Champions League FC Bayern bezwingt Real

Auch im Halbfinal-Rückspiel weist der FC Bayern München Titelverteidiger Real Madrid in die Schranken und zieht souverän ins Endspiel der Champions League ein.


Giovane Elber: Valencia kann kommen!
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Giovane Elber: Valencia kann kommen!

München - Auf den Tag genau ein Jahr nach dem Halbfinal-Aus gegen Real gelang dem deutschen Rekordmeister mit dem 2:1 (2:1) vor 60.000 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion die Revanche gegen die Spanier.

Am 23. Mai in Mailand gegen den FC Valencia hoffen die Bayern 25 Jahre nach dem letzten Triumph im Landesmeister-Wettbewerb auf den vierten Cupgewinn, der zugleich der erste in der Champions League wäre.

"Das war eine fantastische und sensationelle Leistung", lobte Trainer Ottmar Hitzfeld seine Spieler und sprach von einem "großartigen Erlebnis". Er freue sich für Fans und Mannschaft: "Das war ein kleines Wunder." Bayern-Präsident Franz Beckenbauer war ebenfalls nach Komplimenten zumute: "Wenn man Manchester zweimal schlägt und auch Real, dann hat sich die Mannschaft die Finalteilnahme verdient."

Elber und Jeremies trafen

Giovane Elber in der achten Minute und Jens Jeremies (34.) machten mit ihren Toren eine Woche nach dem 1:0 im Bernabeu-Stadion den Bayern-Erfolg perfekt. Der zwischenzeitliche Ausgleich durch Luis Figo (18.) war für den Titelverteidiger zu wenig. Für den Finaleinzug kassiert der FC Bayern 7,2 Millionen Mark.

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Holt sich der FC Bayern gehen Valencia den Cup?

Eine Stunde vor Anpfiff gab Mehmet Scholl grünes Licht für seinen Einsatz, acht Sekunden nach dem Anpfiff das Signal für eine starke Bayern-Vorstellung. Der wegen einer Verletzung am Sprunggelenk bis zuletzt um sein Mitwirken bangende Nationalspieler forderte Real-Torwart Iker Casillas mit einem Flachschuss.

Trotz der einwöchigen Trainingspause zählte Scholl bis zu seiner Auswechslung zu den auffälligsten Spielern auf dem Platz. "Bis zur 40. Minute habe ich nichts gespürt, nach einer Stunde bekam ich Krämpfe, da musste ich raus", bekannte Scholl nach dem Spiel. Jetzt dürfe man den Endspielgegner Valencia nicht unterschätzen: "Das ist eine gefährliche Mannschaft. Noch ist nichts gegessen, das wird ein brutal schweres Spiel."

Debütant Owen Hargreaves wusste zu überzeugen

Neben Scholl überzeugte auch Owen Hargreaves im Mittelfeld, der für den gesperrten Kapitän Stefan Effenberg erstmals in einem Europacupspiel in die Anfangsformation der Bayern rückte. Der 20-jährige gebürtige Kanadier, der in dieser Saison zumeist für die Regionalliga-Mannschaft des FC gespielt hatte, ging gegen Weltstar Figo respektlos zur Sache und traute sich auch in der Offensive etwas zu.

"Er spielt klare, einfache Bälle, ist sehr engagiert und hängt sich rein", lobte Effenberg seinen Vertreter. Und Hitzfeld meinte: "Owen ist ins kalte Wasser geworfen worden, aber er hat sich frei geschwommen." In der dritten Minute bediente der englische U-20-Spieler Elber mit einem 40-Meter-Pass, doch der Brasilianer scheiterte frei vor Casillas.

Bixente Lizarazu beglückwünscht den Torschützen Jens Jeremies
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Bixente Lizarazu beglückwünscht den Torschützen Jens Jeremies

Fünf Minuten später stand der Bayern-Torjäger dann aber goldrichtig und erzielte mit seinem sechsten Tor im laufenden Champions-League-Wettbewerb die frühe Führung für die Münchner. Zuvor hatte Michel Salgado bei einem Kopfball von Jeremies auf der Linie gerettet, den Abpraller bugsierte Elber per Kopf über die Linie.

Figo sorgte für den Ausgleich

Real Madrid erholte sich erst nach einer guten Viertelstunde von diesem Rückschlag. Beim Ausgleich demonstrierten die "Königlichen" dann aber gleich ihre Klasse. Eine Direktkombination von Roberto Carlos, Raul und Figo schloss der Portugiese zum 1:1 ab.

Der Treffer beflügelte die Madrilenen, die danach ihre stärkste Phase hatten. Doch die von Patrik Andersson ("Wir waren sehr konzentriert und bissig, ich genieße diesen Moment") erneut umsichtig dirigierte Bayern-Abwehr gab sich keine weitere Blöße und konnte nach 34 Minuten durchatmen, als Jeremies nach einem feinen Freistoßtrick von Scholl ("Das hatten wir vorher geübt") von der Strafraumgrenze zum 2:1 traf.

Madrids Schlussoffensive verpuffte

Wie erwartet tat Real nach der Pause mehr für die Offensive und setzte den deutschen Rekordmeister gehörig unter Druck. Mit der Einwechslung von Savio und Morientes löste Trainer Vicente del Bosque die Defensive fast auf und setzte alles auf eine Karte. Doch wie schon im Hinspiel hielt das Bayern-Bollwerk dem Ansturm stand.

"Bayern hat in der Verteidigung wieder mit fünf Spielern gespielt, darüber sind wir nicht hinweggekommen", meinte der enttäuschte Real-Coach, "wir haben immerhin das Halbfinale erreicht, das war eine bemerkenswerte, allerdings auch keine herausragende Leistung."

Für Münchens Manager Uli Hoeneß hatte ein Scheitern ohnehin nie zur Debatte gestanden: "Ich dachte, dass wir klar gewinnen." Der Ausgleich habe ihm jedoch überhaupt nicht ins Konzept gepasst: "Der hat unsere Nerven unglaublich strapaziert."


FC Bayern München - Real Madrid 2:1 (2:1)
1:0 Elber (8.)
1:1 Figo (18.)
2:1 Jeremies (34.)
FC Bayern München: Kahn - Kuffour, Andersson, Linke - Sagnol, Jeremies (70. Sforza), Hargreaves, Lizarazu - Salihamidzic, Elber (86. Zickler), Scholl (60. Santa Cruz)
Real Madrid: Casillas - Michel Salgado, Hierro, Karanka (66. Morientes), Roberto Carlos - Makelele, Helguera - Figo, Raul, McManaman (61. Savio) - Guti
Schiedsrichter: Nielsen (Dänemark)
Zuschauer: 60 000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Jeremies (4), Sforza (2) - Helguera (5/1), Hierro (3), Guti (2)



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