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Bayern-Torschütze Robben: Vom Ego befreit

Aus Rom berichtet

Arjen Robben ist in einer herausragenden Form. Vor zwei Jahren schien das kaum möglich, Robben war das Gesicht schmerzhafter Bayern-Niederlagen. Doch seit der Niederländer das Team akzeptiert, wird er immer besser.

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Bayern-Star Robben: In der Form seines Lebens

SPIEGEL ONLINE Fußball
Es war eine Szene wie aus dem Fußballlehrbuch. Bayern Münchens Arjen Robben dribbelte von rechts an den gegnerischen Strafraum, verlangsamte kurz, sah aus dem linken Augenwinkel Philipp Lahm. Er passte Lahm den Ball zu, als existierten die Abwehrspieler des AS Rom vor und neben ihm gar nicht, machte ein paar schnelle Schritte, nahm den Ball wieder an - und schoss. 1:0. Es war der Auftakt eines spektakulären Fußballabends, an dessen Ende es 7:1 (5:0) für den FC Bayern stand und Robben noch ein weiteres Mal getroffen hatte.

"Das ist eine Momentaufnahme", sagte der 30-Jährige nach dem Spiel und stimmte damit ähnliche Töne an wie seiner Trainer Josep Guardiola, der das Ergebnis von Rom als "Unfall" bezeichnet hatte. "So einen Abend muss man genießen, aber lasst uns mit zwei Füßen auf dem Boden bleiben und weiterarbeiten." Die Münchner gaben sich große Mühe, dieses historische Ergebnis nicht überzubewerten, "das ist nur ein Spiel und manchmal passiert so etwas", sagte Robben.

Dabei war er es gewesen, der großen Anteil am Ausgang eben jenes Spiels gehabt hatte, und das hatte mit Zufall oder Schicksal reichlich wenig zu tun. Arjen Robben ist derzeit in einer überragenden Form, vermutlich in der Form seines Lebens.

Noch vor gut zwei Jahren hätte diese Entwicklung kaum einer für möglich gehalten. Damals war der Niederländer nicht mehr der Weltklassefußballer Robben, sondern das Gesicht der tragischen Champions-League-Niederlage gegen den FC Chelsea, weil er in der Nachspielzeit eine hundertprozentige Chance nicht genutzt hatte. Auch die gegen Borussia Dortmund verlorene Meisterschaft kreidete man ihm an; im direkten Duell hatte er einen Elfmeter vergeben. Im Freundschaftsspiel zwischen Bayern und den Niederlanden wenige Tage später wurde Robben ausgebuht, sobald er an den Ball kam. Ein Wechsel schien wahrscheinlich.

Guardiola ließ sich von Robben überzeugen

Doch Robben blieb. Er gewann im folgenden Jahr die Champions League und mit Guardiola einen Trainer, der zwar zu Beginn skeptisch war, sich aber mehr und mehr von seinem Offensivspieler überzeugen ließ. Wenn Guardiola heute über Robben spricht, dann von einem der besten Flügelspieler der Welt. Robben, der einstige Chancentod, hat sich freigespielt - auch von sich selbst.

Denn lange Zeit galt Robben als schwieriger Charakter, als Egozentriker, der kein Auge für seine Mitspieler und das Teamgefüge hatte. Am liebsten war es ihm, den Ball mit einer seiner Einzelaktionen ins Tor zu befördern. Der Robben, der an diesem Abend in Rom eine überragende Leistung gezeigt hat, ist ein anderer. Dieser Robben rannte und kämpfte über 90 Minuten, er bot sich seinen Teamkollegen an, gestikulierte und vor allem: kommunizierte. In mehreren Situationen dribbelte er mit dem Ball - wie so oft - von Rechtsaußen in Richtung Strafraumgrenze, doch anstatt sich alleine in der römischen Abwehr zu verheddern, suchte er immer wieder den Blickkontakt mit seinen Mitspielern.

Auch sie verhielten sich anders. Schienen sie es früher manchmal aufgegeben zu haben, wenn Robben den Ball hatte, liefen sie nun mit, jederzeit anspielbereit. Robbens Position im Team hat sich verändert, er ist nun mehr Teil eines starken Kollektivs als Einzelkämpfer. "Riesen-Kompliment an die Mannschaft und auch vor allem an den Trainerstab, wie die das Spiel vorbereitet haben, die Taktik heute, alles hat geklappt", sagte er nach dem Spiel.

Robben hat Spaß als Mannschaftsspieler

Als Guardiola nach München kam, hatte er die Befürchtung, dass Robben zu starrköpfig für ein neues Konzept und Anpassungen sein könnte. Für solche Spielertypen hat der Katalane wenig übrig. Doch Robben hat sich zum Gegenteil entwickelt, er nimmt die Ideen Guardiolas an und ist bereit, mit ihnen zu arbeiten.

Ein vorläufiger Höhepunkt dieser Entwicklung war die Weltmeisterschaft in Brasilien, bei der Robben für viele Beobachter einer der besten Spieler des Turniers war. "Die Art, wie Arjen Fußball in Brasilien gespielt hat, war surreal", sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, "und er macht in dieser Saison bei Bayern München genau so weiter. Es gibt kaum einen Verteidiger, der ihn stoppen kann. Wann immer er den Ball berührt, ist der Gegner in höchster Alarmbereitschaft."

Und Robben scheint seine neue Rolle als Mannschaftsspieler sogar Spaß zu machen: "Ich glaube, den Römern hat nicht etwas gefehlt, sondern wir haben sie mit unserer Spielweise überrascht", freute er sich, "darauf haben sie keine Antwort gehabt." Es ist die derzeit wohl gefährlichste Kombination für jeden Gegner: Eine funktionierende Mannschaft mit einem funktionierenden Arjen Robben.

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insgesamt 22 Beiträge
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1. Chef-Dynamiker
romeov 22.10.2014
...habe in meiner ganzen Fußball-Zeit keinen explosiveren Spieler gesehen. Zudem ist er in seiner besten Form.
2. ...
jujo 22.10.2014
Ich denke den Sinneswandel vom Egozentriker seinerzeit zu heute ist nur zu verstehen unter dem Einfluss von Jupp Heynckes. Hätte er nicht schon vor 2 Jahren begonnen sich zu verändern würde er heute sonstwo spielen aber nicht mehr in München.
3.
Amalie 22.10.2014
Super Arjen! Es macht einfach riesig viel Spaß, dem Niederlände beim Spiel zuzugucken. Ich hoffe, er bleibt gesund und schießt noch viele Tore für die Bayern.
4.
frenchhornplayer85 22.10.2014
Auch wenn ich kein Bayernfan bin, so muss man vor robben den Hut ziehen. Er sollte nur noch seine theatralik abwerfen, dann wird es vllt sogar noch sympathisch!
5. Besonders freut es mich, weil...
zauselfritz 22.10.2014
... es auch damals bei Robben hiess, Bayern kauft ihn von der Madrider Resterampe. Durch seine harte Arbeit an sich, unterstützt durch Heynckes und den Verein, dürfen wir heute den besten Arjen Robben bewundern, den es je gab - und einen der weltbesten Flügelstürmer überhaupt. Übrigens hiess es auch bei Alonso er wäre von der Resterampe gekommen. Er hat diese Leute nur schon mit seinem ersten Spiel Lügen gestraft. Und tut es weiter. Wer hätte das gedacht, beim FC Bayern weiss man doch was man tut!?
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