die U-21 des Schweizer Erstligisten FC Luzern

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insgesamt 5 Beiträge
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1.
speculum7 13.03.2013
in manchen Fußballkreisen munkelt man, Messi könnte sogar übers Wasser laufen
2. Ueberheblich
gconte@pt.lu 13.03.2013
Nun bleiben Sie doch mal mit beiden Füssen auf dem Boden! Als hätte Barcelona es nötig bei Bayern oder dem BVB was abzukupfern!
3. Kaffesatzleserei und großes Drama...?!
robinato 13.03.2013
Der ganze Bohei vor und nach diesem Spiel zeigt doch nur, dass journalistisch ständig dünnbrettgebohrt und Kaffeesatz gelesen wird...im Fußball geht es halt auf und ab, vieles ist auch einfach mal Zufall und die großen Interpreationen sollten die Journalisten mal dem Feuielleton überlassen...
4.
tensionac 13.03.2013
So schnell geht's also von Krise zu Weltklasse, wenn's nur immer so "leicht" gehen würde! ;-)
5. Unsinn
divadtsirch 16.03.2013
Leider transportiert der Artikel bei aller vllt. sachlich intendierten Analyse vorwiegend ideologisch gefärbten Unsinn. Aufgrund der Tore von Leo Messi von der Strafraumgrenze auf eine Adaption des bayrischen Fußballs zu schließen, halte ich doch für regelrecht originell, schließlich sind solche Tore von Messi alles andere als unüblich und sind auch alles andere als bayrisches Patent. Auch die Tatsache, dass der FC Barcelona in der 92. Minute das entscheidende Kontertor macht, hat wenig mit systematischem Konterspiel zu tun sondern liegt einfach in der Logik solcher K.O Spiele, die nicht selten in der Nachspielzeit entschieden werden, wenn eine Mannschaft noch ein Tor braucht und komplett aufmacht. Hätte Messi in der Situation bei Barca Überzahlt etwa stehen bleiben sollen und bis zum Abpfiff warten sollen?Wo man sich also von dem Dortmunder Spiel hat inspirieren lassen, bleibt mir auch schleierhaft.Man könne fast meinen, der FC Barcelona hätte Koollektiv die Spiele der Bundesliag geschaut, um endlich wieder in die Erflogsspur zu kommen. Mir erscheint es, als reihe sich der Kommentar/Artikel damit eigentlich nur wieder in eine Reihe von Artikeln ein, die den Abgesang Barcas insbesondere mit ihrem eigenen Spielstil perpetuieren wollten. Schließlich scheint ja zum neuerlichen Erfolg die Adaption bayrischer und borussischer Elemente notwendig gewesen zu sein. Ein Artikel, der funktional darauf ausgerichtet zu seins scheint, die Eigenleistung Barcas zu schmälern( MAscherano sagte ganz treffend: der Dienstag war von Barca eine Rückkehr zum Original, wir sind wieder das Original/ also insbesondere radikales Pressing, unvergleichliches Tiki Taka, dass man wiedergefunden hat) und in einem Kontext, wo dies einfach völlig unangebracht ist, die Leistung der deutschen Fußballmannschaften herauszukehren. Für mich ein Beispiel fußballdeustcher Minderwertigkeitskomplexe. Die Tolle Arbeit insbesondere der Dortmunder Mannschaft und seines Trainerteams sollte anders transportiert werden, genauso sollte man den auch weiterhin eigenlogischen Fußballstils Barcelonas, der zu etlichen Erfolgen geführt hat, bitte auch als eigenlogischen respektieren und anerkennen.
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