Barcelonas Sieg gegen Juventus Totgesagte leben länger

Für viele schien eine große Ära in Barcelona bereits beendet. Zum Champions-League-Start hat sich das Team um Lionel Messi gegen ein ersatzgeschwächtes Juventus zurückgemeldet. Zwei Altbekannte überragten.

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Die Rede von der Ära: Schon vor zwei Saisons meinten viele Beobachter zu ahnen, dass in Barcelona etwas zu Ende ging. Allerspätestens mit dem 0:4 in Paris im Vorjahr und dann allerallerspätestens mit dem Ausscheiden gegen Juventus war es für viele Experten besiegelt, das Ende dieser Ära um Lionel Messi und Andrés Iniesta in Barcelona. Nun gelang Barça ein souveräner Champions-League-Auftakt im Spitzenspiel gegen Juventus - mit kaum veränderter Mannschaft. War es das Comeback der Totgesagten?

Das Ergebnis: 3:0 (1:0) für Barcelona.

Juves Sorgen: Girogio Chiellini (verletzt), Mario Mandzukic (verletzt), Claudio Marchisio (verletzt), Sami Khedira (verletzt) und Juan Cuadrado (Gelb-Rot im Finale im Vorjahr) fehlten allesamt. Gerade ins Camp Nou möchte man so nicht reisen. Zugang de Mattia Sciglio musste während des Spiels dann noch verletzt ausgewechselt werden. Benedikt Höwedes, von Schalke zu Juve gewechselt, stand noch nicht im Kader.

Die erste Hälfte: Barça hatte den Ball, Juve verlegte sich aufs Verteidigen - und machte das sehr gut. Alles wie erwartet. Die Gäste standen tief und sehr gut geordnet, Barcelona hatte zunächst nur zwei gefährliche Szenen durch Schüsse von Luis Suárez (gehalten von Gianluigi Buffon) und Ousmane Dembélé (daneben). Die Turiner wurden mehrfach durch Konter gefährlich. Und dann kam Lionel Messi, der mit einem typischen Messi-Moment und einem präzisen Linksschuss zum 1:0 gut 44 zähe Minuten vergessen machte.

Die zweite Hälfte: Messi traf erst den Pfosten (52.) und später dann ein zweites Mal ins Tor (70.), wieder mit einem starken Linksschuss, diesmal nach einem schönen Steilpass des sehr auffälligen Andrés Iniesta (69.). Ivan Rakitic hatte zuvor bereits per Abstauber auf 2:0 erhöht, nachdem Stefan Sturaro einen Messi-Querpass nicht weit genug klären konnte (57.). Damit war das Spiel entschieden. Ein Tor von Suárez wurde wegen Abseits noch zu Unrecht aberkannt.

Legenden-Duell: Auch Messi feiert noch Premieren. In zuvor drei Spielen gegen Gianluigi Buffon hatte der Argentinier noch nie getroffen. Aber nach diesem Abend hat er plötzlich eine Torquote von 50 Prozent gegen den 39 Jahre alten Keeper.

Durchwachsenes Dembélé-Debüt: Aus MSN wird MSD? So schnell geht das dann doch nicht. Dembélé wirkte bei seinem ersten Startelfeinsatz noch nicht besonders gut eingebunden, arbeite defensiv aber sehr gut. Er blieb unauffällig, setzte hier und da noch, wie manchmal in Dortmund, zu einem wilden Solo an, das im Ballverlust endete. Der Franzose wird wohl noch etwas Zeit brauchen, könnte dann aber wunderbar funktionieren und Teil eines neuen Traumtrios werden.

Barcelonas neues Traumtrio?
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Barcelonas neues Traumtrio?

Barcelonas Baustellen: Gerade in der ersten Hälfte war der Auftritt nicht rundum souverän. Beim Stand von 0:0 hatte Barcelona große Probleme, sich Chancen zu erspielen - trotz des hohen Ballbesitzanteils. Wieder mal war man auf die Genialität eines Lionel Messi angewiesen, das geht zwar sehr oft, aber auch nicht immer gut. Defensiv ließen die Gastgeber bei so viel Spielkontrolle zudem erstaunlich viele Torschüsse zu (13), weil sie Juve immer wieder kontern ließen - trotz der großen Turiner Verletzungssorgen. Eine wirkliche Belastungsprobe der Barcelona-Abwehr steht in dieser Saison noch aus.

Und was ist nun mit der Ära? Es ist zu früh, das nach einem Spiel endgültig zu beantworten. Aber es war schon auffällig, wer dieses erste Gruppenspiel prägte: Lionel Messi mit seinen zwei Toren und Andres Iniesta, der dem Spiel mit klugen Pässen viel Struktur gab. Es sind unbestritten genau die Spieler des aktuellen Kaders, die am stärksten für die totgesagte Ära in Barcelona stehen. Passenderweise gab es mit Rakitic dann auch noch einen Torschützen, der schon beim Finalsieg gegen Juventus im Jahr 2015 in Berlin getroffen hatte.

FC Barcelona - Juventus Turin 3:0 (1:0)
1:0
Messi (45.)
2:0 Rakitic (57.)
3:0 Messi (69.)
Barcelona: ter Stegen - Alba, Umtiti, Piqué, Semedo - Iniesta (83. Gomes), Busquets, Rakitic (77. Paulinho) - Dembélé (70. Roberto), Suárez, Messi
Juventus: Buffon - Sandro, Benatia, Barzagli, de Sciglio (41. Sturaro) - Matuidi, Pjanic - Costa, Dybala, Bentancur (63. Bernardeschi)- Higuaín (87. Caligara)
Zuschauer: 78.656
Schiedsrichter: Skomina (Slowenien)
Gelbe Karten: Semedo, Messi - Barzagli, Pjanic, Bentancur

insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
ich-geb-auf 13.09.2017
1. Juve schwach..
..da waren vor den Toren teilweise eklatante Fehler.. Stopfehler, Stellungsfehler, Abspielfehler... aber Messi ist schon mega... Hammer Fussballer
micheleyquem 13.09.2017
2. Das war nicht schwer...
Die Hälfte der Mannschaft ist verletzt und ein paar Leute hat man verkauft, da war es nicht sonderlich schwer zu gewinnen. Gegen der ersten wirklichen Gegner fliegen sie raus in der k.o. Runde....
taylor26 13.09.2017
3. kommt schon
Das war das erste spiel sollte man nicht so hochhängen.. im februar wird es ernst dann sieht man welche Mannschaft durchhalten kann bis zum Titel.
Prussia Culé 13.09.2017
4. Ach so einfach
Zitat von micheleyquemDie Hälfte der Mannschaft ist verletzt und ein paar Leute hat man verkauft, da war es nicht sonderlich schwer zu gewinnen. Gegen der ersten wirklichen Gegner fliegen sie raus in der k.o. Runde....
Also wenn ich so etwas schon lese. "da war es nicht sonderlich schwer zu gewinnen". Gegen Juve. Mit Buffon, Benatia, Barzagli, Pjanic, Matuidi, Dybala, Higuain.... alles klar.
JoachimFranz 13.09.2017
5.
Totgesagte? Steht da oben wirklich auf den FC Barcelona bezogen was von Totgesagten? Eine Mannschaft, die erst vor zwei Jahren die CL gewonnen hat, in den letzten 5 Jahren 3x die stärkste Liga der Welt gewonnen hat, mit Messi, Iniesta, Suarez, Rakitic, Dembélé und anderen Spielern top besetzt ist und im UEFA-Klubranking zu den Top 3 zählt, deren Zeit hält der Spon also für abgelaufen, und ordnet sie in seinem Ranking auf Platz 7, 5 Plätze hinter Bayern, ein. Bei der Sachkompetenz braucht man sich über den Spix-Zahlensalat jede Woche nicht zu wundern.
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